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Gemeinderat

13.11.2019

Deponie-Pläne für Miedering stoßen in Affing auf Kritik

So sah die Sandgrube in Miedering im Sommer 2016 aus. Das Bild wird sich verändern. Hier plant die Aves GmbH nach dem Sandabbau eine Deponie für ungefährlichen Aushub und Bauschutt. Im Affinger Gemeinderat stieß das Vorhaben auf große Vorbehalte.

Plus Nach dem Sandabbau in Miedering will die Firma Aves dort eine Deponie für ungefährlichen Aushub und Bauschutt schaffen. Das kommt in Affing nicht gut an.

Den Begriff „Deponie“ mag Daniel Waibel nicht. Der sei „furchtbar negativ belastet“, findet der Geschäftsführer der Firma Aves (Abfall, Verwertung und Entsorgung). Und doch muss er es Deponie nennen, was seine GmbH in Miedering plant. Es ist eine Deponie der niedrigsten Klasse (DK0) und gedacht für mineralische Abfälle, also Boden und Bauschutt. Stark kontaminierte, also gefährliche Böden würden nicht eingelagert, versicherte Waibel am Dienstag im Affinger Gemeinderat. Der zeigte aus verschiedenen Gründen enorme Vorbehalte.

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Bislang hat Aves in Miedering kaum Sand abtransportiert

Seit Anfang 2017 verfügt die Lorenz Leitenmaier KG aus Ziemetshausen, zu der Aves gehört, über die Genehmigung für weiteren Sandabbau nordöstlich von Miedering mit anschließender Rekultivierung. Bis zu 130000 Kubikmeter in den nächsten 15 Jahren waren damit erlaubt. Laut Waibel hat das Unternehmen bislang etwa 95000 Kubikmeter abgebaut, diese aber vorwiegend in der Grube für Auffüllungen und Böschungen umgelagert. Die geplante Deponie soll etwa 400000 Tonnen aufnehmen können. Das entspricht einem Volumen von etwa 200000 Kubikmetern. Zuerst muss allerdings die geplante Abbautiefe erreicht sein.

Aves will Affing Deponie-Pläne in Miedering schmackhaft machen

Waibel versuchte, seine Pläne den Affingern schmackhaft zu machen: „Es wird keine Verschlechterung sein, eher ein Zugewinn für den Naturschutz und die Grundwassersituation.“ Lärm- und Staubgutachten seien gut ausgefallen. Auch das Wasserwirtschaftsamt sehe die Pläne positiv. Eine Gefahr für das Grundwasser werde ausgeschlossen, denn die Grube werde abgedichtet, versicherte Waibel. Bei der Rekultivierung soll ein „Hotspot an Biodiversität“ entstehen, kündigte der Geschäftsführer an, der unter anderem ein Paradies für Uferschwalben sieht. Noch dazu habe die Gemeinde Affing dann eine sehr günstige Entsorgungsmöglichkeit. Und natürlich werde man Zu- und Abfuhrbedingungen wie zuletzt über einen Vertrag regeln. Waibel: „Wir haben kein Interesse an dreckigen Straßen und Problemen mit der Nachbarschaft.“ Eine Reifenwaschanlage, wie sie zuletzt zur Bedingung gemacht wurde, ist bereits vorhanden, wenn auch noch nicht in Betrieb.

Deponie-Pläne für Miedering stoßen in Affing auf Kritik

In Bayern zeichnet sich ein Entsorgungsnotstand ab

Hintergrund der Pläne ist ein sich anbahnender Entsorgungsnotstand für Bodenaushub in Bayern. Die Leitenmaier-Gruppe muss derartiges Material derzeit nach Franken oder in andere Bundesländer transportieren. Waibel versicherte: Die Firma wolle keinen Abfalltourismus betreiben. Die Deponie sei für die Region Augsburg gedacht. Die Firmengruppe wolle möglichst lange davon zehren, so Waibel.

Gemeinderäte sprechen wegen der Deponie von „Salamtaktik“

Das alles konnte die Gemeinderäte nicht überzeugen, zumal die Affinger im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends schlechte Erfahrungen mit dem Abbau in Miedering gemacht haben. Sie warfen dem Unternehmen eine „Salamitaktik“ (Andreas Widmann). Waibel versicherte, eine Deponie habe das Unternehmen bei der letzten Genehmigung nicht vor Augen gehabt. Er betonte, der Sand sei nicht so qualitätvoll gewesen, wie gedacht. Zudem habe man viel Vorarbeit und hohe Ausgaben investieren müssen, um zu klären, ob eine Deponie möglich sei. Waibel sprach von 150000 Euro Kosten für Gutachten und Bohrungen. Mit seiner Versicherung drang er allerdings nicht durch. Josef Tränkl sagte: „Für mich macht das den Eindruck, man hat für die Deponie schon vorgebaut.“ Denn aus der Grube sei seit der Genehmigung „kein Klappspaten voll Sand“ weggefahren worden. Auch Paul Moll unterstellte den „Hintergedanken Deponie“. Er sagte: „Das sollte noch nie eine Sandgrube werden.“

Bislang ist die Deponie in Miedering noch nicht beantragt

Die Vorbehalte im Gremium waren auch grundsätzlicher Natur. Manfred Klostermeir hielt den Standort für ungeeignet, ebenso wie Andreas Widmann. So eine Deponie gehöre in ein Werksgelände, „nicht in die Traumwelt von der kleinen Hügellandschaft von Miedering“. Skeptisch wegen der Zufahrt zeigte sich Gerald Eberl und Gerhard Faltermeier stellte fest: „Aus Sicht der Gemeinde können wir überhaupt kein Interesse an der Deponie haben.“ Er befürchtete zudem, dass Aves dem Entsorgungsdruck doch einmal nachgeben müsse.

Schließlich nahm der Gemeinderat den Vortrag Waibels lediglich einstimmig zur Kenntnis. Offen ist, wann und ob überhaupt eine solche Deponie kommt. Dafür ist laut Bürgermeister Markus Winklhofer ein Planfeststellungsverfahren nötig. Ein solches hat die Firma bislang noch nicht beantragt.


Fakten zur Deponie Klasse 0

Deponien Sie gelten in Deutschland als letzte Stufe in der Abfallhierarchie. Das Bayerische Landesamt für Umwelt bezeichnet sie als unverzichtbaren Bestandteil einer modernen Kreislaufwirtschaft. In Deutschland gibt es fünf Deponieklassen.

Deponieklasse 0 Hier werden nicht gefährliche so genannte Inertabfälle, abgelagert.

Inertabfälle Darunter fallen vor allem Bodenaushub und mineralische, vorsortierte und separierte Bau- und Abbruchabfälle.

Abdichtung Um das Grundwasser zu schützen, ist im Falle von Miedering eine Wanne zur Abdichtung geplant. Verwendet werden Tonminerale in vier Schichten.

Quellen: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz und Aves GmbH

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