Dialekte

03.12.2012

A bissle was geht allwei

In unserer Serie geht es heute um die Weile und Verkleinerungsformen

Landkreis Augsburg Der Filmemacher Helmut Dietl ließ den Schauspieler Helmut Fischer als MonacoFranze in der beliebten gleichnamigen Fernsehserie einen Satz sagen, der bis heute weithin bekannt ist und oft zitiert wird: „A bisserl was geht immer.“ Es ist ein mittlerweile geflügeltes Wort, wenn auch nur halb im Dialekt, denn eigentlich müsste es statt „immer“ „oiwei“ heißen. Aber so ist halt heut der Sprachgebrauch, vor allem in Ballungsräumen: Standarddeutsch mischt sich mit Mundart.

Auch in Bayerisch-Schwaben werden viel beachtete TV-Filme und -Serien gedreht. Stellen wir uns also spaßeshalber den Augusta-Willi (Augsburg heißt im Italienischen Augusta) vor. Dem hätte man dann vielleicht „a bissle/a was“ – oder auch „a weng/k was geht all(e)wei“ ins Drehbuch geschrieben.

Interessant mag sein, dass weder das Schwäbische noch das Bairische das Standardwort „immer“ verwenden. In unseren Regionen – ebenso auch im Österreichischen – sind die Worte alleweil, allerweil oder auch allweil in unterschiedlichen Aussprachen und Varianten auch heute noch gebräuchlich.

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Richtung Ulm sowie im weiteren Grenzgebiet zu Württemberg heißt es mundartlich auch „elleweil“, gelegentlich „elleg“ und „ewl“. Die Umwandlung von a bei „alle Weile“ in e ist laut Professor König übrigens typisch für das Schwäbische und lässt sich bis in die mittelhochdeutsche Zeit zurückverfolgen. Allerdings bleibt die genaue Herkunft der Begriffe „elleg“ und „ewl“ unklar.

Typisch für die schwäbische wie die bairische Mundart ist auch, dass sich die standarddeutsche Verkleinerungsform „-chen“ nicht oder nur sehr vereinzelt – im Aschaffenburger Raum – durchgesetzt hat. Es heißt bei uns also nicht bisschen, sondern von „bisslein“ kommend bissle oder bisserl, auch bissl. Und das gilt auch für die Verkleinerung vieler anderer Worte, etwa Schwammerl, Hundla und Hunderl, Mauserl und Mäusle sowie Manderl und Weiberl.

Ist es ein Hang zu Verniedlichungen?

Überraschend bleibt allerdings, dass die deutschen Dialekte generell arm an Verkleinerungen sind – mit Ausnahme unserer südlichen Mundarten. Ob sich daraus ein Hang der Süddeutschen zur Verniedlichung ableiten lässt, ist ebenso unklar wie der Verdacht einer größeren Wirklichkeitsnähe bei den übrigen Deutschen.

Nächste Woche Das kommende Mal kümmern wir uns um die verschiedenen Aussprachen in unserer Mundart.

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