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Arztbesuche

21.01.2016

Kassenärzte: Patientenbesuche sollen stärker gesteuert werden

Kassenärzte wollen Arztbesuche von Patienten besser koordinieren. (Symbolbild)
Bild: Patrick Pleul, dpa

Um Wartezeiten zu verkürzen, wollen Kassenärzte Arztbesuche von Patienten besser koordinieren. Um die Steuerung zu realisieren gibt es ab Montag Vergabestellen für Facharzttermine.

Vor dem Start der neuen Terminservicestellen haben die Kassenärzte eine stärkere Steuerung der Patientenbesuche gefordert. Es gebe zu viele Patienten, "die wegen derselben Beschwerden zu zwei, drei oder sogar noch mehr Fachärzten gehen", kritisierte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Dadurch komme es zu Wartezeiten. Die Vergabestellen für Facharzttermine, die am Montag starten, halten die Kassenärzte für überflüssig.

Die Terminservicestellen wären unnötig, "wenn viele Patienten nicht wahllos Termine bei Ärzten vereinbaren würden", sagte Gassen den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstagausgaben). "Wir können diesen ungehinderten und beliebigen Zugang zum Arzt auf Dauer nicht aufrechterhalten." Nötig seien eine stärkere Steuerung der Patienten und "eine Schwelle beim Zugang zum Arzt", sagte der KBV-Chef.

Kassenärzte sind für bessere Steuerung von Arztbesuchen

Gassen schlug finanzielle Anreize für Patienten vor, damit diese zunächst immer einen bestimmten Arzt aufsuchen, der sie dann gegebenenfalls weiter überweisen kann. Dies könne der normale Hausarzt sein, aber auch der Frauenarzt oder bei chronisch Kranken der behandelnde Facharzt. Die Krankenkassen sollten dafür verschiedene Versicherungstarife anbieten können.

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In der Vergangenheit war allerdings bereits mit der Praxisgebühr vergeblich versucht worden, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren. 2013 wurde die Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro, die jeder Kassenpatient pro Quartal zahlen musste, endgültig gestrichen.

Angesichts der teils erheblichen Wartezeiten, die Kassenpatienten bei Fachärzten in Kauf nehmen müssen, hatte die Koalition die Kassenärztlichen Vereinigungen mit der Einrichtung von Terminservicestellen beauftragt. Versicherten soll innerhalb einer Woche ein Termin vorschlagen werden. Die Wartezeit darf höchstens vier Wochen betragen.

Wartezeiten sollen verkürzt werden

Andernfalls kann der Patient zur Behandlung ins Krankenhaus gehen. Ausgenommen sind allerdings sogenannte Bagatellkrankheiten oder Routineuntersuchungen. Ein Anspruch auf einen bestimmten Arzt oder Wunschtermin besteht ebenfalls nicht.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verteidigte die Terminservicestellen gegen die Kritik aus der Ärzteschaft. "Der Bedarf ist groß", sagte er den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" vom Donnerstag. Gesetzlich Versicherte warteten, wenn es sich nicht um einen Notfall handele, oft Monate auf einen Termin. Dabei leiste sich kein Land eine so hohe Facharztdichte wie Deutschland, insbesondere in Großstädten und Ballungszentren.

Vergabestellen für Facharzttermine gibt es ab Montag

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verwies darauf, dass es in Deutschland so viele niedergelassene Ärzte gebe wie noch nie. Nachdem die Ärzteinstitutionen es jahrzehntelang versäumt hätten, das Problem der teils überlangen Wartezeiten für gesetzlich Versicherte zu lösen, schiebe sie nun den Patienten die Schuld zu, kritisierte Verbandssprecher Florian Lanz. "Das ist schon ein starkes Stück."

Der Kassen-Spitzenverband hatte die Ärzte wiederholt vor einer schleppenden Umsetzung der Terminservicestellen gewarnt. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssten dafür sorgen, dass das Angebot funktioniere.

Gesetzlich Versicherte erfahren die Telefonnummer und die Sprechzeiten der Terminservicestelle von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in ihrem Bundesland oder ihrer Region.

Eine Auflistung der KVen steht im Internet unter: www.kbv.de/html/432.php. AFP

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