1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Vater beißt seine Tochter und muss Strafe zahlen

Aichach

17.08.2018

Vater beißt seine Tochter und muss Strafe zahlen

Weil er seine Tochter mehrfach misshandelt hat, stand ein Vater vor dem Amtsgericht in Aichach.
Bild: Archivfoto: Christian Kirstges

Ein Mann misshandelt sein Kind. Beim ersten Mal ist das Mädchen noch keine zwei Jahre alt. Am Amtsgericht Aichach wird er deshalb verurteilt.

Sechs Mal hat er seine kleine Tochter gebissen, einmal mit der Hand auf den Mund des Mädchens geschlagen: Dafür musste sich ein Vater nun am Amtsgericht Aichach verantworten. „Schlimm“ fand Richterin Eva-Maria Grosse, die das Verfahren im Rahmen des Jugendschutzgerichts führte, dieses Verhalten des Mannes dem Kind gegenüber. Sie verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu einer Strafe von 240 Tagessätzen à 35 Euro.

Staatsanwältin Melanie Ostermeier schilderte die Taten im Einzelnen. Der 48-Jährige hatte sie vorab eingeräumt: Im Sommer 2013 biss er demnach das zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal zweijährige Kind grundlos in die Wange. Der Vorfall ereignete sich in der damaligen Wohnung der Familie im Landkreis. Im Garten biss er sie dann wenige Wochen später erneut – diesmal in den Unterarm. In den darauffolgenden Monaten biss er das Kind in den Zeigefinger und in den unteren Bereich des Gesäßes. Noch zwei weitere Male biss er dem Mädchen ins Gesäß: beim Spielen auf der Couch im Sommer 2016 und während eines Besuchs in Jimmy’s Fun Park in Dasing im Oktober 2017. Im Juli 2017 schlug er der zu diesem Zeitpunkt Fünfjährigen im Schwimmbad in Dasing außerdem mit der flachen Hand auf den Mund.

Anklage Körperverletzung: Zahnabdrücke auf der Kinderhaut

Die Bisse haben dem Mädchen nicht nur Schmerzen bereitet, so Ostermeier. Es waren auch nach den Taten jedes Mal Zahnabdrücke auf der Kinderhaut zu erkennen. Das Mädchen habe mehrfach „aua“ gesagt und den Vater gebeten aufzuhören. Und auch die Mutter des Kindes habe den Mann ermahnt, das Beißen sein zu lassen. Trotzdem habe er es immer wieder getan. Die Eltern des Mädchens, die auch noch einen Sohn haben, sind inzwischen getrennt. Der 48-Jährige, der deutsch-türkischer Nationalität ist, lebt nicht mehr im Landkreis. Mutter und Tochter mussten nicht selbst erscheinen im Gerichtssaal, wurden aber durch einen Rechtsanwalt als Nebenkläger vertreten.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Der Vater äußerte sich während der Verhandlung zu seinem Verhalten: Die Bisse seien nicht bösartig gewesen, keine Strafe, sondern vielmehr im Spiel geschehen. Als die Tochter „aua“ gesagt habe, habe er jedes Mal gleich von ihr gelassen. Dann, Monate später, habe er schon gar nicht mehr an diese Reaktion des Kindes gedacht, als er wieder zubiss. Seine eigenen Eltern seien ähnlich mit ihm umgegangen. Inzwischen bereue er aber die Taten: „Mir tut das furchtbar leid.“ Er habe sich in Behandlung begeben und bei der Caritas eine „Werkstatt für Väter in Trennung“ besucht. Zur Tochter habe er im Moment keinen Kontakt – einen entsprechenden Gerichtsantrag auf Umgang habe er zurückgezogen, „bis das Kind von sich aus wieder so weit ist“, wie Clemens Sandmeier erklärte, der Rechtsanwalt des Angeklagten. Gegen den Strafbefehl hatte der Vater vor der Verhandlung zwar Einspruch eingelegt – aber nur, was die Rechtsfolgen betrifft. Die Taten an sich hatte er nicht bestritten.

Angeklagter will nicht als vorbestraft gelten

Mit diesem Einspruch wollte der Angeklagte verhindern, künftig als vorbestraft zu gelten, so Sandmeier. Er forderte für seinen Mandanten eine Strafe von nur 90 Tagessätzen im Gegensatz zu den 240, die Staatsanwältin Ostermeier angesetzt hatte. Ein Eintrag ins Polizeiliche Führungszeugnis entfiele dann nämlich, argumentierte Sandmeier. Und dieser könne beruflich existenzgefährdend sein für den Mann, der Unterhalt für seine Kinder zahle und Schulden habe.

Die niedrigere Strafe hielt Sandmeier auch für angemessen: Zwar sei sein Mandant gegenüber der Tochter „übergriffig“ geworden und einer „soziokulturellen Fehlprägung“ erlegen, er habe aber Einsicht in sein Unrecht erlangt. Er habe das Kind nicht verletzen wollen, sondern nur seine Liebe „in einer Art und Weise zum Ausdruck gebracht, die wir nicht wertschätzen“. Das Mädchen habe keine „schwerwiegenden körperlichen Verletzungen“ von sich getragen, sondern „eher seelische“: „Wir hoffen, dass es diese noch verwinden kann.“

Richterin Grosse ließ sich darauf nicht ein: Gerade die erlittenen seelischen Verletzungen könnten dem Mädchen später noch Probleme bereiten, erklärte sie. Außerdem müsse der Vater mit viel Kraft zugebissen haben, um Abdrücke zu hinterlassen. Besonders schwer wiegte aber in ihren Augen, dass es „wahnsinnig viele Taten“ gewesen seien, dass der Vater immer wieder zugebissen habe: „Es war Ihnen egal, dass das Kind ,aua’ gesagt hat.“ Sie blieb deshalb bei den 240 Tagessätzen für den Vater, der seine Tochter gebissen hat.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren