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Ausstellung

19.03.2014

Der Zauber der Transparenz

In der Schwäbischen Galerie im Volkskundemuseum Oberschönenfeld zeigt Florina Coulin noch bis Mitte Mai Bilder in Aquarelltechnik. Dort widmet sich eine Ausstellung diesem „Inbegriff der Hobbykunst“.
Bild: Marcus Merk

Schwäbische Galerie Oberschönenfeld widmet sich dem Aquarell

Zum „Inbegriff der Hobbykunst“ ist die Aquarellmalerei geworden, steht auf der Einführungstafel zur neuen Ausstellung des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld. Genau dieser Maltechnik ist die neue Sonderausstellung in der Schwäbischen Galerie gewidmet.

Dabei ist das Aquarell eine der ältesten Maltechniken überhaupt und wurde von vielen Meistern sehr geschätzt. „Seismografische Schnelligkeit“ bescheinigt ihr der Tafeltext treffend weiter: Allerdings könne kein Pinselstrich nachträglich korrigiert werden. Das macht die Aquarellmalerei so risikoreich – und zu einer der musikalischsten unter den Maltechniken. Die Kontrolle ihrer fließenden Transparenz gerade bei der lavierenden, also der Nass-auf-Nass-Technik und die erfahren-vorausschauende Beherrschung der malenden Hand sind Herausforderungen, die auf dem schmalen Grat zwischen Scheitern und Gelingen Wunderwerke schaffen können.

Die Oberschönenfelder Ausstellung „Aspekte der Aquarellmalerei“ gibt einen Einblick in ihre Möglichkeiten und in das virtuose Aquarellschaffen dreier Künstler der Region. August Hofer, der 1899 in Achtal geboren wurde und 1981 in Zusmarshausen starb, zähmte in früheren Werken wie „Badende und Segelboote“ die ausufernde Neigung der Aquarellfarben durch starke Kontur und deckenden Auftrag.

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In den 50er-Jahren wurde Hofers Malerei zarter und lieblicher, luftiger auch durch die Einbeziehung des Hintergrundweiß: Seine Ansichten auf den Gardasee etwa bezaubern durch lichte Komposition, den Einklang von Natur und Menschenhand, durch farbliche Transparenz und Zwischentöne. Hofer legte seinen Aquarellen meist Zeichnungen zugrunde – wie Hanns Weidner, der 1906 in Augsburg geboren wurde und ebenfalls 1981 in München starb. Die sanften Wellenlinien im Aquarell „Lopoud (Kloster)“, die durchscheinenden freien Stellen in der Klostermauer und die meisterliche, auf Ocker und Blaugrün reduziert scheinende, aber sehr nuancenreiche Kolorierung zeigen eine vollkommen harmonische Idylle. Auch die Syltlandschaften mit ihrer Farbpracht oder die „Sandkuhle“ komponieren virtuos mit Farbe und Hintergrund, erschaffen Landschaften von so bezaubernder wie transparenter Plastizität.

Florina Coulin geht andere Wege. Die 1947 in Rumänien geborene Künstlerin, die ab 1979 in Schmiechen wohnte und seit 1985 in Augsburg lebt, beschäftigt sich nun seit mehr als 30 Jahren mit der Aquarelltechnik. Seit Mitte der 1990er-Jahre konzentriert sie sich „auf geometrische Formen in einer lasierenden Aquarelltechnik“, erläutert der Tafeltext: In bis zu 15 Arbeitsgängen werde „Schicht für Schicht“ aufgetragen. Die vom Gegenstand losgelösten Motive seien nicht abstrakt, nicht gegenständlich, eher symbolisch, „Fenstern“ gleich: Meditativ wirken die aufschlussreich betitelten „Lichtfenster“, eine Serie von Gelbtönen in Quaderschichten, astrologisch wirkungsvoll die Serie über Mond und Sonne.

Trotz der Reduktion auf Form durch ebenso wirkungsvoll reduzierte Farbgebung erklären sich Bild und Titel, denn Florina Coulin, so scheint es dem dankbaren Betrachter, will Begreifliches formen, ausdrücken. Ihre Kunstwerke lösen Gefühle und Gedanken aus, laden zur Versenkung und Mediation ein, drücken Philosophien aus und Religiosität oder bilden Aspekte der Landschaften ab. Sehr sphärisch etwa die Allgäuer Winter- und Frühlingsbilder, die gekonnt den irrlichternd schemenhaften Zauber, den Duktus der Gegend einfangen.

Den Blick auf das Wesentliche richten ihre „Gesichter“, die lupenhafte, fokussierende Betrachtung berühmter gemalter Antlitze: Der „Engel nach Leonardo da Vinci“ strahlt buchstäblich von innen heraus, nur Augen, Nase und Mund sind milde konturiert. Meisterlich trifft Florina Coulin den Gesichtsausdruck, das Mona-Lisa-Lächeln Annas in „Anna selbdritt“, jugendlich-barockrund van Eycks „Eva“. Summa summarum lässt die Bandbreite und Virtuosität dieser Aquarellausstellung staunen, ihr Besuch bereichert.

ist die Ausstellung im Volkskundemuseum bis zum Sonntag, 11. Mai, jeweils von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

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