Kino

23.05.2019

Autark in allem

Johann Steinhart (links) und Alfred Seitz berichteten nach dem Film „Autark“, dass auch in unserem Raum Bebauungspläne für autarke Siedlungen vorbereitet werden.
Bild: Martin Golling

Sich komplett selbst zu versorgen, ist kein Traum, sondern schon möglich. Das zeigt ein Film in Aichach

„Autark, Leben mit der Energiewende 4.0“ lief im Cineplex Aichach, doch nur drei Dutzend Zuschauer wollten sich bei schönstem Wetter ins Kino setzen. Den Film präsentierte die Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Der Anstoß dafür kam von Alfred Seitz von der Bürgerenergiegenossenschaft Aichach-Schrobenhausen-Neuburg-Eichstätt und von dem Baubiologen und Lehmbauer Johann Steinhart.

Beide wiesen im Gespräch zum Film auf Projekte in ihrem Bereich hin, wo Bebauungspläne im Entstehen sind, die eine energieunabhängige Siedlung als Ziel vorgeben. Steinhart ging noch weiter: „Der Film zeigt, was alles jetzt schon möglich ist. Mit der neuen Siedlung wollen wir uns komplett abkoppeln – auch vom öffentlichen Kanalnetz. Gebaut wird mit regionalen Baustoffen wie Lehm und Stroh.“

Mit Power-to-Gas-Technologie sollen Wind- und Solarkraftwerke bei Stromüberproduktion nicht mehr vom Netz genommen werden, sondern ihre Energie sollte als Methan gespeichert werden. Dann wären große Stromleitungen überflüssig, denn bei Bedarf könnten Gaskraftwerke einspringen, so ein kreativer Vorschlag aus der Schar der durchaus kompetenten Zuschauer.

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„Autark“ fasziniert auf eine besondere Art. Selbstversorgend unabhängig waren bis vor hundert Jahren viele Menschen – jedoch auf niedrigem Energieniveau und ohne jeglichen Komfort. Der Film zeigt anhand von Beispielen, wie leicht es heute geht, sich von der sich rasend schnell verteuernden Versorgung abzukoppeln. „Wir müssen uns daran gewöhnen, künftig Energie erzeugende Häuser zu bauen“, sagt etwa Fotovoltaik-Spezialist Holger Laudeley.

Franz Alt dagegen sieht das Thema politischer, globaler, aber auch emotionaler. Er spricht bei der Energie von einem ethischen Thema. Dagegen sagt Manfred Guggenmoos: „Wohnen und Mobilität verschlingen heute durchschnittlich 40 Prozent des Einkommens. Da wird Eigenversorgung fast zwingend.“ Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wer heute die Möglichkeit auslässt, seine Energie selbst zu produzieren, der verzichtet auf Geld und Freiheit.“ Wer derzeit 25000 Euro in die Hand nehme, der sei zumindest beim Strom autark, ist sich Guggenmoos sicher.

Hans-Josef Fell war jener visionäre SPD-Abgeordnete, der mit energiepolitischem Weitblick das erste Erneuerbare Energiengesetz (EEG) mit auf den Weg brachte. „Wir waren Vorreiter in der Welt und deswegen sind viele Staaten weltweit auf einem guten Weg. Bei uns in Deutschland haben die Energiekonzerne mit ihren Kohle- und Atomkraftwerken die Entwicklung behindert“, urteilt Fell. Doch wer bei Energie autark ist, kann sich noch lange nicht abkoppeln von der Abhängigkeit bei Trink- und Abwasser. Geht doch – zumindest bei Clemens Jakob. Sein Haus auf 18 Quadratmetern Grundfläche hat eine zu 100 Prozent eigenständige 24-Volt-Versorgung, eine Pflanzenkläranlage recycelt das Grauwasser aus Dusche und Spüle, mittels Umkehrosmose gewinnt er sein Trinkwasser und Urin und Exkremente landen im Komposter. In den üppig wuchernden Hochbeeten wächst, was der Zweipersonenhaushalt so als Gartenfleisch im Selbstverbrauch kaum bewältigen kann. Das ist dann wirklich autark.

Doch eigentlich müsste die gesamte Menschheit autark sein. Der Freund von Franz Alt, kein geringerer als der Dalai Lama, liefert dafür die Vision: „Die Sahara! Wir sollten die Wüste mit der Energie der Sonne in ein grünes Land verwandeln.“

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