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Affing

16.10.2020

Sollen Affings Feuerwehren ihre Häuser selbst streichen?

Das Feuerwehrhaus Anwalting braucht einen neuen Anstrich. Dass der Bauausschuss die Arbeiten an eine Firma vergeben hat, stieß bei Josef Tränkl auf Kritik.
Bild: Gerlinde Drexler (Archivbild)

Plus Der Bauausschuss hat einen neuen Anstrich für das Feuerwehrhaus in Anwalting an eine Firma vergeben. Das stößt im Affinger Gemeinderat auf Kritik. Woran das liegt.

Fabian Lechner ist Feuerwehrler durch und durch, stets bereit zu einem Sondereinsatz. Das, so betont er, gelte auch für all die anderen Aktiven in der Gemeinde Affing - natürlich "alles ehrenamtlich und in ihrer Freizeit". Doch eines geht auch ihm zu weit: Feuerwehrleute sollten nicht auch noch für den Anstrich ihrer Feuerwehrhäuser zuständig sein, findet er. Denn genau darüber diskutierte nun der Gemeinderat.

Bei Gemeinderat Josef Tränkl kam der Vorschlag nicht gut an.
Bild: Carmen Jung (Archivbild)

Anlass der Debatte: Der Bauausschuss hatte im September einen Auftrag für Malerarbeiten an der Fassade des Feuerwehrhauses in Anwalting an eine Firma vergeben. Die Summe liegt im niedrigen fünfstelligen Bereich. Bei Josef Tränkl kam das nicht gut an. Er ist, wie Fabian Lechner, Feuerwehrbeauftragter des Gemeinderates und beantragte nun die Nachprüfung des Ausschussbeschlusses. Unterstützung erhielt er von Gerhard Faltermeier, Matthias Brandmeir, Markus Jahnel, Rudi Fuchs und Andreas Widmann.

Die Anwaltinger Feuerwehr hat eine Gaststättenkonzession

Tränkl begründete, bisher hätten Feuerwehren zumindest den wiederkehrenden Anstrich ihrer Häuser selbst übernommen. Alle sollten gleich behandelt werden. Deshalb forderte er vom Gemeinderat nun auch einen Grundsatzbeschluss in Sachen Feuerwehrhaus-Anstrich. Gerade in Anwalting sah er eine Sondersituation. Die dortige Feuerwehr sei die einzige mit einer Gaststättenkonzession, sie mache Umsatz und Gewinn. Da wäre es schon zu überlegen, ob sich der Verein nicht an den Kosten für den Anstrich beteiligen sollte, betonte er "auf die Gefahr hin, dass mir wieder eine Neiddiskussion angehängt wird".

Genau das warfen Josef Schmid und Georg Engelhard dem Ratskollegen vor. Die Diskussion sei "völlig schräg", so Engelhard. Die Anwaltinger Wehr habe den Saal im Obergeschoss in Eigenleistung und auf eigene Kosten realisiert. Engelhard sprach von einem sechsstelligen Betrag. Die Bewirtung bezeichnete er als "kostenlose Serviceleistung für den Ort". Die Feuerwehr sei die einzige Möglichkeit für Rentner, sich zu treffen. Die Halbe Bier koste am Stammtisch 1,60 Euro. Schmid zeigte sich grundsätzlich überrascht, dass der einstimmige Beschluss des Ausschusses infrage gestellt wurde.

Die Haunswieser Feuerwehr hat zuletzt sogar einen Anbau an ihr Feuerwehrhaus in Eigenleistung realisiert.
Bild: Gerlinde Drexler (Archivbild)

In der Diskussion war vom Musterbeispiel Haunswies, wo die Feuerwehr jüngst sogar einen Anbau in Eigenregie realisierte, ebenso die Rede wie von den Kollegen in Aulzhausen, die ihr Gerätehaus stets selbst streichen. Bürgermeister Markus Winklhofer warnte indes davor, eines mit dem anderen aufzuwiegen und befürchtete, dass am Ende kein Feuerwehrler mehr wie bisher kleine Dinge wie die Reparatur eines Kompressors übernehme. Er bat um einen vertrauensvollen Umgang mit den "äußerst engagierten Leuten" und eine "gewisse Deeskalation".

Bauamtsleiter will Affinger Feuerwehr-Fassaden nur dem Profi überlassen

Schließlich gab es doch eine Grundsatzentscheidung und zwar aufgrund der fachlichen Einschätzung von Bauamtsleiter Ralf Scherbauer. "Gebäudehüllen gehören immer in die Hände eines Profis", betonte er. Im Fall Anwalting erst recht, weil die Fassade gedämmt ist. Wenn hier ein Laie am Werk ist, kann es schnell zu Kälteschäden oder Schimmelbildung kommen. Gegen Josef Tränkl beschloss der Gemeinderat, dass Unterhaltsmaßnahmen an Gebäudehüllen von Fachfirmen erledigt werden, wobei der Bürgermeister betonte: "Wir vertrauen nach wie vor auf das Engagement und die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren." Der Beschluss war ganz im Sinne Lechners. Feuerwehren seien "sowieso schon ziemlich gefordert".

Auch Fabian Lechner ist Feuerwehrbeauftragter der Gemeinde.
Bild: Carmen Jung (Archivbild)

Mit 13:7 Stimmen lehnte der Gemeinderat es ab, den Bauausschussbeschluss noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Zuvor hatte die Debatte bizarre Züge angenommen. Georg Engelhard wollte sich nicht einmal mit dem Tränkl-Antrag befassen, weil dieser einen Tag zu spät eingegangen sei. Tränkl wiederum erklärte, er könne beweisen, dass er den Antrag vor Mitternacht in den Briefkasten der Gemeindeverwaltung eingeworfen habe. Er habe das mit Fotos dokumentiert.

In der Affinger Gemeinderatssitzung herrscht eine frostige Atmosphäre

Dass während der Sitzung in der Mehrzweckhalle eine frostige Atmosphäre herrschte, lag indes an den Temperaturen. Die Halle war nicht beheizt, zahlreiche Sitzungsteilnehmer zogen dicke Jacken über. Fabian Lechner bat den Bürgermeister deshalb am Ende, bei der nächsten Sitzung die Heizung anzuschalten, was dieser zusagte.

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