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Gersthofen

02.07.2020

Ein Paradies für Tiere und Pflanzen

Horst Kaisers Herz schlägt für den Branntweinbach. Akribisch beobachtet er dort Tier- und Pflanzenwelt.
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Horst Kaisers Herz schlägt für den Branntweinbach. Akribisch beobachtet er dort Tier- und Pflanzenwelt.
Bild: Foto: Siegfried P. Rupprecht

 Der Branntweinbach in den Lechauen war  ausgetrocknet. Warum sich durch eine   Bachpatenschaft  wertvolle Feuchtlebensräume entwickelt haben

Die Zweige der Kopfweiden waren einst sehr begehrt. Sie fanden Verwendung in der Korbflechterei, im Haus- und Böschungsbau und als Viehfutter. Heute sind die knorrigen Kopfweiden kaum mehr anzutreffen. Am Branntweinbach in den Lechauen sind sie aber noch zu sehen. Möglich macht dies eine Bachpatenschaft. Eng verbunden mit diesen Pflegemaßnahmen ist Horst Kaiser.

Der ehemalige Lehrer an der Gersthofer Pestalozzi-Grundschule weiß über den Branntweinbach viel zu erzählen. Nicht nur von der Bachpatenschaft, sondern auch wie dort Kopfweiden angesiedelt und das ausgetrocknete Bächlein wiederbelebt wurden. Sein Interesse und Engagement kommen nicht von ungefähr. Horst Kaiser ist bekennender und zudem aktiver Naturschützer. Auch während seiner Berufstätigkeit lag es ihm am Herzen, seinen Schülern die Natur näherzubringen. „Ich wollte damit die Identität der Kinder und Jugendlichen zu ihrer Landschaft stärken und gleichzeitig den Zusammenhang zwischen der Nutzung einer Landschaft und deren Bedeutung für den Biotop- und Artenschutz ins Bewusstsein rücken“, verdeutlicht er.

Schüler pflanzten am Branntweinbach Kopfweiden an

Aus diesem Bestreben heraus entwickelte sich die Bachpatenschaft am Branntweinbach. Es begann 2002 mit einem von Horst Kaiser entwickelten Umweltschutzprojekt. Darin pflanzten Schüler der Pestalozzischule am renaturierten Branntweinbach zusammen mit dem Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg Kopfweiden an. „Wir wollten damit die Grenzen zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen markieren und die uferbegleitenden Gehölzstrukturen aufwerten“, erinnert Kaiser. Etliche Jahre übernahm die Schule für die Kopfweiden auch die Patenschaft.

Darüber hinaus setzten die Schüler Wasserpflanzen ein und legten Flachwasserzonen an. Auch Steckhölzer kamen zum Einsatz, um Bäume und Sträucher zu vermehren. „Von Anfang an war unser Ziel, dort zusätzliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen“, blickt Kaiser zurück. Noch heute weist eine Tafel im Uferbereich auf diese Aktivitäten hin.

Wasser wurde von einem Lech-Seitenkanal in das Gersthofer Bachbett geleitet

Dabei sei es Glück gewesen, dass es den Branntweinbach in dieser Weise überhaupt gibt. „Vor vielen Jahrzehnten ist das Gewässer ausgetrocknet“, erzählt Kaiser. Einige Bereiche des Bachbetts seien für landwirtschaftliche Nutzung verfüllt oder eingeebnet worden. Schließlich trat der Landschaftspflegeverband auf den Plan. Sein Ziel: die Wiederbewässerung eines rund 1,2 Kilometer langen Teilstücks des noch erhaltenen Bachlaufs. Dazu wurde vom neuen Quelltopf, der 1996 durch ein Rohr aus dem Lech-Seitenkanal geschaffen worden war, ein circa 500 Meter langer Überleiter gebaut und Wasser ins Bett des Branntweinbachs geleitet.

„Durch die Wiederbewässerung entwickelten sich wertvolle Feuchtlebensräume“, informiert Kaiser. „Erdkröten, Grasfrösche, Fische und Libellen siedelten sich im Laufe der Zeit ebenso an wie Reiher, Wildenten, Kuckuck und Waldohreulen.“ Selbst Lederlaufkäfer, eine der größten Laufkäferarten Mitteleuropas, fanden dort ein Domizil. Bestes Beispiel für die Integrierung in den neuen Lebensraum seien die Biber, die sich dort ein Zuhause eingerichtet haben, meint der Naturschützer. Durch deren Anwesenheit sei die Population der Amphibien rasant angestiegen. Darüber hinaus wurden die auentypischen Pflanzen von Horst Kaiser durch selbst gezogene Stieleichen, einen Vogelbeerbaum und einer Schwarzerle ergänzt. Um das Annagen von Bäumen durch die Biber zu verhindern, seien Stämme mit Drahtgeflecht ummantelt worden, berichtet der Naturschützer.

Weiden brauchen jährlichen „Kopfschnitt“

2008 nahm Kaiser Kontakt zum Rotary Club Gersthofen auf und stellte dort sein Projekt der Bachpatenschaft vor. Bereits im Jahr darauf erfolgte von Clubmitgliedern der erste Schnitt, der sogenannte „Kopfschnitt“, durch den die Weiden ihre buschige Wuchsform erhalten. Heute habe die Aktion der Rotarier bereits Tradition, informiert Kaiser. „Sie erfolgt jedes Jahr im Frühjahr.“ Der Naturschützer erklärt auch, warum die alten Kopfweiden für die Natur so wichtig sind: „Sie weisen viel Totholz auf, Baumhöhlen und -spalten.“ Diese Merkmale seien für zahlreiche holzbewohnende Insekten und Höhlenbewohner wie Fledermäuse und Spechte von Wichtigkeit.

Besonders freut es Kaiser, dass es seit knapp drei Jahren mehr als bisher am Bachlauf brummt und schwirrt. „Teilweise durch die Flurbereinigung und neue Feldwegführungen sind an Teilen der Ufer Pufferstreifen entstanden“, verdeutlicht Kaiser. „In diesem Grün finden zusätzlich Insekten wie Käfer und Wildbienen, Kleinsäuger, Amphibien und Vögel Nahrung und auch Schutz.“ Der Branntweinbach sei sein Herzblut, gesteht Horst Kaiser. Jede Woche komme er mindesten drei Mal her. Dabei beobachtet er akribisch Fauna und Flora, um persönlich zum Erhalt dieses Stücks Paradies beizutragen.

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