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Aichach

24.02.2018

Volkstheater wagt sich an „Die Niebelungen“

Nach der dramatischen Absage der gesamten Spielzeit 2017 startet das Aichacher Volkstheater zum zweiten Anlauf.
Bild: Erich Echter

Volkstheater führt eine moderne Version des Heldenepos auf. Dabei ist auch viel Ironie im Spiel. Es ist der zweite Anlauf nach der Absage im Herbst.

Die Texte sitzen, die Aufregung steigt. Die Darsteller des Aichacher Volkstheaters fiebern der Premiere ihres Stücks „Die Nibelungen“ am Samstag, 3. März, entgegen. Es ist der zweite Anlauf, weil nach einem Zusammenbruch von Hauptdarstellerin Teresa Neumaier am Premierenabend im November sämtliche Aufführungen abgesagt wurden (wir berichteten). Der 36-Jährigen geht es wieder gut und das Ensemble freut sich darauf, endlich das Heldenepos über Siegfried den Drachentöter zeigen zu können, das mit viel Ironie gewürzt ist.

Gerade diese Mischung aus ironischer Persiflage, Witz und ernsten Passagen ist es, die die Theaterspieler an dem Stück besonders anspricht. „Es ist eine pfiffige Version der alten Sage über den berühmtesten deutschen Helden“, sagt Spielleiterin Claudia Flassig. Die Entdeckung, dass Thomas Birkmeir, der Autor der modernen Nibelungenversion, ein früherer Schulkamerad von ihr ist, bezeichnet Flassig als „großen Motivationsanker“ bei der Entscheidung für das Stück.

In Birkmeirs Version ist die Sage um Siegfried zwar der rote Faden, der sich durch das Stück zieht. Der Autor stellt aber die Kraft der Frauen in den Vordergrund. Flassig beschreibt es so: „Mit einem etwas ironischen Auge blickt er auf die hehren Helden und die strammen deutschen Männer und macht das ganze Heldentum etwas kleiner zugunsten der Frauen.“ Zum Beispiel melden sich die zickende Kriemhild (Teresa Neumaier) und die männerhassende Brunhild (Sabine Schneider) lautstark zu Wort und Siegfried (Markus Schneider) kassiert Ohrfeigen.

Regisseurin Dagmar Franz-Abbott hatte ein Auge darauf, dass das Stück stimmig blieb und nicht in die Klamotte abrutschte. „Sie musste uns manchmal zügeln“, erzählt Neumaier. Die Zuschauer erwarte ein teilweise recht schnelles Wechselspiel zwischen ernsthaften und witzigen Momenten, verrät sie.

Nach Zusammenbruch: Hauptdarstellerin Teresa Neumaier ist wieder fit

Was letztlich zu ihrem Zusammenbruch am Premierenabend geführt hatte, haben die Ärzte im Krankenhaus nicht herausfinden können. Die 36-Jährige vermutet, dass ihr alles einfach zu viel geworden war. Neben ihrer Arbeit probte sie nicht nur für die Aufführungen, sondern hatte – wie alle anderen Darsteller auch – noch Aufgaben rund um das Stück. Neumaier kümmerte sich um die Organisation und nähte einen Teil der Kostüme. Spielleiterin Flassig sagt: „Es ist wahnsinnig belastend, wenn Schauspieler auch noch anderes machen müssen.“ Sie wünscht sich ein größeres Team im Hintergrund zur Entlastung. Dem stimmt Neumaier zu: „Es ist wichtig, dass wir noch mehr Leute in den Verein bekommen, die uns hinter der Bühne unterstützen.“ Künftig wolle der Verein darauf achten, die Spieler weniger zu belasten.

Einen Vorteil hat der zweite Anlauf: das Bühnenbild steht und die Kostüme (von denen ein Großteil vom Hofbergtheaterverein in Schiltberg ausgeliehen ist) sind fertig. Die Laiendarsteller müssen jetzt ihren „Theatermodus“ finden.

Es sei total komisch, ein Stück wieder aufzunehmen, das eigentlich schon abgeschlossen war, sagt Flassig: „Man muss die Energie wieder herkriegen.“ Im Herbst standen alle Darsteller unter Strom. Die Spielleiterin weiter: „Man tut nichts anderes mehr, ist nur noch im Theatermodus.“ Die Premiere sei dann wie eine Erlösung. Sobald die Probenwochenenden beginnen, werde sich dieser Modus wieder einstellen, ist Flassig überzeugt.

Von vielen Seiten erfuhr der Verein nach der Absage im Herbst Unterstützung. Zuschauer spendeten das Eintrittsgeld, die Regisseurin verzichtete erst einmal auf ihre Gage und auch andere offene Beträge mussten nicht sofort beglichen werden. Auch der TSV Aichach unterstützt den Verein. Damit die Darsteller proben können, finden in der Woche vor der Premiere wie schon im Herbst keine Turnstunden in der TSV-Halle statt.

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