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Blasmusik

13.09.2017

Ein Orchester, das Gemeinschaft stiftet

Die Musiker des Bezirksjugendorchesters und ihr musikalischer Leiter Philipp Kufner.
Bild: Karen Luible

Das Bezirksjugendorchester probt eine Woche lang in Violau und gibt dann in Horgau ein umjubeltes Konzert

Wenn sich Mitglieder verschiedener Vereine einer Gattung treffen, dann meist, um einen Wettbewerb auszutragen. So ist es jedenfalls im Sport und oft auch bei Musikern. Angela Ehinger, die Vorsitzende des Bezirks 15 im Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM), und Jugendleiter Manfred Wagner verfolgen mit dem Bezirksjugendorchester (BZJO) jedoch eine völlig andere Philosophie: Sie stiften Gemeinschaft und Freundschaften über Vereinsgrenzen hinweg. Etwa 80 junge Musiker aus 25 Vereinen trafen sich nun für eine Woche in Violau, um miteinander ein anspruchsvolles Konzertprogramm zu erarbeiten. Dazu hatten sich auch Fachdozenten gezielt der einzelnen Register angenommen. Unter der musikalischen Leitung von Philipp Kufner wurde das Ergebnis nun in der Rothtalhalle in Horgau einem großen und aufmerksamen Publikum vorgestellt.

Ein anderes Ensemble, das aus der Zusammenarbeit verschiedener Vereine hervorgegangen war, eröffnete den Abend mit dem „Feierlichen Einzug der Ritter des Johanniterordens“ von Richard Strauß: Es spielten elf Waldhörner, von Markus Meyr-Lischka geleitet. Dabei wurde die Sensibilität dieses Instrumentes spürbar, das gerade bei leisen Stellen und in exponierten Lagen feinste Abstimmung erfordert. Auch der zweite Teil des Abends begann mit diesem Ensemble.

Die Hauptakteure des Abends waren jedoch die Musiker des großen Orchesters. In einer langen Prozession betraten sie in ihren verschiedenen Vereinstrachten mit funkelnden Instrumenten die Bühne. „Einfach Batsch!“, zitierte die Moderatorin Josefin Schöffel den Dirigenten und gab treffend den Charakter von „Godspeed“ (Stephen Mellilo) wieder. Das Höchststufenstück beginnt mit Paukenwirbel und vollem Klang. Glockenschläge läuten den lyrischen Teil ein, mysteriöse Klänge von Oboe und Marimbaphon werden wieder von prägnanten Trompetensignalen im Dialog mit tiefem Blech zu einem triumphalen Schluss geführt.

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Nach diesem atemberaubenden Auftritt sollte es ruhiger werden. „Amazing Grace“ (Frank Ticheli) fordert die einzelnen Register auf, sich in den Gesamtklang einzureihen. Diese Transparenz zeigte deutlich die Sicherheit und Stärke der einzelnen Register in Intonation und Präzision. „Variations on a Korean Folk Song“ zählt nach den Worten Philipp Kufners zu den 20 wichtigsten Stücken symphonischer Blasmusik. In asiatischer Pentatonik beginnen die Klarinetten und bereiten den Boden für das Orchester. Die fünf kurzweiligen Variationen verarbeiten das Thema zu getragenen wie auch zu rasanten Stücken bis hin zum Marsch. Dabei werden die flinken Finger der Holzbläser ebenso gefordert wie die flinken Zungen des Blechs. Die Schlagwerker haben buchstäblich alle Hände voll zu tun und meistern gerade im letzten Satz die Herausforderungen brillant.

Nicht weniger charakteristisch zeigt sich ungarische Volksmusik. „Puszta – vier Zigeunertänze“ (Jan van der Roost) vermittelt Leichtigkeit und Gefühl. Zum Rhythmus des Tamburins tauchen vor dem inneren Auge des Zuhörers rote Lederstiefel, bunte Bänder und fliegende Röcke auf. Oboenklänge richten den Blick in die Weite. Nach filigranen Tönen entfaltet der Klangkörper seine Kraft und gipfelt in einem fulminanten Schlussakkord. Wie sehr anspruchsvolle Blasmusik das Publikum fesseln kann, bewies auch das Medley der Melodien aus dem Film „Die Schöne und das Biest“ (Alan Menken/Toshio Mashima). Die populären Melodien machten den Musikern ebenso viel Vergnügen wie dem Publikum. Zur großen Freude der Zuhörer stand noch ein Marsch auf dem Programm: „Regimentskinder“ von Julius Fucik. Mit vollem Einsatz arbeitete Philipp Kufner auch hier dynamische Differenzierungen heraus und schaffte so ein Hörerlebnis jenseits des üblichen Klischees.

Zum Ende des Abends übernahm noch Bezirksdirigent Gerhard Kratzer den Taktstock. „Serenade“, ursprünglich für Orgel geschrieben, forderte noch einmal das rhythmische Gefühl der Musiker, wenn der Takt wechselt und sich zu dem stabilen, klangmächtigen Bassfundament das übrige Orchester gesellt. Am Ende des Abends war das Publikum restlos begeistert von den jungen Musikern und freute sich sicherlich auf den nächsten Auftritt des Orchesters im September 2018.

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