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Diedorf-Anhausen

04.07.2019

Anhauser Bach: Wer ist bei Hochwasser in Gefahr?

Der Hochwasserschutz am Anhauser Bach führte auf der jüngsten Informationsveranstaltung, bei der der Zweckverband Gewässer dritter Ordnung in Anhausen neue Erkenntnisse präsentieren wollte, zu Diskussionen.
Bild: Andreas Lode (Symbol)

Der Zweckverband Gewässer dritter Ordnung präsentiert neue Erkenntnisse. Was Anlieger am Anhauser Bach beschäftigt.

Vor allem Menschen, deren Keller oder Häuser immer wieder unter Wasser stehen, liegt das Thema Hochwasserschutz besonders am Herzen. Das zeigte sich auch auf der Informationsveranstaltung des Zweckverbands Gewässer III. Ordnung im Gasthof Traube in Anhausen. Eigentlich wollen die Verantwortlichen nur die neue Berechnungen des Überschwemmungsgebiets entlang des Anhauser Bachs vorstellen. Doch an dem Abend entstand eine rege Diskussion zum Hochwasserschutz am Anhauser Bach.

Max Weiß vom Ingenieurbüro KOKAI stellte die Ergebnisse der neuen Berechnungen vor. Auch er betont: „Alles was ich ihnen heute zeigen werden, bildet die Basis für weitere Hochwasserschutzmaßnahmen.“ Angefangen kurz vor Reinhardtshofen hat seine Firma den Anhauser Bach bis zur Einmündung in die Schmutter genau unter die Lupe genommen und präsentiert die Ergebnisse anhand von Karten. Die Darstellungen gehen von einem hundertjährigen Hochwasser und einem extrem Hochwasser aus, das der Experte auch als „1000-jähriges“ bezeichnet – dabei wird mit 60 Prozent mehr Wasser gerechnet, als beim hundertjährigen Ereignis.

Hält der große Damm bei Hochwasser stand?

Bei den Weihern kurz nach Burgwalden wird es für Diedorfer und Anhauser Bürger interessant. Anna Röder, die Geschäftsführerin des Zweckverbandes, erklärt die Situation: „Wir hatte immer die Befürchtung, dass der große Damm am Burlafinger Weiher bei einem hundertjährigen Hochwasser bricht oder überspült wird.“ Das Modell gibt jetzt Entwarnung: Das Wasser sucht sich auf den Karten einen Weg an dem Damm vorbei.

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Den Anhauser Bürgern ist besonders wichtig, dass der neue Damm am Engelshofer Bach in den Berechnungen berücksichtigt ist. Wehr und Rückhaltebecken waren nicht unumstritten und sollen den Zulauf über den Bach auf fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde reduzieren. Eine wichtige Maßnahme, denn in Anhausen und Diedorf sind laut Weiß nur alle Gebäude sicher, so lange der Bach nicht mehr als zehn Kubikmeter führt. „Das verschont gerade so die Wohnbebauung“, betont der Experte. Das Problem: Bei einem hundertjährigen Hochwasser nehmen die Berechnungen in Diedorf etwa 30 Kubikmeter pro Sekunde an. Im Raum steht deshalb auch die Frage, ob man den Damm am Engelshofer Bach bei einem Hochwasser nicht komplett schließen könnte, um Anhausen und Diedorf zu entlasten. „Das würde doch wahnsinnig viel ausmachen“, wirft einer der Zuhörer ein. Das sei eine schwierige Entscheidung, so Weiß, sobald das Rückhaltebecken am Engelshofer Bach nämlich voll ist, könnte der Damm brechen oder überspült werden. Das würde die Situation in den beiden Gemeinden nur verschlechtern. Die Karten zeigen, dass Anhausen und Diedorf sowohl von einem hundertjährigen, als auch einem tausendjährigen Ereignis schwer betroffen wären. In Anhausen wären die Sportplätze überflutet. Die meisten Anlieger links und rechts des Baches wären schon von einem hundertjähriges Hochwasser betroffen.

Bahndamm ist eine Art Flaschenhals

Ähnlich stellt sich die Situation in Diedorf dar. Sogar ein extremes Hochwasser würde zwar die Häuser an der Grotte- und Nebelhornstraße verschonen, aber die gesamte Fläche dazwischen überfluten. Je weiter sich der Fluss Richtung Bahndamm windet, desto schlimmer die Auswirkungen eines möglichen Hochwassers. Der Bahndamm sei eine Art „Flaschenhals“, durch den maximal 13 Kubikmeter pro Sekunde fließen könnten, erklärt Max Weiß. Alle Häuser in der Nähe des Gewässers wären also schon von einem hundertjährigen Hochwasser betroffen.

Alles in allem sehen die Verantwortlichen also Handlungsbedarf. Im Anhauser Tal soll auch irgendwann ein neues Rückhaltebecken entstehen. Allerdings betonen sowohl Anna Röder, als auch der Diedorfer Bürgermeister Peter Högg den Zeitaufwand. Högg betont: „Bis im Anhauser Tal ein neues Becken entstehen kann, könnten gut fünf Jahre vergehen.“

Die Gemeinde will das Kartenmaterial für alle Bürger zur Einsicht auch im Internet bereitstellen.

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