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Thierhaupten

04.09.2018

Als Teilzeit-Ritter ins Mittelalter

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Sie leben im Zeltlager, tagen an der ritterlichen Tafel und sind unterwegs hoch zu Ross - allerdings nur am Wochenende. Die Allianz der Herzog-Tassilo-Ritter, 1998 gegründet in Thierhaupten, lebt ein mittelalterliches Leben in Teilzeit.
Bild: Oli Lauterbach

Die Thierhauptener Herzog-Tassilo-Ritter pflegen ein aufwändiges Hobby. Ihr Vorsitzender erklärt, was ihn daran fasziniert.

Sie leben im Zeltlager, tagen an der ritterlichen Tafel und sind unterwegs hoch zu Ross – allerdings nur am Wochenende. Die Allianz der Herzog-Tassilo-Ritter, 1998 gegründet in Thierhaupten, lebt ein mittelalterliches Leben in Teilzeit.

„Wenn wir auf einem Ritterturnier sind, schlafen wir nicht im Hotel“, stellt Vorsitzender Oliver Lauterbach klar. Ist das Lager der ehrwürdigen Herzog-Tassilo-Ritter vollständig aufgebaut, kommt schnell eine 12000 Quadratmeter große Fläche zusammen, inklusive Rittertafel und eigener Küche. Jeder Ritter haust im eigenen Zelt, auch die Bekleidung ist historisch und kommt „nicht von der Stange“ – lediglich die Speisen sind nicht immer ritterlich, sondern eher alltäglich, wie Lauterbach verrät. Denn es gibt drei Dinge, die der Ritter aus Hennhofen (Gemeinde Altenmünster) an der heutigen Zeit besonders schätzt: „Das Essen, die tägliche Dusche und die Entdeckung von Antibiotika.“

Das Hobby ist sehr zeitintensiv

Ulrich von Rehling und Edward Wolf of Wolfham heißen die beiden Rollen, in die Lauterbach mit einem jeweils anderen Pferd immer wieder schlüpft. Dann dauert ein Wochenende schon einmal von Donnerstag bis Montag, wenn An- und Abreise sowie Auf- und Abbau mit einberechnet werden. „Unser Hobby ist sehr zeitintensiv“, sagt Lauterbach. Oftmals müsse für die Auftritte eigens Urlaub genommen werden. Auch für die Proben im Frühjahr werden einige Wochenenden beansprucht. Dann wird bestenfalls auf einem Platz mit Halle trainiert, damit das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen kann.

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Teuer ist das Ritter-Dasein ebenfalls: Ausgaben fürs Pferd, Ausrüstung und Einzelanfertigungen summieren sich schnell. „Wir haben einen hohen Materialverschleiß“, schildert der Vorsitzende. Bei den Kämpfen, die einstudiert sind, aber dennoch Freiraum für Improvisationen lassen, gehe es stets zur Sache: Dann wird man als Ritter schon einmal hinter dem Pferd hergezogen und kaputte Schwerter verabschieden sich. Wer sich also den Herzog-Tassilo-Rittern anschließen möchte, müsse nicht nur bereit dazu sein, zu trainieren, sondern auch zu investieren. Körperliche Fitness ist für das Hobby ebenso gefragt. „Ansonsten kann jeder gerne mitmachen“, meint Lauterbach.

Insgesamt zählt die Thierhauptner Allianz knapp 30 Ritter und zwölf Pferde, dazu gehören „Fußvol“ wie Knappen und eine Köchin. Die Mitglieder kommen von Ulm bis Bad Tölz.

Sie wirken in Film- und Fernsehproduktionen mit

Neben Turnieren und Feuershows mit und ohne Pferd haben die Recken noch ein weiteres Standbein: Sie wirken in Film- und Fernsehproduktionen mit. Zuletzt war Oliver Lauterbach im Januar mit seiner Truppe bei der Kindersendung „1, 2 oder 3“ zu sehen. Auch Produktionen für die Privatsender Sat1 und ProSieben hat es in der Vergangenheit schon gegeben.

Als Ritter tatsächlich im Mittelalter leben würde Oliver Lauterbach nicht gerne. Dennoch ist er fasziniert von dieser Zeit. „Die Menschen haben einfach in den Tag hineingelebt“, beschreibt der Hennhofer. „Bei Sonnenaufgang begann die Arbeit und bei Sonnenuntergang hörte man wieder auf. Man hatte keinen genauen Zeitplan.“ Damals habe die Familie noch eine höheren Stellenwert gehabt, und es gab weder Handys noch Internet. „Das waren harte Zeiten, zu denen die Schwachen nicht überlebt haben.“

Vom siebten bis zum neunten September sind die Herzog-Tassilo-Ritter bei den Mittelalterlichen Markttagen zu Aichach zu sehen.

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