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Rehling-Scherneck

26.05.2015

Ritter reiten Schlangenlinien auf dem Pferd

Ein grimmiger Richard von Kimbelstein, Vater von Sohn Tasillo aus Springe, sorgte vor allem bei den Kindern für viel Vergnügen.
Bild: Anna Schmid

Bei den Historischen Tagen auf Schloss Scherneck kehrt das Mittelalter zurück: Ritterturniere und Feuerspektakel reihen sich aneinander. Erwachsene und Kinder haben ihren Spaß.

Rauch umhüllt die Mauern Schernecks, Kanonenschüsse hallen wie Donnerschläge durch den Innenhof. Sie eröffnen die Historischen Tage an diesem langen Pfingstwochenende. Ritterturniere, Mittelalterumzüge, Feuerspektakel und Showkämpfe reihen sich aneinander, es wird reichlich gegessen, aus Hörnern getrunken und zu folkloristischer Musik im Kreis getanzt. Währenddessen tollen Kinder durch die Zelte der Lagernden.

„Das ist unser Ziel“, sagt Veranstalterin Sabine Nötzel. „Ein Fest für drei Generationen.“ Eine Lebkuchenbäckerin aus Ungarn, Pferde aus Trier, ein handgetriebenes Kinderkarussell aus Tschechien und Lagergruppen aus ganz Deutschland bieten viele Facetten des mittelalterlichen Lebens, in das die Besucher gerne eintauchen.

Vielen ist die Begeisterung für das Mittelalter anzusehen. Marco Reber aus München trägt die Kleidung eines einfachen Mannes, mit Leinenhemd und verziertem Ledergürtel. „Ich mag das Gesellige an diesen Festen“, sagt er. „Und das Barbarische, Urtümliche. Also mit den Händen essen, zum Beispiel.“ Barbarisch geht es hier öfters zu, ob bei der bekannten Mittelalter-Band „Trollfaust“, die brüllend und grölend mit Sackpfeifen und Schalmeien über die Bühne fegt, oder bei einer wild inszenierten Kneipenrauferei der drei Musketiere.

Auch Ritter Richard von Kimbelstein ist da: Er liefert sich ein Duell mit seinem Erzfeind, unter anderem im Speerwerfen und Branntweintrinken. Da werden schon einmal Schlangenlinien mit dem Pferd geritten. Für die Kinder ist der schusselige Ritter ein großes Vergnügen. Als er sich falsch herum auf sein Ross schwingt und an seinem Schweif nach dem Kopf sucht, schreien sie vor Lachen.

Es herrscht eine heitere, entspannte Atmosphäre am Schloss Scherneck. Für Sabine Nötzel ist diese Entspannung etwas, das ein Mittelalterfest ausmacht: „Es besteht hier eine ganz besondere Ruhe, die den Besuchern hilft, zu entschleunigen.“ Der Duft von gebrannten Mandeln, Spanferkel und würzigen Krauteintöpfen zieht durch die Luft. Da wird vergnügt in der Schlange vor dem Wildsaugrill geplaudert, den Klängen einer Harfenistin gelauscht oder durch die Lager geschlendert, die mit dampfenden Töpfen und fellbedeckten Sitzen zum Verweilen und zu einer Geschichte einladen. In der Abenddämmerung glühen die Lagerfeuer und Fackeln auf, die die Wege um das Schloss säumen. Mit einer Feuershow fasziniert die Gruppe „Flammengilde“ und lässt damit die Nacht in einem für alle eindrucksvollen Erlebnis ausklingen.

Ein Höhepunkt ist der historische Umzug am Sonntag, dem sich sämtliche Gruppen des Marktes anschließen. Mit rhythmischem Getrommel, dem Klappern von Holzpantoffeln und Schilden, begleitet von Dudelsacktönen und dem ohrenbetäubenden Knallen der Peitsche von Henker Severinus bewegt sich der Zug zum Innenhof. Dabei sind Gaukler, Kaufmänner, Ritter, barfüßige Bauernkinder, Edelfrauen und auch die abtrünnigen Raubritter, die großen Jubel ernten.

Die Gruppen erzählen von ihrer Herkunft und ihren Zielen. Zum Beispiel die Abtrünnigen. Frontmann Puschi mit langem, grünen Umhang und wehenden Haaren ruft: „Wir nehmen uns alles, was wir brauchen!“ und stößt sein Schwert in die Luft. Der Henker und Meister der Scharfrichterei, Severinus der Gestrenge, wiegelt das Publikum mit lauten „Jubel!“- Rufen auf und lässt seine Peitsche durch die Luft schnalzen.

Am Montag enden die Historischen Tage, doch Wehmut ist nicht zu spüren. Viele der Händler, Künstler und lagernden Gruppen ziehen zum Mittelalterspektakel nach Sandizell (Schrobenhausen), das am 4. Juni beginnt. Somit kommt erst gar keine Lücke auf.

Die schönsten Fotos unserer Mitarbeiterin finden Sie hier.

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