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05.07.2007

Von einem der auszog, kein Profi-Fußballer zu werden

Keiner sitzt mehr, keiner blickt auf sein Handy, keiner unterhält sich mit dem Nebenmann: Die Stadionatmosphäre hat ihren Siedepunkt längst erreicht, als eine kleine "Kugel" im grünen Trikot mit wahnwitziger Geschwindigkeit einem Ball hinterherjagt. Sie scheint nicht zu stoppen - bis sie Auge in Auge mit Sven Neuhaus steht. Sven Neuhaus ist Profi-Torhüter. Die grüne "Kugel": Ailton, einer der Topstürmer der Bundesliga.

1,94 Meter groß, 85 Kilogramm schwer, beim FC Augsburg seit 2006: Das sind die Zahlen zum Torwart Sven Neuhaus. Den Menschen Sven Neuhaus, der mittlerweile in Kissing lebt, beschreiben sie nicht. Wenn Neuhaus redet, merkt man: Er ist kein Kind von Traurigkeit. Flapsige Sprüche, unkomplizierter Umgang, gute Stimmung - für Neuhaus läuft gerade der beste Teil seiner Karriere.

Von den Fans wird er bewundert, vom Trainer geschätzt. Das war nicht immer so. Es läuft die Saisonvorbereitung 2004, als Neuhaus erfährt, wie brutal Profifußball sein kann. Der 25-Jährige hat in Fürth eine starke Saison hinter sich - das Team kämpfte lange gegen den Abstieg. Gegen Duisburg hält Neuhaus einen Elfmeter, sichert den Klassenerhalt und ist der Held - wenige Monate wechselt der slowenische Nationalkeeper Mavric zum Playmobilstadion, Neuhaus wird zurückgestuft. Der Grund: "Ich hatte mich mit Präsident Hack überworfen, es war eine politische Entscheidung." Neuhaus' Verhängnis: seine Ehrlichkeit.

Es ist immer billig, Probleme mit der eigenen Ehrlichkeit zu erklären. Nur: Sven Neuhaus nimmt man das ab. Er erzählt unaufgeregt von Borussia Byfang, wo er 1983 zu kicken beginnt. Entspannt erwähnt er seine Wechsel zu Schwarz-Weiß Essen 1990 und zu Fortuna Düsseldorf 1994. Dort reift er zum Torwartjuwel - was heißt "reifen"? "Ich hatte nie das Ziel Profi zu werden. Ich habe Fußball nicht so ernst genommen", blickt Neuhaus zurück. Am Anfang kann er sich das leisten, sein Talent hilft ihm. Sogar ein Probetraining beim FC Arsenal absolviert der blonde Hüne - die rechte Einstellung lässt er aber noch vermissen. Trotzdem wird der Essener mit nur 19 Stammkeeper in der Oberliga und erzählt lachend: "Am Anfang hatte ich bei dem Tempo gar keine Chance - ich sprang, und der Ball kam schon wieder aus dem Netz."

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2001 wechselt Neuhaus nach Fürth und avanciert 2003 zum Stammkeeper. Nach den Querelen 2004 verlässt er die Franken zwei Jahre später entnervt Richtung Augsburg - es ist der Wechsel ins neue Fußballglück. Sven Neuhaus nutzt eine Verletzung von Stammkeeper Miletic und zeigt sein ganzes Können.

Er ist ein guter Fußballer, hat keine Angst, dirigiert lautstark seine Abwehr. Und: "Bei mir hat es im Kopf "klick" gemacht. Ich bin nun richtig angekommen." In seinem Beruf angekommen.

Sven Neuhaus weiß: "Wenn du kein Star bist, dann geht es manchmal richtig um deine Existenz. Außerdem bist du von Faktoren abhängig, die du nicht beeinflussen kannst." Das sind Verletzungen und Trainerwechsel. Und: "Als Torwart kann man dich immer kritisieren. Wer einen Fehler finden will, findet einen", erklärt Neuhaus. Deshalb sei er immer auch Einzelkämpfer, bei einem 3:2 ärgere er sich über jeden Gegentreffer: Es ist der Spagat zwischen Teamgeist und dem Wissen um die eigene Rolle. Neuhaus: "Du kannst nur im Team Erfolg haben. Aber du musst auch an dich denken - man hat nicht so viele Jahre als Profi."

Bis er 38 ist, will Sven Neuhaus spielen. Gerne möchte er noch ins Ausland wechseln, seinen Horizont erweitern. Noch lieber aber würde er lesen: "Neuhaus führt Augsburg in die 1. Bundesliga." Dann würde man nämlich auf Werder Bremen treffen. Ailton wäre dann zwar nicht mehr dabei. Aber Sven Neuhaus. Und vielleicht stärker denn je.

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