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Tornado

22.05.2015

Affinger Feuerwehrkommandant: "Man hat einfach nur funktioniert"

Nach dem Tornado waren in Affing/Gebenhofen zahlreiche Helfer im Einsatz.
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Nach dem Tornado waren in Affing/Gebenhofen zahlreiche Helfer im Einsatz.
Bild: Ulrich Wagner

Der Tornado war eine extreme Herausforderung für Affings Feuerwehrkommandant Michael Lichtenstern. Dabei ist er selbst ein Opfer der Naturkatastrophe.

Er war und ist eine Herausforderung für alle Beteiligten: der Tornado in der Nacht zu Christi Himmelfahrt und seine Folgen. Beispielhaft dafür steht Michael Lichtenstern. Der 32-jährige Hausmeister der Affinger Grundschule ist seit Dezember 2014 Kommandant der Feuerwehr in Affing – und selbst Tornadoopfer. Wir haben mit ihm gesprochen

Herr Lichtenstern, wie geht es Ihnen?

Michael Lichtenstern: Ich habe die letzten Tage keine Zeit gehabt, an mich selbst zu denken. Woher ich die Kraft genommen habe, weiß ich nicht. Man hat einfach nur funktioniert. Doch ich stelle fest, die eigene psychische Belastung nimmt nun zu. Wenn man heimkommt und das eigene Haus sieht, fragt man sich schon: Warum mache ich das? Meine Kommandantentaufe war schon extremst.

Was ist bei Ihnen passiert?

Lichtenstern: Ich saß in meinem Wohnzimmer, als ich merkte: Irgendetwas passt nicht. Dann ging es Schlag auf Schlag. Zuerst habe ich nach meiner Mutter und meinem Bruder nebenan geschaut. Dann klingelte schon der Alarm. Am Haus meiner Mutter und an meinem eigenen ist ein ziemliches Schadensbild erkennbar. Beide Häuser sind bewohnbar, doch Fassaden und Dächer sind erheblich beschädigt, Fenster und Rollläden sind kaputt. Ins Wohnzimmer hat es in der Unglücksnacht reingeregnet. Deshalb muss die Decke entfernt werden. Zwei Autos sind schrottreif. Ich bin froh, dass am Dienstag ein Gutachter da war, aber eine Schadenssumme steht noch nicht fest. Wir haben eine Elementarversicherung abgeschlossen, warum weiß ich auch nicht. Aber jetzt sind wir froh.

Ein Unwetter hat in der Region im Mai 2015 eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Durch einen Tornado wurden Dächer abgedeckt und Menschen verletzt. Vor allem die Orte Affing und Stettenhofen wurden schwer getroffen.
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Tornado richtet schwere Verwüstungen in der Region an
Bild: Marcus Merk, Hilfsorganisation ACO e.V., Ibrahim Yilmaz, Katja Röderer, Christoph Bruder, Erich Echter, Karl-Josef Hildenbrand dpa

Wie lange hat Ihr Einsatz mit der Feuerwehr gedauert?

Lichtenstern: In der ersten Nacht habe ich überhaupt nicht geschlafen. Am Donnerstagnachmittag bin ich irgendwann heim, um mein Haus notdürftig abzudichten. Wir haben täglich bis in die Nacht hinein gearbeitet. Geschlafen habe ich vielleicht fünf, sechs Stunden. Der Feuerwehrdienst hat bis Montag um 19 Uhr gedauert. Am Dienstag war ich in der Arbeit. Am Mittwoch hatte ich einen Tag Urlaub. Der stand schon lange vorher fest und war bitter nötig.

Was war am schwierigsten für Sie?

Lichtenstern: Das mit den Schaulustigen war wirklich unter aller Kanone. Sie haben alles aufgehalten, nur um ein paar Fotos zu schießen. Das hat die Sache ziemlich erschwert. Diese Sensationsgier kann man nicht nachvollziehen. Ein Beispiel: Ich hatte am Donnerstag gerade mein Haus notdürftig mit Folie abgedeckt, da kam einer und riss daran herum. Er sagte: ,Ich möchte nur sehen, was alles kaputt ist.‘

Der Tornado hat in unserer Region ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Jetzt heißt es erstmal: Aufräumen und den Geschädigten helfen.

Gibt es bei allem Unglück auch eine positive Erfahrung?

Lichtenstern: Das war vor allem, dass so viele Leute und Firmen, ohne dass man sie hat fragen müssen, mit allem, was sie haben, angerückt sind, um zu helfen. Wenn sie nicht so schnell da gewesen wären, hätten wir das alles nicht so geschafft. Was da bewegt worden ist, das war schon phänomenal.

Was steht nun noch an?

Lichtenstern: Die Bürger sollen nun eigenständig ihre Selbsthilfe leisten. Trotzdem hilft die Feuerwehr zum Teil noch mit. Manche Aktive sind zu Hause, weil sie sich haben beurlauben lassen. Sie helfen dann zum Beispiel einem Feuerwehrkollegen, der sein Haus abreißen muss und binden den Staub. Dann kommt noch die Bürokratie. Die Einsätze müssen festgehalten werden, Bestätigungen der Feuerwehrler für ihre Arbeitgeber herausgeschrieben werden. Da werde ich noch einige Stunden sitzen.

Liegt Ihnen noch etwas am Herzen?

Lichtenstern: Ich möchte mich bei allen Helfern bedanken und ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und dass sie den Mut nicht verlieren sollen.

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