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Aichach-Friedberg

13.11.2019

Der Landkreis will die Streuobstwiesen retten

So ähnlich soll sie mal aussehen: Die Streuobstwiese des Wittelsbacher Lands als dezentraler Erhaltungsgarten regionaltypischer Sorten. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa
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So ähnlich soll sie mal aussehen: Die Streuobstwiese des Wittelsbacher Lands als dezentraler Erhaltungsgarten regionaltypischer Sorten. Symbolfoto: Sebastian Kahnert/dpa

Plus Um heimische Apfel- und Birnensorten aus dem Wittelsbacher Land zu sichern, soll ein Erhaltungsgarten mit 100 Hochstämmen entstehen. Das steckt dahinter.

„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge …, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Von wem dieses Zitat stammt, ist strittig – Reformator Martin Luther war’s jedenfalls nicht – und Manuela Riepold glaubt auch überhaupt nicht an den drohenden Weltuntergang. Für das Pflanzen von Obstbäumen ist die Kreisfachberaterin für Gartenbau aber immer zu haben. Und von Streuobstwiesen ist sie geradezu begeistert: Ein toller Bio-Trittstein und gut für die Artenvielfalt, herrlich fürs Landschaftsbild und ganz nebenbei gibt’s dort noch etwas Köstliches zu ernten.

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So eine Naturschutz-Idealfläche soll voraussichtlich in drei Jahren als dezentraler Erhaltungsgarten für alte regionale Apfel- und Birnensorten auf einer rund drei Hektar großen Fläche des Kreisguts östlich der Bundesstraße B300 und südlich des Aichacher Stadtteils Untergriesbach entstehen. Diese Streuobstwiese mit rund 100 Hochstämmen wird sozusagen die eiserne Sortenreserve des Wittelsbacher Landes und gleichzeitig eine Spiegelung für die zentrale schwäbische Erhaltungssammlung am Bodensee in Schlachters bei Lindau. Dort werden auf der Versuchsstation für Obstbau der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf regionaltypische Apfel- und Birnenbäume nicht nur aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, sondern aus ganz Nordschwaben gepflanzt. In den Allgäuer Landkreisen, Günzburg und Dillingen wurde diese Erfassung schon in den vergangenen Jahren durchgeführt. Weil die Früchte dort auf niederstämmigen Unterlagen wachsen, die weniger Platz brauchen, stehen im Nordschwaben-Obstgarten am Bodensee 200 Bäume auf dreieinhalb Hektar.

Kreisfachberaterin Manuela Riepold (links) und Regina Martin vom Kreisverband Aichach-Friedberg pflanzen im Erhaltungsgarten Illerbeuren eine „Stätzlinger Honigbirne“.
Bild: Tanja Kutter

Projekt: "Stätzlinger Honigbirne" steht auf der Liste

Zum Auftakt des Projekts sind am neu errichteten Haus Engenberg im Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren (Landkreis Unterallgäu) vierzehn regionaltypische Obstbäume gepflanzt worden, die in ihren Landkreisen jeweils eine ganz besondere Rolle spielen. Einer davon ist die „Stätzlinger Honigbirne“ aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. Die gemeinsame Aktion fand statt zum 100-jährigen Bestehen der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege und dem 125. Gründungsjubiläum des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege. Im Erweiterungsgelände des Bauernhofmuseums Illerbeuren setzte jeder Kreisverband aus dem Regierungsbezirk seinen Baum.

Der Landkreis will die Streuobstwiesen retten

Vor mehr als 200 Jahren waren in Bayern über 1500 Apfel- und Birnensorten verbreitet. Davon befinden sich heute 30 bis 40 Sorten im Handel; 20 haben eine wirtschaftliche Bedeutung; und im Einzelhandel sind es nur noch fünf bis sechs Sorten. Viele alte Sorten sind kurz vor dem Aussterben, andere gelten als verschollen oder stark gefährdet – so wie die besagte Stätzlinger Honigbirne, die einst hier verbreitet war. Aber nicht nur die Bäume, auch die Streuobstwiesen sterben aus. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft spricht von einem Rückgang der Obstwiesen um 70 Prozent in den vergangenen rund 60 Jahren. Diese Bestände mit ihren zahlreichen alten Apfel- und Birnensorten sind ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft und die Sortenvielfalt ist ein bedeutendes genetisches Erbe. Dabei sind alte Sorten nicht aus nostalgischen Gründen erhaltenswert. Sie nützen in der Züchtung, bei der Verwertung oder beim naturschonenden Anbau.

Hier gibt es bei uns noch Streuobstwiesen

Noch gibt’s im nördlichen Teil des Landkreises herrliche Streuobstwiesen zum Beispiel von der Familie Naßl in Edenried (Stadt Aichach), aber auch in Bergen (Gemeinde Schiltberg), im Stadtteil Obermauerbach oder in Hohenried (Gemeinde Petersdorf). Dort wurden die Artensammler auch fündig. Und im Sortenerhaltungsgarten bei Untergriesbach wird jetzt das Obstvermächtnis des Wittelsbacher Lands gesichert. Die Vorarbeiten dazu laufen seit einigen Jahren. Über 250 Besitzer sehr alter Einzelbäume und Obstwiesen haben sich beteiligt. Die Erfassung sei mit der Kartierperiode 2019 beendet, so Riepold. Die gesammelten Edelreiser von als erhaltenswert eingestuften Obstsorten müssen auf die Stämme (Unterlagen) aufgepfropft (aufveredelt) werden. Das Projekt ist zentral (Schlachtern) und dezentral (Kreisgutfläche) angelegt, um bei einer Wetterkatastrophe (zum Beispiel einem Orkan) oder Baumkrankheiten keinen Totalverlust zu erleiden

Aufrufbar sind die kompletten Ergebnisse der Erfassung (momentan ist der Stand zum Herbst 2018 hinterlegt) in der Online-Karte, die auf der Homepage des Landratsamtes verlinkt ist (Suchstichwort: Streuobstwiesen) voraussichtlich ab Februar 2020, kündigt die Kreisfachberaterin an. Der Abschlussbericht werde voraussichtlich bis Juni 2020 vorliegen. Für den Herbst nächsten Jahres planen der Pomologe Bosch und Manuela Riepold eine Abschlussveranstaltung mit Sortenausstellung in den Räumen des ehemaligen Kreisgutes in Aichach."


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