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Heimatverein

03.06.2013

Der Türmer sagt die Stunde an und hält nach Bränden Ausschau

Das Obere Tor in Aichach war Ziel eines „Außentermins“ des Heimatvereins Aichach.
Bild: Anton Mayr

Geschichtsstammtisch besichtigt das Obere Tor und befasst sich mit den Büchl-Schwestern, die nach Amerika auswanderten

Aichach Zwei gegensätzliche Themen standen auf dem Programm des Heimatvereins Aichach bei seinem letzten Geschichtsstammtisch vor der Sommerpause. Zuerst wurde als „Außentermin“ das Obere Tor besichtigt. Anschließend folgte im Gasthaus Specht ein Vortrag über die Auswanderung.

Vorsitzender Wolfgang Brandner dankte den Pfadfindern, Stamm Otto von Wittelsbach, die Hausrecht im Oberen Tor in Aichach besitzen. Sie hatten es ermöglicht, dass der Heimatverein das Obere Tor von innen besichtigen konnte. Das älteste Bauteil des heutigen Oberen Tores sei 1331 errichtet worden, so Brandner, 1418 der zinnenbekrönte Aufbau. Im Dreißigjährigen Krieg beschädigt, wurde der Turm 1697 wieder hergestellt und seit 1865 mit einem Anbau versehen worden.

Stadtarchivar Christoph Lang ergänzte, dass im Oberen Tor der Türmer gewohnt habe, der städtischer Beamter gewesen sei und mehrere Tätigkeiten zu verrichten hatte. So musste er die Stunden ausrufen, nach Bränden Ausschau halten. Vor allem aber sei der Türmer Musiker gewesen und hatte bei den Festlichkeiten aufzuspielen. Dass das Leben in einem Turm nicht ungefährlich war, könne daraus geschlossen werden, so Lang, dass ein Türmer bei Ausübung seines Dienstes vom Blitz getroffen worden war.

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Im Gasthaus Specht berichtete Sylvia Kochs aus Scherstetten (Landkreis Augsburg) über Auswanderungen im Allgemeinen und über die Auswanderung von vier Schwestern der Aichacher Familie Büchl im Besonderen. Die Referentin hatte an der Universität Augsburg Volkskunde, Soziologie und Alte Geschichte studiert und ihr Studium mit dem Magister abgeschlossen.

Mit der Zeit verlor sich die deutsche Sprache

Als Praktikantin im Aichacher Stadtarchiv konnte sie sich hier neben anderen Archivarbeiten mit den Auswanderungen der Schwestern Büchl beschäftigen. Zur Familie Büchl gehörten fünf Töchter. Nach dem Verlust der Eltern kamen die Schwestern – die älteste war gerade 13 Jahre alt – in das Aichacher Waisenhaus (Mädchenschule), einer Stiftung der Familie Martin, an der heutigen Martinstraße. Vier Schwestern wanderten zwischen 1925 und 1928 in die Vereinigten Staaten aus, und zwar nach Buffalo im Nordosten des Landes. Mit der Zeit verlor sich die deutsche Sprache in den Familien der Ausgewanderten.

Kochs ging dem Thema Auswanderung weiter nach. Die Auswanderer gingen ein großes Wagnis ein, erläuterte sie. Sie ließen das Gewohnte hinter sich, ebenso vertraute Menschen. Motive für eine Auswanderung konnten und können religiöse oder ökonomische Gründe, politische Bedrängnis oder Bedrohung sein.

Damit früher ein Reisepass für eine Auswanderung ausgestellt wurde, mussten zahlreiche Unterlagen vorgelegt werden. Auch wurde die Auswanderung in der Zeitung öffentlich bekannt gegeben, damit sich eventuelle Gläubiger der Auswanderungswilligen rechtzeitig melden konnten. Erst dann wurde die förmliche Entlassung aus dem bayerischen Staatsverband erteilt.

Eine mehrwöchige anstrengende Überfahrt über den Ozean folgte, ehe man sich den Behörden in Ellis Island in den Vereinigten Staaten zur Einwanderung, zu den Fragen und zu den Untersuchungen stellen konnte. Die Auswanderer aber nahmen alle diese Strapazen auf sich, weil sie glaubten, einen guten Lebensstil in Amerika zu haben, so die Referentin. Nicht immer hätten sich diese Vorstellungen erfüllt. (AN)

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