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Landwirtschaft

07.02.2018

Süße Erträge sichern die Zukunft

Auf Hochtouren werden die Bänder im Südzucker-Werk in Rain noch eine Woche laufen. Dann ist eine fast rekordverdächtige Ernte verarbeitet.
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Auf Hochtouren werden die Bänder im Südzucker-Werk in Rain noch eine Woche laufen. Dann ist eine fast rekordverdächtige Ernte verarbeitet.

Eine rekordverdächtige Kampagne stärkt den Standort Rain. Das Werk wirbt bei den Landwirten für die Produktion der Biorübe. Biozucker erzielt höhere Preise, doch der Anbau ohne Pflanzenschutz ist aufwendiger.

Eine Verschnaufpause gab es nicht: Die rund 240 Beschäftigten des Südzucker-Werks in Rain haben seit September auf Hochtouren gearbeitet, rund um die Uhr, 139 Tage dauerte die Kampagne 2017/18 – eine der längsten in der Geschichte des Werkes. Rüben von den Feldern von rund 3000 landwirtschaftlichen Zulieferern wurden in der Fabrik am Lech verarbeitet. In etwa jeder Zehnte dieser Rübenlieferanten produziert seine Hackfrüchte im Wittelsbacher Land. Seit der Marktöffnung für Zucker ist die Anbaufläche im Kreis gewachsen.

Werkleiter Wolfgang Vogl, Koordinator Gerhard Murmann und Benjamin Kirchberger, der Rohstoff-Leiter Bayern, haben in dieser Saison erreicht, was künftig zum Standard werden soll: eine bessere Auslastung des Werks in Rain. Die Fabrik soll in der Zukunft länger als in den vergangenen Jahren unter Dampf stehen. Dazu sei die Lagerkapazität von Zucker erhöht worden, berichtet Kirchberger. 7000 Tonnen können in einem Neubau untergebracht werden. Zum Vergleich: Die großen Silos können bis zu 55000 Tonnen Zucker aufnehmen. Dass das Werk so lange auf Hochtouren lief, hat seine Gründe: Zum einen sei die Anbaufläche nach der Öffnung des Marktes, dem Wegfall der Zuckerquote, um 23 Prozent gestiegen. Zum anderen seien die Rüben auf den Äckern der Landwirte, die das Südzucker-Werk beliefern, im vergangenen Jahr „überdurchschnittlich gewachsen“. Je Hektar sind nach den Berechnungen der Experten 92 Tonnen erwirtschaftet worden.

Täglich wurden rund 12000 Tonnen der Ackerfrüchte mit Lastwagen nach Rain gebracht. Laut Werkleiter Vogl waren das rund 20 Laster-Ladungen pro Stunde. Eine Rekordernte haben die Regenfälle im September und Oktober verhindert. Glücklicherweise habe es keine größeren Schäden oder Pannen gegeben. Weil die Gesamtlagerkapazität längst nicht ausreicht, wurden große Mengen Zucker ausgelagert oder sofort verarbeitet. Störungsfrei gelaufen sei auch die mit einem Millionenaufwand in den vergangenen Jahren erneuerte Technik, mit der Rübenschnitzel beispielsweise bei niedriger Temperatur vorgetrocknet werden. Man ist sich einig: „Besser hätte es nicht laufen können.“ Eine ganz bestimmte Sorte wird in Rain noch nicht verarbeitet: die Rübe, die biologisch angebaut wird. Einige wenige Landwirte in der Region versuchen sich in diesem Anbau, der durch die Handarbeit sehr aufwendig und kostenintensiv sei. „Die Voraussetzungen dazu sind in der Region aber sehr gut“, sagt Kirchberger.

Noch werden die Biorüben im kleinen, spezialisierten Werk in Warburg in Nordrhein-Westfalen zu Biozucker verarbeitet. Natürlich ließen sich mit der Biorübe bessere Preise erzielen, allerdings müsse man wissen, dass durch den Wegfall des Einsatzes von Insektenschutzmitteln auch ein erhöhter Pflegebedarf bestehe, so Kirchberger. Die Nachfrage jedenfalls wachse ständig. „Der Biozucker hat Zukunft.“ Nun wollen Kirchberger und Murmann die Landwirte animieren, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, auf die Biorübe zu setzen. Bei Südzucker werden Rüben aus ökologischem Anbau seit 15 Jahren zu Zucker verarbeitet. Man habe also Erfahrung. Beide Fachleute sind sich sicher, dass die Industrie bald auch schon spezielle Maschinen anbieten werde, um den Pflegeaufwand per Hand zu minimieren.

Dass Rain mittlerweile bei der Konzernführung nach der Schließung des Werkes in Regensburg eine wichtige Rolle spielt, ist aus den Gesprächen herauszuhören. Das sei auch der Grund, warum man ständig investiere. Mittlerweile wird auch ein großer Teil der Produktionswärme wiederverwertet. Auch hierzu wurde ein Neubau erstellt. Zudem ist ein Teil der Produktion von Sondersorten bereits an den Lech verlagert worden. (mit cli)

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