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Abenteuer

25.12.2017

Riesige Kakteen und feuerrotes Wasser

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4 Bilder
Eine Motorrad Reise durch Südamerika machte Franz Grieser aus Landmannsdorf (Gemeinde Adelzhausen. Gemeinsam mit Ralf Ulber (Aichach-Klingen). Die beiden Reisegefährten legten in sieben Wochen in sechs Ländern 13 000 Kilometer zurück.
Bild: Franz Grieser

Franz Grieser aus dem Adelzhauser Ortsteil Landmannsdorf reist sieben Wochen lang mit Franz Ulber aus Klingen auf dem Motorrad durch Südamerika. Sie entdecken Landschaften, wo ihnen der Atem stockt.

Auf den Spuren der Inkas: Eine Motorrad-Reise durch Südamerika unternahm Franz Grieser aus Landmannsdorf (Gemeinde Adelzhausen) gemeinsam mit Ralf Ulber (Aichach-Klingen). Die beiden Reisegefährten legten in sieben Wochen in sechs Ländern 13000 Kilometer zurück. Grieser berichtet ausführlich von der Reise bei Diavorträgen und in unserer Zeitung.

Die Sonne wirft ihre letzten wärmenden Strahlen auf die umliegenden Vulkane. Der eiskalte Wind bläst immer stärker und es wird kälter. Wir brauchen dringend so bald wie möglich einen Schlafplatz. Doch hier ist weit und breit keine Unterkunft zu finden. Wir befinden uns im Altiplano, auf 4500 Metern im Süden Boliviens und sind mit unseren Motorrädern unterwegs zum „Arbol de Piedra“, einem von Erosion geformten Fels, der die Form eines Baumes hat. Eine Straße haben wir die letzten 100 Kilometer nicht mehr gesehen. Wir fahren dem GPS und den vereinzelten Fahrspuren nach. Die vielen Fotostopps und die verdammt schlechte Piste haben uns viel Zeit gekostet.

An einem kleinen Salzsee steht die Ruine eines eingefallenen Hauses. Wir nutzen die Gelegenheit und stellen unsere Zelte hinter einer windgeschützten Mauer auf. Die heiße Suppe, die wir uns auf dem Benzinkocher zubereitet haben, wärmt uns wieder etwas auf, bevor wir in unsere Schlafsäcke kriechen. Mit Pullover, Mütze, Jacke und langer Hose liegen wir in den Schlafsäcken und versuchen zu schlafen. Was auf dieser Höhe und bei diesen Temperaturen gar nicht so einfach ist. Im Morgengrauen kriecht beißende Kälte in mein Zelt. Ich spüre meine Zehen nicht mehr. Bei Sonnenaufgang zeigt mein Thermometer am Motorrad 25 Grad unter dem Gefrierpunkt an. Wir laufen umher, damit die Zehen und Finger wieder durchblutet werden. Es dauert dennoch zwei Stunden, bis das Thermometer wieder leicht ins Plus kommt. Erst dann ist es möglich, die Motorräder wieder zu starten.

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Was für ein Gegensatz zu Kolumbien, wo vor drei Wochen unsere Südamerika-Reise begonnen hat. An die 40 Grad Hitze und die schwüle Luft in der Karibik haben wir uns schnell gewöhnt. Ralf Ulber und ich haben unsere Motorräder mit einem Schiff nach Kartagena in Kolumbien bringen lassen, um von dort aus in sieben Wochen bis nach Santiago de Chile zu fahren. 13000 Kilometer, unglaublich schlechte Pisten in den Bergen und ein paar Pannen an den Motorrädern haben diese Aufgabe für uns jedoch nicht ganz einfach gemacht.

Kolumbien hat uns sehr gut gefallen, wäre da nicht der fade Beigeschmack, den die Zöllner bei uns hinterlassen haben. Wir haben ganze drei Tage und einen unglaublichen Papierkrieg benötigt, um unsere Motorräder in Kartagena aus dem Hafen zu bringen. Alleine diese Geschichte würde mehrere Seiten eines Buches füllen. Die Bevölkerung Kolumbiens ist jedoch freundlich und die Landschaft abwechslungsreich. Vom Regenwald bis zu den hohen Bergen hat das Land eigentlich alles zu bieten. Vom ehemaligen Drogenkrieg ist inzwischen nichts mehr zu spüren. In Marinilla besuchen wir Thomas Breitsameter, einen jungen Mann aus Sielenbach, der dort für ein halbes Jahr als Volontär an einer Schule arbeitet. Er freut sich, wieder Menschen aus der Heimat zu treffen. Wir unterstützen die soziale Einrichtung mit 500 Euro aus unserer Spendenkasse.

Ecuador, das Land mit den meisten Vulkanen der Welt, hinterlässt keinen besonders nachhaltigen Eindruck bei uns. Wolken und schlechtes Wetter hüllen die Landschaft in ein undurchsichtiges Kleid.

Inkastätten wie Machu Picchu, Kualep oder Revash haben Peru berühmt gemacht. Genauso schön ist es für uns aber auch, die wunderschöne Bergwelt der Anden mit dem Motorrad zu erkunden. In Cusco, der ehemaligen Hauptstadt der Inkas, besuchen wir eine Schule, die die deutsche Organisation „Kinderhilfe Cusco“ mit Spendengeldern am Leben erhält. Auch wir spenden 1000 Euro an die Schule, in der 250 Kinder ausgebildet werden.

Der „Salar de Uyuni“ in Bolivien ist mit 12000 Quadratkilometern die größte Salzpfanne der Erde. 80 Kilometer fahren wir auf der brettebenen, schneeweißen Fläche bis zur Insel Incahuasi, um die Nacht dort zu verbringen. Die gesamte Insel ist mit riesigen, über 1000 Jahre alten Kakteen bewachsen.

Die eiskalte Nacht auf dem Altiplano in Bolivien ist schnell vergessen, als wir die „Laguna Blanca“ erreichen, einen Salzsee auf einer Höhe von 4300 Metern. Der Anblick ist unglaublich. Umringt von Vulkanen glitzert die weiße Oberfläche in der Sonne. Flamingos suchen im seichten Wasser nach Nahrung. Vikunjas, eine Wildform der Lamas, bevölkern in kleinen Gruppen diese menschenfeindliche Mondlandschaft.

Doch es wird noch besser. Als wir die „Laguna Colorada“ erreichen, stockt mir beinahe der Atem. Die Natur ist hier mit ihren Farben sehr verschwenderisch umgegangen. Eine Algenart und ein extrem hoher Mineralstoffgehalt färben das Wasser rot. Das Ufer ist von weißen Salzflächen umgeben. Große Flamingo-Kolonien bevölkern den See. Lamas grasen an den Ufern. Ein Naturschauspiel, das scheinbar nicht von dieser Welt ist.

Nicht weit davon entfernt liegt das „Sol de Mañana“, ein Geothermalgebiet auf 4850 Metern Höhe. Das Gebiet zeichnet sich durch intensive geothermische Aktivität mit Geysiren, kochenden Schlammlöchern und Fumarolen aus.

Am beeindruckenden Vulkan „Licancabur“ verlassen wir Bolivien. Unser nächstes Ziel ist Argentinien. Auch hier hat die Natur unglaubliche Landschaften entstehen lassen. Die Rainbow Mountains in der „Quebrada de Humahuaca“ oder die „Quebrada de las Conches“ sind so wunderschön und farbig, dass es beinahe schon kitschig wirkt.

Ein Pass führt uns von Mendoza in Argentinien nach Santiago de Chile, der vorerst letzten Station unserer Reise. Dort treffen wir Hubert Rainer, einen Pfarrer aus Petersdorf, der hier in einem Orden arbeitet. Der Mann tut viel für die ärmere Bevölkerung. Wir besuchen mit ihm ein Waisenhaus. Meine Geschenke und ein paar Runden auf den Motorrädern zaubern wieder ein Lächeln in die oft traurigen Gesichter. Wir spenden 200 Euro an das Waisenhaus. Gemeinsam mit ein paar Studenten kaufen wir Lebensmittel, die wir in der Stadt an Obdachlose verteilen. Diese Leute erwarten Pater Hubert bereits, da er jeden Freitag zu ihnen kommt. Mitten in der Stadt, auf einem Gehsteig, zelebriert er eine Messe für die Menschen, die kaum mehr an der Gesellschaft teilnehmen. Anschließend verteilen wir die Lebensmittel. Hier finden wir auch für unsere Kleidung, die wir nicht mehr benötigen, sofort ein paar Abnehmer.

Die Motorräder lassen wir bei Pater Hubert stehen. Bis es im Dezember nächsten Jahres wieder heißt, „Bienvenidos Chile“. Denn der zweite Teil der Reise wird uns durch die Gletscherwelt Patagoniens bis nach Feuerland führen.

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