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Altenmünster-Zusamzell

18.08.2016

Eine Ersatzmama für die Buntspechte

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3 Bilder
Weil die Eltern nicht mehr da waren, hat Brigitte Binswanger in Zusamzell vier junge Buntspechte mit der Pinzette gefüttert.
Bild: Brigitte Binswanger

Brigitte Binswanger hat in Zusamzell drei Jungvögel gerettet und aufgepäppelt. Eine Expertin erklärt, wie man mit Küken umgehen sollte.

Die kleinen Spechte in dem alten Kirschbaum schrien jämmerlich, deshalb hat Brigitte Binswanger aus Zusamzell beschlossen, ihre Ersatzmama zu werden. Eine Woche lang kletterte die 65-Jährige viermal täglich auf den Baum und fütterte sie die kleinen Vögel – und es gab ein gutes Ende.

Binswangers Garten ist groß und liegt nahe am Wald. „Das ganze Jahr über besuchen uns viele Vögel“, erzählt sie. Im Frühjahr war dann die Freude groß: Die 65-Jährige beobachtete, wie sich ein Buntspecht mit seiner Partnerin in Nachbars Kirschbaum eine Bruthöhle baute. Vier Wochen lang zimmerte das Paar mehrere Stunden täglich an seinem neuen Heim. Die folgenden Wochen waren spannend – schließlich hörten sie ein lautes „gigigigi“, erzählt Binswanger: Die Jungen waren geschlüpft.

Doch wenig später dann der Schreck: „Als wir von der Kirche kamen, lag der Herr Specht tot in unserem Garten.“ Wer war der Täter? Ein Sperber, der Habicht oder eine Katze? Eins weiß Binswanger: „Unser Kater Buffi kam als Täter nicht in Frage, da er zu besagter Zeit im Haus schlief.“ Das Spechtweibchen war schon seit dem dritten Tag nach der Geburt verschwunden, das Männchen fortan alleinerziehend – nun waren die Jungen also allein. „Die haben so geschrien, da habe ich beschlossen, mich als Ersatzmama anzubieten“, sagt Binswanger. „Sonst wären sie jämmerlich verhungert.“

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Also informierte sie sich im Internet, was die kleinen Vögel fressen. Jeden Morgen sammelte sie im Garten Regewürmer und schnitt sie in mundgerechte Stücke. Im Zoogeschäft kaufte sie getrocknete Insekten, Mehlwürmer und eine lange Pinzette. Eine Woche lang kletterte Brigitte Binswanger – trotz ihrer Höhenangst – viermal täglich die Leiter hoch, um ihre vier hungrigen Kinder im Kirschbaum zu füttern. Wasser aus der Pipette wollten die Spechte aber nicht, da blieb der Schnabel zu. Doch die Ersatzmama überlegte sich einen Trick: Als Flüssigkeitslieferant gab es zweimal am Tag kleine Erdbeerstückchen – ein richtiges Leckerli.

Schließlich zwängte sich ein Jungvogel aus der Höhle. „Aber er hat gezittert und gebibbert und flatterte aufgeregt“, erzählt Binswanger. Ihre Befürchtung: „Lasse ich ihn sitzen, wird er Beute von Katzen, frechen Krähen oder dem Sperber“. Also rief sie bei der Aufzuchtstation des Augsburger Zoos an und fragte um Rat – sie durfte die Vögel vorbeibringen. Sie packte die kleinen Spechte in eine Schachtel und ihr Mann Helmut brachte sie in den Zoo.

Einmal hat Binswanger ihre Spechte dort schon besucht. „Es sind gesunde und kräftige Jungs geworden“, erzählt sie stolz. Ganz glücklich ist die Geschichte allerdings nicht ausgegangen: Als sie den vierten Jungvogel weiter füttern wollte, blieb er verschwunden.

Zoo-Chefin Dr. Barbara Jantschke weiß, wie es den drei Zusamzeller Buntspechten weiter ergangen ist. „Wir haben erst überlegt, ob wir sie in unserer begehbaren Voliere unterbringen. Aber dann waren sie so weit, dass wir sie wieder in die Natur entlassen können.“ Die drei Vögel seien mittlerweile ausgewildert.

Wie soll man mit kleinen Vögeln umgehen, die scheinbar auf sich allein gestellt sind? „Am besten lassen“, sagt Jantschke. Gerade bei den Eulen gebe es „Ästlinge“, die scheinbar vereinsamt auf dem Ast sitzen. „Aber die Mutter versorgt sie dann abends“, erklärt sie. Ähnlich sei es bei Amseln, die schon früh auf dem Boden herum springen, aber trotzdem noch von den Eltern versorgt werden. Der Tipp der Zoo-Chefin: „Lieber nichts machen als zu schnell oder falsch eingreifen.“

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