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Extremsport

05.04.2019

So bereitet sich Viktor Reger auf den Wüstenlauf vor

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Viktor Reger hat sich eine improvisierte Sauna gebaut: Mittels eines Heizstrahlers erhitzte der Oberbernbacher den Raum auf mehr als 50 Grad Celsius. So heiß wird es auch beim sechstägigen Etappenrennen in der Sahara, bei dem der 38-Jährige teilnimmt. Deshalb ging es einmal pro Woche aufs Laufband in der „heimischen Wüste“.

Der Ultraläufer aus Oberbernbach läuft sechs Tage durch die Sahara. Mehr als 250 Kilometer will der 38-Jährige ab Samstag bei 50 Grad Celsius zurücklegen.

23 Grad, Sonnenschein – bestes Wetter, um zu laufen. Ausgerechnet an so einem Tag verdunkelt Viktor Reger ein Zimmer in seinem Haus in Oberbernbach. Er schnallt sich einen rund zehn Kilo schweren Rucksack um, zieht sich eine Kappe zum Schutz vor der Sonne auf und steigt auf ein Laufband. Als „verrückt“ würden das einige bezeichnen. Noch verrückter wird es, wenn man weiß, dass auf dem Bildschirm vor ihm eine Wüstenlandschaft zu sehen ist und in dem Zimmer mehr als 50 Grad herrschen. Mithilfe eines Heizstrahlers verwandelt es Reger in eine Sauna. Für den Ultraläufer gehört das zur Vorbereitung auf seinen Lebenstraum. Am morgigen Samstag nimmt der Oberbernbacher erstmals am Marathon des sables – übersetzt „Marathon der Säbel“ in Marokko teil. In sechs Tagen müssen die Teilnehmer insgesamt rund 250 Kilometer durch die Sahara zurücklegen. Täglich stehen zwischen 30 und 90 Kilometern auf dem Programm. „Ich wollte da schon immer einmal mitmachen. Das ist eine große Sache für mich.“

Kleiner Rucksack, viel Gepäck: Reger muss neben einer Leuchtrakete auch Essen in Höhe von 14000 Kalorien mitnehmen. Mehr als zehn Kilo darf der Rucksack des 1,90 Meter großen Läufers aber nicht wiegen.

Wüstenmarathon: Giftpumpe und Signalleuchte gehören zu Ausrichtung

Deshalb verzog sich Reger einmal wöchentlich in sein Zimmer und schwitzte anderthalb Stunden lang. Zwischen neun und zehn Kilometer legte er so auf dem Laufband zurück. Ursprünglich wollte er in der Sauna seines Cousins trainieren. „Ich bin über 1,90 Meter groß und das Laufband hat auch eine Höhe von 20 Zentimetern – das hat leider nicht funktioniert. Aber so ging es auch ganz gut.“ Neben den „Sauna-Läufen“ trainierte Reger auch an der frischen Luft. Pro Woche kamen so rund 100 Kilometer zusammen. „Ich bin gut vorbereitet, sowohl was die Hitze als auch den Rest betrifft.“ Fitness allein ist für den Marathon in der Wüste nämlich nicht ausreichend. Mindestens genauso wichtig ist die Ausrüstung. Die Liste liest sich wie die eines Abenteurers im australischen Dschungel. Signalrakete, Entgiftungspumpe, Signalspiegel, Stirnlampe – um nur einige zu nennen. „Das ist Pflicht. Ich muss auf alles gefasst sein. In der Wüste kann dich eine Schlange beißen oder du hast Probleme und kannst mit dem Spiegel Zeichen geben.“ Die Stirnlampe braucht Reger für den Nachtlauf, gleiches gilt für die Signalpistole. Denn eine Etappe geht über die doppelte Distanz und findet größtenteils bei Dunkelheit statt. Dann herrschen statt der 50 Grad Celsius Temperaturen um die fünf Grad. „Das unterschätzen viele. Ich habe deshalb extra eine Jacke dabei und mein Schlafsack ist bis null Grad ausgelegt.“ Hinzu kommt, dass Reger insgesamt 14000 Kalorien an Nahrung dabei haben muss. „Mein Rucksack hat ein Volumen von 20 Litern. Was da alles rein muss. Das ist echt eine Kunst.“ Platz spart der selbstständige Schreiner beim Essen. Eingeschweißte Nüsse sowie Leckereien wie „Makkaroni und Käse“ zum Aufgießen. „Das Zeug ist richtig teuer und eigentlich für Bergsteiger gedacht. Ich habe alles vorher probiert, also weiß ich auch hier, was auf mich zukommt.“

Luxus sieht anders aus. Insbesondere gilt das für den Bereich der Körperhygiene. Duschen gibt es in der Sahara freilich nicht. Da Reger und seinen Mitstreitern pro Mann und Tag nur neun Liter Wasser zur Verfügung stehen, fällt das Duschen aus. „Das ist nicht drin. Bei den Temperaturen brauche ich das Wasser anderweitig. Das macht mir aber nichts aus. Ich bin schon einmal dreieinhalb Wochen von Oberbernbach nach Kirgistan geradelt und habe auch mehrere Tage nicht geduscht. Das ist mein kleinstes Problem.“ Viel mehr Sorgen bereitet ihm das Schuhwerk. Mit normalen Laufschuhen würde Reger nicht weit kommen. „Es geht über Dünen, Sand und hautsächlich Felsen. Normale Laufschuhe würden sich einfach auflösen.“ Deshalb hat sich Reger spezielle Schuhe mit fester Sohle gekauft und getestet. „Die habend deutlich weniger Federung. Ich bin ohnehin gespannt, ob meine Füße das aushalten. Viele haben mir von tiefen Fleischwunden erzählt. Da habe ich meine Bedenken.“ Angst hat Reger aber nicht vor dem Abenteuer: „Es sind Ärzte vor Ort und alle 500 Meter gibt es eine Markierung. Da kann eigentlich nichts passieren.“ Auch Frau Tatjana geht die Sache gelassen an: „Er macht das schon. Da bin ich ganz entspannt.“

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Vorbereitung auf Sahara: Reger übernachtet im Zelt

Im vergangenen Jahr nahm Reger an einem Wüstenmarathon teil – zum Test. Rund 42 Kilometer ging es durch die Wüste Jordaniens. Die Hitze machte ihm stark zu schaffen, und das, obwohl die dortigen 35 Grad mit den kommenden Herausforderungen vergleichsweise ein Spaziergang sind. Reger ist aber vorbereitet. Im Winter lief er durch Tiefschnee, um die Läufe über die Sanddünen zu simulieren. In Heilbronn nahm er an einem 24-Stunden-Lauf teil, um seinen Körper auf den langen Nachtlauf vorzubereiten. Zusätzlich hat Reger eine Woche lang im Zelt im Garten übernachtet. Warum? „Ich schlafe so schlecht, wenn ich nicht in meinem Bett liege. So habe ich mich vorbereitet.“ In der Wüste schläft der 38-Jährige mit sieben anderen Läufern unter einer Plane.

Auch das kann Reger die Vorfreude nicht nehmen. Sein Ziel: In unter 50 Stunden Laufzeit ankommen. 3200 Euro kostet allein die Startgebühr. Manche würden sagen „verrückt“. „Es ist viel Geld, aber das ist es mir auch wert. Andere zahlen, um im Urlaub am Strand zu liegen. Ich mag die Aktion“, so Reger. Von der gibt es für Reger in den kommenden Tagen mehr als genug. Einen Luxus gönnt er sich aber dann doch. „Ich habe eine Solarzelle dabei, damit ich Musik hören und mit einer kleinen Kamera Fotos machen kann, obwohl ich den Platz eigentlich gar nicht habe.“

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