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Partnerschaft I

19.05.2015

Das Wunder der Versöhnung wird greifbar

Die Mauern in den Herzen sind gefallen

Besucher aus Lobez und Affinger feiern. Dabei wird auch an einen Vorfall erinnert, der tödliche Folgen hatte

Es geht auf das Ende eines denkwürdigen Besuchs aus der Affinger Partnerstadt Lobez (gesprochen: Wopesch) in Polen zu. Beim Sonntagsgottesdienst in der Aulzhausener Kirche heult draußen die Sirene auf. Pfarrer Max Bauer weiß warum: „Die Feuerwehr sucht immer noch Helfer für die Betroffenen des Tornados. Wer schwindelfrei ist und weiß, wie man auf einem Dach arbeitet, kann seine Arbeitskraft als Gottesdienst helfend verrichten.“ Die Einnahmen aus der Kollekte an diesem Sonntag fließen in der gesamten Pfarreiengemeinschaft Affing in den Hilfstopf für Schäden durch den Tornado.

Dabei geht es in dieser Messe um etwas ganz anderes: Am 7. Februar 1944 wurde im Affinger Ortsteil Aulzhausen der polnische Zwangsarbeiter Michael Kwik zum Tode durch Erhängen verurteilt. Ein an sich geringfügiger Zwischenfall mit einem deutschen Wehrmachtsangehörigen hatte den Tod des 21-Jährigen zur Folge. Bei einer harmlosen Rauferei hatte der Wehrmachtsangehörige einen Kratzer abbekommen und – das dürfte damals schwerer gewogen haben – seine Wehrmachtsuniform war beschädigt. Zuvor hatten zwei Burschen Michael Kwik gehänselt und mit Schneebällen beworfen.

Heute ist das Grab von Kwik auf dem Aulzhausener Friedhof gut gepflegt. „Wir gehen da nach dem Gottesdienst raus, wir denken an Michael Kwik und daran, dass das Wunder der Versöhnung zwischen seinem und unserem Volk geschehen ist“, sagt Pfarrer Max Bauer. Seine Worte übersetzt Kataryna Woniak ins Polnische.

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Das Familiengottesdienst-Team um Brigitte Gföllner hat die Messfeier geplant und dazu eine Mauer aus Karton errichtet. Max Bauer erinnert daran, dass eine solche gemeinsame Feier ohne den Fall der Mauer vor 25 Jahren nicht möglich gewesen wäre.

Die Jugendlichen aus Aulzhausen und Lobez lesen gemeinsam: „Am 9. November 1989 haben wir die Mauer überwunden, nun sind auch die Mauern in unseren Herzen gefallen.“ Liebe, Versöhnung und Freundschaft brechen die Steine mit Namen wie „Hass“ aus der symbolischen Kartonmauer und geben eine Türe frei. Max Bauer muss sich bücken, um durch sie zu gelangen. Er erklärt die Symbolik: „Auch wir Menschen müssen uns bücken, um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen.“ Beim gemeinsamen Vaterunser, das zugleich Deutsch und Polnisch erklingt, fassen sich die Menschen im Gotteshaus an den Händen.

Großen Anteil daran, dass der Gottesdienst die Herzen der Besucher rührt, hat auch die Singgruppe Cantalom unter der Leitung von Marion Hoffmann mit ihren internationalen Liedern. Als Schluss singt die gesamte Kirche das Lied von der „Schwarzen Madonna“, das als dritte Strophe auf Polnisch erklingt. „Wenn aus etwas Bösem und Dunklem etwas Schönes und Helles wird, dann ist das ein Wunder“, sagt Pfarrer Max Bauer am Grab von Michael Kwik.

Lorenz Drexl aus Aulzhausen ist Vorsitzender des Partnerschaftskomitees. Er sieht in dem Kreuz auf dem Kwik-Grab eine „Mahnung, aber auch ein Zeichen der Verbundenheit zwischen Lobez und Affing“.

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