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Aichach-Friedberg

20.02.2021

Mobilfunkausbau in Aichach-Friedberg: Ist bald Schluss mit Funklöchern?

Mobilfunkbetreiber arbeiten daran, Funklöcher im Landkreis Aichach-Friedberg zu beseitigen und 5G auszubauen. Doch noch gibt es "graue Flecken".
Bild: Thorsten Jordan (Symbolbild)

Plus Der Mobilfunkausbau in Aichach-Friedberg geht voran, doch trotz immer mehr 5G bleiben graue Flecken. Wo es das beste Netz gibt - und warum auch Kritik laut wird.

Wer im Landkreis Aichach-Friedberg regelmäßig mit dem Mobiltelefon unterwegs ist, steht nicht selten vor einem Problem: Mal stürzt mitten im Gespräch die Verbindung ab, mal laden Apps oder Videos nur gähnend langsam, mal ist überhaupt kein Signal zu empfangen. Verantwortlich dafür ist dann ein Fleck auf der Mobilfunkkarte, die die drei großen Netzbetreiber - Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica/O2 - zeichnen. Sie haben in jüngster Vergangenheit vieles unternommen, um Funklöchern im Wittelsbacher Land den Garaus zu machen. Bislang mit unterschiedlichem Erfolg.

Die Mobilfunk-Netzabdeckung im Landkreis Aichach-Friedberg, Stand Oktober 2020.
Bild: Bundesnetzagentur

Wie gut die Mobilfunkabdeckung in Deutschland ist, erfasst die Bundesnetzagentur (BNetzA) in einer interaktiven Karte. Nimmt man aktuell den Landkreis Aichach-Friedberg in den Blick, ist dort im ersten Moment sehr viel Lila, wenig Hell- und Dunkelblau und nur sehr vereinzelt Weiß zu sehen. Soll bedeuten: Fast der ganze Landkreis ist mit der leistungsstarken 4G-Technologie (lila markiert) abgedeckt, also Mobilfunk-Standard der vierten Generation. Auf die deutlich schwächeren Technologien 3G und 2G - beide werden bis zum Jahresende abgestellt - ist man nur noch vereinzelt angewiesen. Doch der Teufel liegt im Detail: Denn die Karte zeigt nur die maximal verfügbare Technologie aller drei Netzanbieter an, sozusagen aufsummiert. Zwischen den Betreibern gibt es große Unterschiede.

Mobilfunk-Ausbau in Aichach-Friedberg: Bald Schluss mit "grauen Flecken"?

Ein "weißer Fleck" ist ein Bereich, in dem überhaupt keine Mobilfunkverbindung verfügbar ist. Davon gibt es im Landkreis Aichach-Friedberg derzeit nur einen, irgendwo im Ebenrieder Forst zwischen Stuben und Handzell (Marktgemeinde Pöttmes). Deutlich häufiger dagegen: "graue Flecken". So werden Bereiche bezeichnet, in denen man zwar mindestens eines der drei Mobilfunknetze empfangen kann. Wer allerdings Kunde eines anderen Betreibers ist, hat dort keine oder eine deutlich schlechtere Verbindung. Die anbieterübergreifend größte Mobilfunklücke im Landkreis klafft in einem Dreieck zwischen Pöttmes, Gundelsdorf und Baar im nordwestlichen Eck des Wittelsbacher Landes, "graue Flecken" gibt es aber im ganzen Landkreis Aichach-Friedberg. Sie sind vor allem außerhalb der größeren Ortschaften und abseits größerer Verkehrswege zu finden, dort also, wo ein Ausbau "wirtschaftlich herausfordernd" ist, wie es die Betreiber formulieren. Doch damit soll bald Schluss sein.

Das Mobilfunk-Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung, mit dem Kommunen gefördert werden sollen, in denen sich weiße oder graue Flecken befinden, droht zwar zu einem Rohrkrepierer zu werden - im Oktober zog etwa die Gemeinde Schiltberg ihre Teilnahme am Programm zurück, weil dabei nur die Kosten für den Masten, nicht aber Arbeit und Organisation übernommen würden. Dafür gab es jüngst eine vielversprechende Nachricht: Die drei großen Netzbetreiber teilten mit, dass sie stärker kooperieren und damit "graue Flecken" tilgen wollten. Konkret bedeutet das: Netzbetreiber, die einen "grauen Fleck" noch nicht erreichen, sollen künftig die Funkantennen eines Konkurrenten mitbenutzen, die diesen Bereich bereits abdecken. Auch die Systemtechnik soll gemeinsam genutzt werden.

Dadurch dürfte sich die Abdeckung mit dem leistungsstarken LTE-Netz (4G) verbessern - auch im Landkreis Aichach-Friedberg. Ab wann? Die Freigabe durch die Behörden stehe noch aus, teilt Telefónica auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion mit. "Erst danach können die Unternehmen ihre Netzpläne übereinanderlegen und konkrete Standorte identifizieren. Ab wann auch der Landkreis Aichach-Friedberg davon profitiert, kommunizieren wir zu gegebener Zeit."

Telekom, Vodafone und Telefónica: Handynetz soll besser werden

Bislang ist die Abdeckung von Telefónica außerhalb größerer Ortschaften eher überschaubar. Sie hat sich laut unabhängigen Fachzeitschriften zuletzt aber deutlich verbessert - auch, weil der Betreiber immer mehr Funkmasten errichtet, wie es derzeit etwa in Echsheim (Gemeinde Pöttmes) geplant ist. Durch die Kooperation mit den anderen Betreibern - quasi on top - könnten sich "graue Flecken" für Telefónica-Kunden in Griesbeckerzell, Gallenbach (beide Stadt Aichach), Handzell (Pöttmes), Eurasburg oder Zillenberg (Ried) bald erledigt haben. Gleiches gilt für Kunden von Vodafone - etwa bei Harthausen, Paar (beide Stadt Friedberg), Oberschneitbach (Stadt Aichach) oder Sielenbach - und der Telekom, zum Beispiel nahe Handzell, Rinnenthal (Friedberg) oder Schönberg (Sielenbach). Mit 1&1 Drillisch dürfte es demnächst zudem ein viertes Mobilfunk-Netz in Deutschland geben. Der "Neueinsteiger" hatte 2019 Frequenzen ersteigert, diese aufgrund fehlender eigener Mobilfunkmasten bislang aber nicht genutzt.

Beim Mobilfunkausbau im Landkreis geht es aber nicht nur darum, Lücken zu schließen, sondern auch darum, die bestehenden Netze weiter zu verbessern - Stichwort: 5G. Der Mobilfunkstandard soll deutlich höhere Geschwindigkeiten beim mobilen Datenverkehr ermöglichen. Die Bundesnetzagentur hat die Betreiber dazu verpflichtet, bis Ende 2022 1000 "5G-Basisstationen" in Betrieb zu nehmen.

Funklöcher: Große Anbieter treiben 5G-Ausbau voran

Den 5G-Ausbau am weitesten vorangetrieben hat bislang die Deutsche Telekom. Von 48 Mobilfunk-Standorten, die sie im Landkreis betreibt, sind allein in den vergangenen drei Monaten 20 mit 5G erweitert worden. "Mit der Erweiterung um 5G erhält der Landkreis einen digitalen Standortvorteil", erklärte das Unternehmen Anfang des Jahres in einer Pressemitteilung. "Insgesamt steht damit mehr Bandbreite zur Verfügung. Außerdem wird auch der Empfang in Gebäuden besser." Nach Auskunft des Betreibers sollen im Landkreis bis 2022 weitere sieben Standorte hinzukommen, zusätzlich seien im selben Zeitraum an 13 Standorten Erweiterungen mit LTE und 5G geplant. Die Bevölkerungsabdeckung im Landkreis mit dem Funkstandard LTE (4G) liege aktuell bei rund 97 Prozent.

Bei Konkurrent Vodafone liegt die LTE-Abdeckung mit 96 Prozent der besiedelten Gebiete ähnlich hoch. "Diese LTE-Versorgung resultiert daraus, dass 34 der 37 Mobilfunkstationen im Kreis die Technologie LTE an Bord haben", teilt Vodafone auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Bis Mitte 2021 sollen im Kreis sechs LTE-Funklöcher geschlossen werden, indem an vorhandenen Mobilfunkstationen erstmals LTE-Technologie und zugleich 5G-Antennen installiert werden." Dies geschehe zunächst an zwei Standorten in Dasing sowie in Kühbach, Obergriesbach, Hollenbach und Eurasburg, die anderen Stationen sollten dann nach und nach folgen. Aktuell hat Vodafone an zwei der 37 Stationen die 5G-Technologie in Betrieb genommen. Diese ersten 5G-Stationen sind in Aichach und Pöttmes. Telefónica bietet im Landkreis Aichach-Friedberg noch kein 5G-Netz an, auch das soll sich aber ändern.

Auch Kritik an Mobilfunk-Projekten im Wittelsbacher Land

Immer wieder sorgt der Mobilfunk-Ausbau im Landkreis Aichach-Friedberg auch für Aufsehen. Vor wenigen Jahren lief etwa die Bevölkerung in Rehling Sturm gegen einen geplanten Masten für Rettungsdienste, zuletzt formierte sich in Obergriesbach Widerstand gegen den Bau eines Mobilfunk-Masten. Die Gemeinde will deshalb nun vor Gericht ziehen. Vodafone erklärt gegenüber unserer Redaktion zwar, in weiten Teilen der Bevölkerung habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Mobilfunk sehr nützlich ist - und nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine sehr sichere Sache. Doch daran gibt es auch Zweifel.

Bundesweit gibt es über 150 Bürgerinitiativen und Vereine, die sich für einen vorläufigen Ausbau-Stopp von 5G einsetzen. Die meisten haben sich im Bündnis Verantwortungsvoller Mobilfunk Deutschland zusammengeschlossen, das Ende Januar in einem nationalen Aktionstag gegen 5G protestierte. Zu dem Bündnis gehört keine Initiative aus dem Landkreis Aichach-Friedberg, doch auch hier regt sich Widerstand. Richard Schwarzkopf aus Sielenbach befürchtet etwa gesundheitliche Risiken und steigende Strahlenbelastung durch elektromagnetische Felder. Als Diplom-Ingenieur der Nachrichtentechnik kritisiere er vor allem den geplanten Einsatz deutlich höherer Frequenzen ("Millimeterwellen") durch den 5G-Ausbau. Mögliche Folgen daraus seien wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht, es habe aus seiner Sicht keine ausreichende Risikoabwägung stattgefunden.

"Um die sogenannten 'Weißen Flecken ohne Empfang' im Wittelsbacher Land zu eliminieren, hätte es durchaus gereicht, noch einige LTE-Masten zu errichten, die mit weniger hohen Frequenzen arbeiten", kritisiert Schwarzkopf gegenüber unserer Redaktion. International hätten Städte wie Brüssel oder Lille den 5G-Ausbau wegen gesundheitlicher Bedenken gestoppt. Schwarzkopf betont, auch in Sielenbach stehe er mit seinen Sorgen nicht alleine da. Mehrere Bürger hätten entsprechende Aufrufe unterzeichnet, auch mit dem Ersten und Zweiten Bürgermeister in Sielenbach habe es dazu bereits Gespräch gegeben.

Gesundheitliche Risiken durch 5G? Es gibt noch "offene Fragen"

Die Kritik ist nicht neu. Das Umweltbundesamt verweist in diesem Zusammenhang auf Grenzwerte, die beim Mobilfunk eingehalten werden müssten, und erklärt in einer Untersuchung zum 5G-Ausbau: "Wissenschaftlich sicher belegt ist einzig die Wärmewirkung elektromagnetischer Felder. Davor schützen die Grenzwerte." Es sei davon auszugehen, dass sich "aufgrund gegenläufiger technischer Entwicklungen die Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern nicht wesentlich verändern wird". Zwar gebe es auch "wissenschaftliche Unsicherheiten in der Risikobewertung", diese beträfen aber hauptsächlich die langfristigen Auswirkungen intensiver Handynutzung.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärt, es gehe nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht von negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch den 5G-Ausbau aus. Man sehe "aber auch noch offene Fragen" - vor allem bezüglich der sogenannten Kleinzellen. So werden Sendeanlagen bezeichnet, die zwar eine geringere Sendeleistung haben, aber näher an Orten betrieben werden, an denen auch Menschen leben. Kleinzellen sollen durch den 5G-Ausbau verstärkt zum Einsatz kommen. "Wie sich dies genau darauf auswirken wird, in welchem Maße die Bevölkerung der Strahlung ausgesetzt sein wird, kann noch nicht abgeschätzt werden", teilt das BfS mit. Anfang 2020 haben sich die Netzbetreiber dazu verpflichtet, bei Kleinzellen den gleichen Schutz vor elektromagnetischen Felder zu gewährleisten wie bei etablierten Standards.

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