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Evolutionsbiologie

02.04.2014

Hatten Europäer einen selektiven Vorteil durch Neandertaler-Gene?

Wieviel Neandertaler-Erbgut steckt in uns? Nicht viel, haben Forscher herausgefunden. Es sind jedoch entscheidende Gene zum Überleben in kühleren Gebieten.
Bild: Federico Gambarini (dpa)

Forscher der Max-Planck-Gesellschaft haben herausgefunden, dass in den Genen von Europäern dreimal mehr Neandertaler-Varianten sind als bei Asiaten und Afrikanern. Was heißt das?

Gene von Neandertalern haben den Fettstoffwechsel von modernen Europäern offenbar stärker beeinflusst als den von Asiaten und Afrikanern. Möglicherweise hat dies sogar den Aufbau des Gehirns beeinflusst.

Ein internationales Forscherteam des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und des CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai kommen zu folgendem Ergebnis: Europäer besitzen dreimal mehr Neandertaler-Varianten in ihren am Fettabbau beteiligten Genen als Asiaten und Afrikaner.

Welche Rolle spielen Neandertaler-Varianten für den modernen Mensch?

Die Neandertaler sind schon lange ausgestorben, doch Fragmente ihrer Gene lassen sich noch heute in lebenden Menschen feststellen. Die Wissenschaftler verglichen das Erbgut von elf lebenden Populationen afrikanischer, asiatischer und europäischer Abstammung und forschten dabei nach Neandertaler-Fragmenten. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal "Nature Communications".

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Möglicherweise hätten jene Menschen mit Neandertaler-Varianten in den Genen einen selektiven Vorteil bei der Evolution gehabt, erläuterte MPI-Forscher Philipp Khaitovich. Welchen genau, das müsse noch erforscht werden.

Zudem untersuchten die Forscher, wie die Neandertaler-Varianten den Fettstoffwechsel beim modernen Menschen beeinflussen. Dabei fanden sie bei Menschen europäischer Abstammung evolutionäre Veränderungen in der Fettkonzentration und in der Bildung von Stoffwechselenzymen im Gehirn.

Neandertaler-Erbgut half womöglich gegen Kälte

"Wir wissen nicht, wie sich diese veränderte Fettkonzentration auf das Gehirn auswirkt. Aber schon die Tatsache, dass Neandertaler-Gene den Aufbau unseres Gehirns verändert haben könnten, ist äußerst interessant", erklärte Khaitovich.

Erst im Januar hatten zwei Studien ergeben, dass Neandertaler-Gene den Vorfahren moderner Menschen wahrscheinlich dabei geholfen hatte, sich an die kühlere Umgebung außerhalb Afrikas anzupassen. Demnach ist Neandertaler-Erbgut in heutigen Europäern und Ostasiaten insbesondere an jenen Stellen vorhanden, an denen Wachstum und Ausgestaltung von Haut und Haaren geregelt werden. dpa, az

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