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16.01.2009

Der Milchpreis sinkt und sinkt - und die Bauern sind zerstritten

Landkreis Augsburg (ska) - Denkbar schlecht ist die Stimmung bei den Milchbauern im Augsburger Land angesichts zum Teil deutlich unter 30 Cent pro Liter gesunkener Milchpreise - darin sind sich die Spitzen der Kreisverbände des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) einig. Darüber hinaus aber herrscht weiter Eiszeit zwischen den Interessenvertretungen - seit das Landwirtschaftliche Wochenblatt einen Leserbrief des BBV-Kreisobmanns Gerhard Ringler abgedruckt hat. Darin beklagt der Landwirt aus Langerringen mit Blick auf den BDM, dass "realitätsfremde Ideen gepredigt und Feindbilder" gesucht werden würden, um "vom eigenen Misserfolg abzulenken". Gleichzeitig moniert Ringler, dass Teile des BDM dafür Mitverantwortung trügen, dass die Stimmung in der Bauernschaft vergiftet sei. Der Kreisobmann ruft auf, gegen den "Geist der Intoleranz, des primitiven Hasses, des Drucks und der Repression" aufzustehen, der ausgerechnet nach 2008, einem der "besten Milchwirtschaftsjahre" seit langer Zeit, anzutreffen sei. Gegenüber unserer Zeitung betonte Ringler, dass seine Kritik sich keineswegs gegen den BDM-Kreisverband richte, sondern gegen dessen überörtliche Führung.

Gleichwohl hat der BDM-Kreisverband in einem offenen Brief auf den Beitrag Ringlers reagiert. Außer "alten Kamellen" und maßlosen Vorwürfen habe Ringler nichts zu bieten. 2008 seien die Einnahmen zwar tatsächlich gestiegen, aber eben auch die Energiepreise. Der BBV wolle zudem "durch Schuldzuweisungen vom eigenen Versagen in Sachen Milchpolitik ablenken". So habe der BBV das "Versprechen" gegeben, dass die Milchpreise durch eine Bündelung der Angebote über die Milcherzeugergemeinschaft Bayern (MEG) gebündelt würden. Als dann jedoch die Verhandlungen zwischen MEG und Müller-Milch im Frühjahr gescheitert seien, habe es kein Alternativkonzept gegeben - mit dem Ergebnis, dass die "Milchbauern wieder im Regen" standen. Finanzielle Verluste seien die Folge gewesen.

Die augenblickliche Situation malt auch Ringler in düsteren Farben: "Die Milchpreise sind zurzeit hundsmiserabel. Die Frage ist jedoch, ob man mit unrealistischen Forderungen auf Dauer Politik machen kann." Heute sei vielen Milchbauern klar, dass Streik letztlich nicht das richtige Mittel ist, Interessen durchzusetzen. Ringler appelliert an alle Landwirte zusammenzustehen. Die Geschichte habe gezeigt, dass zerstrittene Bauern keine Chance hätten sich durchzusetzen.

Er wolle nicht ausschließen, dass beide Verbände wieder an einen Tisch kommen. Die Initiative müsse aber vom BDM ausgehen. "Schließlich hat dessen Kreisvorsitzender Stefan Mögele gefordert, dass die Milchbauern aus dem BBV austreten sollen." Dies wiederum bestreitet Christian Mögele, Pressesprecher des BDM: "Richtig ist, dass wir die Versäumnisse des BBV in den letzten 40 Jahren aufgezeigt haben."

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Einig sind sich die Verbände in der Ablehnung der in Brüssel beschlossenen schrittweisen Erhöhung der Milchquote. Ihre Sorge: Wenn mehr Milch auf dem Markt ist, könnten die Preise weiter purzeln.

Hoffnung auf Treffen bei der Grünen Woche in Berlin

Christian Mögele erhofft sich Impulse von einem Deutschlandtreffen des Verbandes am 24. Januar am Rande der Grünen Woche in Berlin. Dort solle über eine effektive Strategie gesprochen werden. "Ich glaube, dass sich die Milchviehhalter besser vernetzten müssen, um in einem zweiten Schritt enger mit den Molkereien zusammenzuarbeiten - denn langfristig können beide nur gemeinsam Erfolg haben." Wenn, wie Mögele befürchtet, heuer bundesweit, aber auch in der Region 20 bis 30 Prozent der Milchviehbetriebe auf der Kippe stünden, könne das auch die Molkereien nicht kalt lassen. Gleichzeitig sei der Staat in der Pflicht, in der EU für die Interessen der Landwirte einzutreten.

Erfolge braucht auch der BDM - denn Mögele macht kein Hehl daraus, dass die Stimmung im Verband sehr gedrückt sei. Im Kreis sei die Zahl der Mitglieder von 230 auf nur noch knapp über 200 gesunken.

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