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Unterhaltung

19.10.2019

Das Experimentelle an Gogols „Revisor“ in Aichach

Das Aichacher Volkstheater probt ein neues Stück.
Bild: Robert Predasch

Das Aichacher Volkstheater präsentiert das Stück des ukrainischen Literaten in der TSV Halle. Jörg Schur führt Regie. Premiere ist am 16. November. Worauf sich das Publikum vorbereiten kann

Ein Revisor ist in der Stadt. Inkognito. Die Nachricht verbreitet sich in der fiktiven russischen Provinzstadt wie ein Lauffeuer. Die Devise lautet: Retten, was zu retten ist. Denn in der namenlosen Kleinstadt haben alle Dreck am Stecken: Misswirtschaft, Korruption, Bereicherung. Die Verdorbenheit ist allgegenwärtig.

So beginnt die Inhaltsbeschreibung von Gogols Weltklassiker „Der Revisor“ auf der Internetseite des Aichacher Volkstheaters. Tatsächlich geht es im diesjährigen Herbststück um Menschen, für die Bestechlichkeit und Korruption an der Tagesordnung sind.

„Der Revisor“ steht in Russland etwa so oft auf den Spielplänen der großen Häuser wie in Deutschland Goethes Faust. Er ist als absoluter Klassiker zu bezeichnen. Damit verlässt das Aichacher Volkstheater seinen in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Turnus, nach dem eigentlich eher ein experimentelles Stück dran wäre, aber trotzdem nicht. Denn mit Regisseur Jörg Schur wird selbst dieser Klassiker des ukrainischen Literaten Nikolai Gogol zu einem Experiment.

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Die Zusammenarbeit mit Schur, dessen Wurzeln im Improtheater liegen, haben die Verantwortlichen schon vor fast drei Jahren angekurbelt, allerdings konnte der viel beschäftigte Schauspieler und Regisseur erst 2019 zusagen. Dafür ist er jetzt aber auch mit vollem Einsatz vor Ort. Wenn er an zwei Abenden pro Woche den Spielern des Aichacher Volkstheaters die Schrullen und Marotten der russischen Provinzobrigkeit einbläut, bleibt kein Auge trocken. Mit seinem Humor und seiner Ideenflut formt er die Figuren zu grotesken Gestalten, die in schwankenden Stimmungslagen über die Bühne torkeln, schreiten, fahren oder kriechen.

Der devote Bürgermeister ist so schillernd überzeichnet, dass man schon fast Mitleid mit ihm haben möchte. Seine Gattin und Tochter bandeln beide mit dem vermeintlichen Revisor an und Richter, Schulrat, Krankenhausverwalterin und Postmeisterin versuchen mit unterschiedlichen Strategien, sich beim obersten Kontrollbeamten lieb Kind zu machen. Eines bleibt am Ende immer gleich: Es fließt Schmiergeld, und zwar reichlich. Dass der Revisor gar kein Revisor ist, bemerken die Obrigkeitshörigen erst, als es zu spät ist. Jeder kriegt so gehörig sein Fett weg, dass man den Geprellten beinahe helfen möchte.

„Im ‚Revisor‘ beschloss ich, alles Schlechte, das ich nur kannte, zusammenzutragen und mit einem Schlag dem Gelächter preiszugeben“, fasst Gogol den Sinn seiner Komödie 1848 in einem Brief zusammen. Nikolai Gogol ist einer der Wegbereiter der russischen Literatur mit einem ungeheuren Talent für die witzige Aufarbeitung des kleinbürgerlichen Gehorsams- und Obrigkeitsdenkens. Dabei hat er stets einen liebevollen Blick auf die kleinen, einfachen Leute. Das Stück wurde am 19. April 1836 im Alexandrinski-Theater in St. Petersburg in Anwesenheit des russischen Zaren aufgeführt. „Na, das ist ein Stück. Alle haben etwas abbekommen und ich selbst am meisten“, soll NikolausI. begeistert ausgerufen haben.

Beim Aichacher Volkstheater laufen die Proben seit Mai dieses Jahres. Kürzlich verbrachte das Ensemble mit dem Regisseur ein Probenwochenende in Kienberg im Allgäu, wo intensiv an den Szenen gearbeitet wurde. Rollenarbeit funktioniert am besten, wenn die Spieler in Klausur gehen, da die Konzentration in der Abgeschiedenheit nicht durch Alltagsstörfaktoren beeinträchtigt wird und man Beruf und Familie völlig ausblenden kann.

An der Premiere am 16. November werden 20 Schauspieler auf der Bühne zu sehen sein, darunter viele alte Hasen, aber auch neue und einige sehr junge Gesichter, denn der Nachwuchs des Jungen AVT wird, wenn möglich, auch ins Erwachsenenstück integriert.

Die Aufführungstermine: Samstag, 16. November (Premiere), Freitag, 22. November, und Samstag, 23. November, um 19.30 Uhr, Sonntag, 24. November, um 16 Uhr, Samstag, 30. November, um 19.30 Uhr, Sonntag, 1. Dezember, um 16 Uhr, und Freitag, 6. Dezember, und Samstag, 7. Dezember, um 19.30 Uhr in der TSV-Halle, Donauwörther Straße 12 in Aichach. (AN)

Karten gibt es im Direktverkauf am Stadtplatz in Aichach am Samstag, 2. November, von 10 bis 12 Uhr vor dem Kenn i Di. Internetreservierungen gibt es ab Sonntag, 3. November, unter www.aichacher-volkstheater.de, Karten gibt es auch an der Abendkasse im Foyer der TSV-Turnhalle, jeweils 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

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