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Gericht

18.01.2019

Ehepaar gesteht mehr als 50 Betrugsfälle

Das Duo betrieb ein Geschäft im nördlichen Landkreis und behielt 55000 Euro, die für ein Möbelhaus bestimmt waren

Knapp an einer Gefängnisstrafe vorbeigeschrammt ist ein Ehepaar aus dem Landkreis, das vor dem Augsburger Amtsgericht über 50 Betrugsfälle gestanden hatte. Die beiden betrieben im nördlichen Landkreis eine Firma zur Auslieferung und zum Aufbau von Möbeln. In zwei Wochen im Jahr 2014 behielten sie unrechtmäßig Kundengelder in Höhe von knapp 55000 Euro für sich. Außerdem wurde ein geleaster Lieferwagen im Wert von über 33000 Euro einfach weiterverkauft.

„Wir waren maßlos überfordert“, so das Resümee der 38-jährigen, gelernten Altenpflegerin, die vor allem Büroarbeiten erledigt hatte, über den ruinösen Ausflug des Ehepaars in die Selbstständigkeit. Seit 2015 läuft das Insolvenzverfahren der gemeinsamen Firma.

Um an Einnahmen zu kommen, hatten die beiden Unternehmer sich einer großen Möbelfirma als Sub-unternehmer angetragen. Mit Erfolg – aus ihrer Sicht. Alsbald waren die Modalitäten abgeklärt: Abholen der Möbel im Lager, Ausliefern an die Kunden (vorwiegend im Raum München), gegebenenfalls Aufbauen der Möbel, Entgegennehmen des noch ausstehenden Restgeldes beim Kunden und Ablieferung dieses Geldes bei der Möbelfirma.

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Aber gerade beim letzten Punkt setzte es aus. Innerhalb von zwei Wochen im Herbst 2014 hatten die Angeklagten 51 Lieferungen entgegengenommen. Die Aufträge wurden anfangs mit den fünf Mitarbeitern erledigt – das eingenommene Geld der Möbelkäufer aber nicht an die Möbelfirma abgegeben. Vielmehr blieben insgesamt knapp 55000 Euro bei den Angeklagten – die Einzelbeträge lagen zwischen 300 und 3500 Euro. Nach zwei Wochen stoppte das geschädigte Möbelhaus die Zusammenarbeit und erstattete Anzeige.

Nach einer verfahrensbeschleunigenden Absprache, einem sogenannten Deal, gestanden die Beschuldigten diesen wie die weiteren Anklagepunkte. Zwei weitere Prozesstermine konnte das Gericht somit absetzen. Die geladenen Zeugen wurden dennoch angehört. So schilderte ein Mitarbeiter des Möbellieferdienstes, dass er verwundert war über den damals aus seiner Sicht großzügigen Lebenswandel des angeklagten Ehepaares mit luxuriösem Auto und teuren Handys.

Staatsanwältin Andrea Hobert forderte, die beiden Angeklagten zu jeweils zwei Jahren Haft zu verurteilen, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Die Verteidiger Natalia Petrunyak und Felix Dimpfl plädierten für eine milde Strafe. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Michale verurteilte die beiden Angeklagten zu Gesamtfreiheitsstrafen von zwei Jahren. Sie waren aus Einzelstrafen für die diversen Straftaten gebildet worden. So muss der 43-jährige Schreiner über 34000 Euro Wertersatz leisten und 240 Stunden Sozialdienst leisten, während seine Frau 120 Stunden ableisten soll. Dass die Haftstrafe gerade noch zur Bewährung ausgesetzt wurde, begründete Richter Michale mit der „überlangen Verfahrensdauer“ von mehr als vier Jahren. Hier hätten die Behörden nicht so zügig wie gewünscht gearbeitet, und das „Damoklesschwert einer Gefängnisstrafe“ habe unverhältnismäßig lange über den Angeklagten geschwebt.

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