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Jubiläum I

25.10.2017

Liedertafel schafft immer wieder den Neustart

Pfingstausflug der wiedergegründeten Liedertafel Aindling am 15. Mai 1921 nach Scherneck (Gemeinde Rehling).

In seiner 125-jährigen Geschichte steht der Aindlinger Verein mehrfach kurz vor dem Aus und entwickelt sich dennoch bis heute positiv. Das zeigt der Blick in die Chronik. Die Rückschau steht beim Festakt im Mittelpunkt

Zur Gründung der Aindlinger Liedertafel heißt es in der Vereinschronik: „Im Herbste des Jahres 1892 wurde auf Veranlassung des damaligen Hilfslehrers Karl Schmid ein Verein ins Leben gerufen, der sich zur Aufgabe Pflege des Gesangs und der Geselligkeit stellte und damit war die Liedertafel Aindling entstanden.“ Der Blick in die Chronik stand im Mittelpunkt des Festaktes zum 125-jährigen Bestehen des Vereins (weiterer Bericht).

15 Gründungsmitglieder sind aufgeführt – nicht nur Honoratioren, sondern auch ein Gütlerssohn und ein Gerbergeselle. Als Vereinslokal wählte man die Brauerei zum Moosbräu. „Da die Mehrzahl der Mitglieder der Noten unkundig waren, beschränkte man sich vorerst nur auf Kennenlernen und singweiser Einüben derselben“, heißt es in der Chronik. Die ersten öffentlichen Auftritte gab es anlässlich von Ehrungen für anerkannte Bürger, welche dann die Vereinskasse mit einem Zehnmarkstück aufbesserten. Bald schon trat man mit kleinen Liedern an die Öffentlichkeit.

Da als Dirigenten ausschließlich Lehrer ehrenamtlich tätig waren, die meist bald wieder versetzt wurden, gab es starke Schwankungen in der Chorentwicklung. Als 1894 der erste Dirigent Karl Schmid versetzt wurde, litt die Probenarbeit beträchtlich. Ein weiterer herber Verlust war der Tod des Kassenwarts und Schriftführers Martin Sausgruber, der sich am 9. Dezember 1896 bei der Errichtung des Kreuzes am Bußberg eine tödliche Verletzung zuzog. Lehrer Stoll aus Todtenweis brachte die Liedertafel wieder in Schwung. Aber als er wegging, verfiel die Liedertafel in einen dornröschenähnlichen Schlaf.

Von den folgenden Jahren gibt es kaum Aufzeichnungen. Erst später wurde das Geschehen an Hand von gefundenen Belegen von Lehrer Fritz Oestreicher recherchiert. Als Chronist beschreibt er das Vereinsgeschehen ab 1920 in pathetischen Worten: „Nach dem blutigen Völkerringen und der schwierigen Zeit nach dem Schandvollen hatten die Menschen andere Sorgen als das Singen.“ Umso mehr freute er sich, dass die Liedertafel auf Betreiben des Lehrers Josef Steinbacher neu gegründet wurde. Begeistert notiert er hier: „Am 23. September 1920 sammelte sich im Moos eine liederfreudige Schar um über die Neugründung der ganz in Vergessenheit geraten Liedertafel zu beraten.“ 35 Gründungsmitglieder hoben den Verein aus der Wiedertaufe. Vorsitzender wurde Schulrat Friedrich Frauendorfer, Dirigent Josef Steinbacher. Bemerkenswert ist, dass auch acht Damen der Liedertafel, damals noch ein strenger Männerchor, beitraten. Die Jahre bis 1926 waren sehr fruchtbar. Ab etwa 1927 werden die Einträge spärlicher und versiegen fast ganz.

Der nächste Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit 29 Sängern am 20. Oktober 1949 unter Oberlehrer Karl Schädler gewagt, welcher als exzentrisch beschrieben wird. Bereits am 5. Juli 1950 übernahm Hauptlehrer Franz Xaver Böswirth das Dirigat. Unter seinem Zepter entwickelte sich die Liedertafel langfristig positiv. Am 18. Januar 1953 wurde nach Jahrzehnten wieder ein Sängerball abgehalten. Diese Bälle bildeten fortan eine Geldquelle für die Gesundung des Vereins. Ebenfalls auf Betreiben Xaver Böswirths wurde eine Standarte angeschafft und nach seinem Entwurf ein Vereinswappen kreiert.

Obwohl es dem Verein in der Folgezeit verhältnismäßig gut ging, machten Unpünktlichkeit und unregelmäßiger Probenbesuch manchem Dirigenten immer wieder Kummer. Hauptlehrer Günter Gabrisch regte deshalb 1967 an, einen gemischten Chor zu gründen. Unterstützt wurde er vom Vorsitzenden Erwin Friedel. Im Januar 1968 erfolgte die Neugründung. Der Männerchor verschwand nach und nach, der gemischte Chor übernahm die Führung. Es folgten über 20 Jahre sehr erfolgreicher Arbeit unter Friedels Vorsitz mit vielen Aktivitäten. Für sein Wirken wurde Friedel 1989 die Ehrennadel in Gold verliehen.

Seine Nachfolgerin Marille Lefert – die erste Frau in diesem Amt – leitete 1989 einen weiteren Wechsel ein. Sie engagierte eine Frau als Dirigenten: Susanne Schönbühler, später Edelmann. In Leferts Zeit fiel 1992 auch das 100. Vereinsjubiläum, das mit vielen öffentlichen Veranstaltungen und dem Erhalt der Zelterplakette gefeiert wurde.

Als Lefert sich 1993 nicht mehr zur Wiederwahl stellte, übernahm Paul Zinnecker, der Vater von Bürgermeister Tomas Zinnecker, für drei Jahre die Geschicke des Vereins, ehe Christa Barth den Vorsitz übernahm. Diese initiierte das Weinfest, das bis heute ein Höhepunkt im Vereinsleben ist. Die Dirigentin Larissa Rentke, prägte die musikalische Entwicklung der Liedertafel wie kaum ein anderer. Unter ihrem energievollen Dirigat erreichte der Chor einen 1. Preis beim Wertungssingen des Augsburger Sängerkreises. Viele neue junge Sänger fanden in dieser Zeit den Weg zur Liedertafel.

Ihre Nachfolgerin Rebecca Heudorfer setzte mit ihrer Liedauswahl und ihrem musikalischen Anspruch neue Maßstäbe in der Chorarbeit, zum Beispiel mit dem Requiem von Mozart in der Pfarrkirche in Aindling und Konzerten mit Opern- und Musicalmelodien. Ein Glücksfall für die Liedertafel ist auch die neue Dirigentin Brigitte Golling. Die Gymnasiallehrerin und Vollblutmusikerin ist trotz ihrer Jugend bereits eine erfahrene Chorleiterin und begeistert die Sänger. Im Juli dirigierte sie beim Jubiläumskonzert.

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