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Energiewende

05.12.2018

Großes Interesse an Windrädern im Hagenauer Forst

Diese Aufnahme zeigt die Windräder bei Holzheim unweit von Baar. Nun könnten an der Landkreisgrenze bei Sandizell im Hagenauer Forst Windräder entstehen. Archivbild
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Diese Aufnahme zeigt die Windräder bei Holzheim unweit von Baar. Nun könnten an der Landkreisgrenze bei Sandizell im Hagenauer Forst Windräder entstehen. Archivbild
Bild: Erich Echter

Die Bürger-Energie-Genossenschaft will beim Schrobenhausener Stadtteil Sandizell Windräder bauen. Interessierte Bürger überrennen Informationsveranstaltung

Völlig überrannt wird die Bürger-Energie-Genossenschaft Schrobenhausen-Aichach-Eichstätt kürzlich bei ihrem Workshop zum Thema Energiewende. Mehr als doppelt so viele Interessierte als erwartet sind gekommen. Und sie wollen vor allem eines: über die geplanten Windräder im Hagenauer Forst bei Schrobenhausen diskutieren. Um alle Fragen beantworten zu können, wird eine zweite Veranstaltung stattfinden.

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Kurz vor Beginn der Veranstaltung herrscht erst einmal Chaos. Die Sitzplätze sind alle besetzt, die Stehplätze auch schon – und noch immer drängen Besucher in die Gaststätte Schlicker in Sandizell (Stadt Schrobenhausen). Mit 40 bis 70 Leuten hatten Peter Mießl, Vorstandsvorsitzender der Bürger-Energie-Genossenschaft, und seine Mitstreiter gerechnet. Gekommen sind rund 140 Interessierte. Kurz entschlossen öffnet die Wirtin den Nebenraum, der eigentlich für Geburtstagsgäste reserviert war. Damit haben die meisten Zuhörer nun einen Sitzplatz. Und der Veranstalter krempelt spontan das Programm um, weil bei so vielen Menschen der geplante Bürgerworkshop gar nicht durchzuführen ist. Stattdessen soll, nach den Vorträgen der Referenten, der Schwerpunkt auf den Fragen der Anwesenden liegen. Moderatorin Monika Arzberger ist aber schon jetzt klar: „Es wird eine Herausforderung werden.“ Auf das Miteinander und das Zuhören komme es an, mahnt sie die Interessierten.

Zuhörer werden zusehends ungeduldiger

Nach einer kurzen Vorstellung der Bürger-Energie-Genossenschaft referiert Michael Sterner, Professor an der Technischen Hochschule in Regensburg, über den Klimawandel und wie wichtig die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist. Dabei geht er auch darauf ein, ob und wie eine 100-prozentige Versorgung mit erneuerbarer Energie in Schrobenhausen möglich wäre. Aktuell hat die Stadt laut dem Professor wegen des hohen Industrieanteils einen überdurchschnittlichen Verbrauch an Strom und einen unterdurchschnittlichen Anteil an erneuerbaren Energien.

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Das Ergebnis von Sterners Berechnung: Für eine Stromwende hin zu 100 Prozent erneuerbare Energie müssten entweder etwa 20000 Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von jeweils sechs Kilowatt auf die Dächer kommen oder zwölf Windräder gebaut werden. Mit Blick auf die E-Mobilität, in der Sterner die Zukunft sieht, errechnete er auch den Energiebedarf für die rund 13000 Fahrzeuge in Schrobenhausen. 4200 Fotovoltaikanlagen oder 2,5 Windräder wären notwendig, um den Strom für so viele E-Autos zu liefern.

Zunehmend ungeduldiger verfolgen die Zuhörer Sterners Vortrag. „Komm mal zum Punkt“, ruft einer. Fast schon Tumult gibt es, als Bürgermeister Franz Martin aus der Gemeinde Bidingen im Ostallgäu von seinen Erfahrungen mit dem gemeindeeigenen Windkraftrad berichten will. Mießl macht deutlich: „Das ist unsere Einladung. Wenn Sie das nicht wollen, dürfen Sie gerne wieder heimgehen.“

Besuchern brennen vielen Fragen auf den Nägeln

Nach Martins Vortrag haben die Bürger endlich Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden. Rund 40 Minuten haben sie noch Zeit, bis die Wirtin das Nebenzimmer für die Geburtstagsgäste braucht. Über die Energiewende in der Stadt wollen die Besucher jedoch nicht diskutieren. Ein Zuhörer stellt die Frage, die allen auf den Nägeln brennt: „Wie ist die konkrete Planung für den Hagenauer Forst?“ Hier gebe es noch keine richtige Planung, antwortet Mießl. Die Bürger-Energie-Genossenschaft will die Planung erst in Auftrag geben, wenn die Stadt ihr grundsätzliches Okay zur Windkraft im Hagenauer Forst gegeben hat. Wegen fünf möglicher Standorte hatte die Genossenschaft im Vorfeld bereits beim Landratsamt und dem Luftfahrtbundesamt nachgefragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwei davon wären möglich. Eventuell auch drei oder vier. „Fünf werden sicher nicht möglich sein“, sagt Mießl. Auf einer zweiten Veranstaltung will er auf alle Fragen eingehen, für die diesmal die Zeit fehlt, wie er ankündigt.

Fakten zu den geplanten Windrädern Fakten zu den geplanten Windrädern

Standort Jeweils zwei Windräder sind rechts und links der Straße nach Sandizell geplant. Der Abstand zum nächsten Wohnhaus wird mindestens 1000 Meter betragen. Konkret kann der Standort erst bei der Planung festgelegt werden.

Leistung Peter Mießl, Vorstandsvorsitzender der Bürger-Energie-Genossenschaft, geht von einer Leistung von jährlich zehn Millionen Kilowattstunden aus. Damit können etwa 3500 Haushalte versorgt werden.

Höhe Die Nabenhöhe wird bei 160 Meter, die Höhe einschließlich der Flügel bei 240 Meter liegen.

Platzbedarf Pro Windrad wird eine Fläche von 3000 bis 5000 Quadratmeter benötigt. Ein Teil davon wird wieder aufgeforstet werden. Die Lichtung wird eine Wiese mit einer Schotterfläche zur Wartung der Windräder sein. Die rund 6000 Quadratmeter Wald, die für zwei Windräder gerodet werden müssen, werden außerhalb des Waldes wieder angepflanzt.

Brandschutz Wird während des aufwendigen Genehmigungsverfahrens behandelt. Die Sicherheitsverantwortlichen der MBDA im Hagenauer Forst hätten bei Vorgesprächen keine Bedenken gehabt, sagte Mießl.

Hochbehälter Der Standort des Hochbehälters vom Wasserzweckverband wird bei der Planung berücksichtigt.

Stadtrat Die Bürger-Energie-Genossenschaft will in den nächsten Wochen einen Antrag auf Bau der Windräder beim Stadtrat in Schrobenhausen einreichen.

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