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Kreis Aichach-Friedberg

22.04.2019

Unerklärliche Schmerzen: Wer kann dieser Frau helfen?

Das Spielen mit ihren Kindern macht Tina Wittmeir aus dem Inchenhofener Ortsteil Sainbach unheimlich viel Spaß. Allerdings kostet es auch viel Kraft, weil die 34-Jährige unter starken Gelenkschmerzen leidet.
Bild: Foto: Evelin Grauer

Tina Wittmeir leidet seit der Geburt ihrer zweiten Tochter unter Gelenkschmerzen. An die Diagnose Rheuma glaubt sie nicht. Ihr Alltag bringt sie an ihre Grenzen.

Überall im Haus von Tina und Alexander Wittmeir hängen und stehen heitere Familienbilder: fröhlich lachende Kinder und Eltern. Das perfekte Familienglück! Doch der Schein trügt. Tina Wittmeir hat tagtäglich Schmerzen. Seit der Geburt ihrer zweiten Tochter Julia kann sich die 34-Jährige aus dem Inchenhofener Ortsteil Sainbach oft gar nicht mehr Rühren. Sie leidet unter extremen Gelenkschmerzen.

Jede Bewegung tut der zweifachen Mutter weh. Finger, Handgelenke, Fußballen, Fußgelenke und immer wieder der gesamte Brustkorb schmerzen. In den Beinen zieht es oft von oben bis unten. Es gibt Tage, da weiß Tina Wittmeir nicht mehr, wie sie aus dem Bett aufstehen oder laufen soll.

Alles begann nach der Geburt vor einem Jahr

Angefangen hat alles nach der Geburt vor einem Jahr. Die Sainbacherin hatte zwar auch in der Schwangerschaft hin und wieder Schmerzen, hat das aber auf die besonderen Umstände geschoben. Gegen Ende der Schwangerschaft verursachte die Kaiserschnittnarbe der ersten Geburt große Schmerzen. Tochter Emma kam vor drei Jahren auf die Welt.

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Weil die Ärzte beim zweiten Kind Angst hatten, die Narbe könnte reißen, wurde Töchterchen Julia drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Im Nachhinein glaubt Tina Wittmeir, dass die Beschwerden an der Narbe der Auftakt für ihr jetziges Leiden war. Nach der Geburt sei die Krankheit komplett ausgebrochen, sagt sie.

Die 34-Jährige hat unzählige Ärzte aufgesucht

Die 34-Jährige, die momentan in Elternzeit ist, hat in der Zwischenzeit unzählige Ärzte aufgesucht, um die Ursache für ihre Schmerzen zu finden – ohne Erfolg. Hausarzt, Frauenarzt, Heilpraktiker, Osteopath, Hormonspezialist: keiner konnte ihr dauerhaft helfen. Bei einer Blutabnahme wurde im vergangenen Jahr festgestellt, dass ihr Rheuma-Faktor sehr hoch ist. Seitdem gilt sie als rheumakrank und ist beim Rheumatologen in Behandlung. Die Spritzen, die Linderung bringen sollen, helfen ihr aber „nicht großartig“, berichtet sie.

Nicht zuletzt deshalb glaubt die Sainbacherin nicht an die Rheuma-Diagnose. Viele ihrer Symptome seien untypisch für diese Krankheit, etwa die Schmerzen im Brustkorb. Zudem sei in ihrer Familie bei niemandem Rheuma aufgetreten. Im Internet hat die Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Augsburger Josefinum nach Müttern gesucht, die ähnliche Beschwerden haben. Teilweise ist sie fündig geworden, aber bei den meisten Frauen sind die Schmerzen nach einiger Zeit wieder verschwunden. Etwas, das gegen die Leiden helfen könnte, hat sie nicht entdeckt.

Die Aussage eines Heilpraktikers deprimierte sie

Einer der aufgesuchten Heilpraktiker hat ihr einmal gesagt, es könne durchaus sein, dass sie unter einer seltenen Autoimmunkrankheit leide, aber kein Arzt der Welt werde das nachforschen. Stattdessen werde sie seiner Ansicht nach als Schmerzpatientin mit einer psychosomatischen Krankheit eingestuft werden. Eine deprimierende Aussage für die zweifache Mutter.

Oberärztin Elisabeth Menzinger ist Fachärztin für Schmerztherapie an den Kliniken an der Paar. Sie hält eine Rheuma-Erkrankung, die durch eine Schwangerschaft ausgelöst wird, für nicht typisch, aber auch nicht auszuschließen. Häufig komme es nach einer Schwangerschaft durch die hormonelle Veränderung zu einer so genannten postpartalen Depression, die sich in unterschiedlichsten Schmerzen äußern kann. Ob das im konkreten Fall so ist, darüber kann Menzinger nur spekulieren.

Manchmal fragt sie sich, ob sie sich alles nur einbildet

Tina Wittmeir fragt sich manchmal selbst, ob sie sich das alles nur einbildet. Aber sie kommt immer wieder zu dem Schluss: „Nein. Die Schmerzen sind real.“ Depressionen nach der Geburt hatte sie keine, erklärt sie. Die Schwangerschaft selbst sei ebenfalls unkompliziert verlaufen. Auch der Aichacher Osteopath Hans Stadlmaier hat noch nie von einem derartigen Fall gehört. Er könnte sich vorstellen, dass es Verschiebungen bei Wittmeirs Gelenken gibt und würde versuchen, diese über die gängige Zug-und-Druck-Technik aufzulösen. Bringe dies keine Besserung, könne er vermutlich nicht helfen.

Etwas im Stich gelassen fühlt sich die Sainbacherin auch von ihrer Krankenkasse. Diese gestehe ihr keinerlei Unterstützung für den Alltag zu, etwa eine Haushaltshilfe, erzählt Wittmeir. Zwar würde sie als Rheumapatientin vermutlich eine Kur bewilligt bekommen, aber nur ohne Kinder und das kommt für die zweifache Mutter derzeit nicht in Frage.

Sie wünscht sich die Unbeschwertheit von früher zurück

Umso mehr hofft Tina Wittmeir, baldmöglichst jemanden zu finden, der ihr helfen kann – sei es ein Arzt, eine ebenfalls Betroffene oder einfach irgendjemand, der noch eine Idee hat, was sie tun könnte. „Zwischendrin bin ich immer wieder sehr verzweifelt“, erzählt sie. Gerade am Abend nach einem langen Tag mit den Kindern ist sie oft völlig platt. Die meisten Menschen in ihrem Umfeld wussten bisher nichts von ihren Schmerzen, denn Tina Wittmeir will alles so machen wie ein gesunder Mensch auch: mit den Kindern auf den Spielplatz gehen, ins Schwimmbad oder Ausflüge mit der gesamten Familie. Sie will vor allem, dass die Kinder nichts von ihrer Krankheit mitbekommen. Aber all das ist sehr kraftraubend.

Ihre größte Stütze ist ihr Mann Alexander, der ihr am Abend und nachts häufig die Kinder abnimmt. „Ihm wird das nie zu viel. Er ist der beste Papa der Welt“, betont Tina Wittmeir. Auch ihre Mutter, die Aichacher Stadträtin Inge Gelfert, unterstützt sie nach Kräften. Ebenso wie ihr Papa und die Schwiegereltern. Trotz ihrer Schmerzen falle es ihr aber schwer, Hilfe anzunehmen.

Für die Zukunft wünscht sich die Sainbacherin die Unbeschwertheit vergangener Tage zurück. Sie würde gerne wieder so viel lachen wie früher, sagt sie und wischt sich ein paar Tränen ab.

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01.05.2019

Hallo,
Ist bei Ihnen in Richtung Fibromyalgie schon mal getestet worden?

Oder eine bestimmte Nahrungsmittelunverträglichkeit z. B. Gluten-Sensitivität (die aber auch viel Verdauungsbeschwerden macht). ich habe zufällig einen Artikel darüber gelesen, wo die Betroffene auch über undefinierbare Schmerzen gesprochen hat und diese dann bei einer Ernährungsumstellung viel besser geworden sind.

Der Artikel über Ihre Schmerzen hat mich sehr berührt und ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und viel Kraft weiterhin.

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22.04.2019

Hallo Frau Wittmeier, bei mir ist es ähnlich meine Krankheit nennt sich crps Morbus Sudek meine größte Hilfe ist nach opiaten und Psychopharmaka "Feldenkrais"
Wünsche ihnen viel Energie

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22.04.2019

Ist Frau Wittmeir auf eine Schwangerschafts-Osteoporose getestet worden? Osteoporose tritt ja nicht nur bei älteren Menschen auf.
In der TV-Serie "Abenteuer Diagnose" wurde vor einiger Zeit von einer jungen Mutter berichtet, die nach der Schwangerschaft unter unerträglichen Schmerzen litt, bis die Schwangerschafts-Osteoporose erkannt wurde.

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22.04.2019

Man sollte ein betroffenes Gelenk per Endoskopie untersuchen um zu sehen wie es darin aussieht. Eventuell haben sich Zellen des zweiten Kindes im Mutterleib verteilt und werden vom Immunsystem attackiert.
Haben die Kinder andere Blutgruppen als die Mutter?
Wurde eine Impfung für Mehrfachgebehrende nach Geburt des ersten Kindes verabreicht? Sind hier Nebenwirkungen bekannt?

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22.04.2019

Vielleicht mal hier Kontakt suchen

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Zentrum für unerkannte und seltene Erkrankungen
Universitätsklinikum Gießen – Marburg
Standort Marburg
Baldingerstraße 1
35043 Marburg
Mail: zuse@uk-gm.de
Tel. 06421-586 4357
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