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Heretsried

04.05.2018

Eine Häuserchronik als Liebeserklärung an die Heimat

Viel Zeit hat Sebastian Bernhard investiert und so einen detaillierten Einblick zur Entstehung und Entwicklungen der Häuser geschaffen.
Bild: Michaela Krämer

Sebastian Bernhard hat jahrelang in Archiven gestöbert, mit Dorfbewohnern gesprochen und so manch Kurioses entdeckt.

Der Stammbaum seiner Großmutter hat bei Sebastian Bernhard das Interesse und die Neugier an der Ahnenforschung geweckt. Daraus ist nun eine Häuserchronik mit fast 500 Seiten entstanden, die viel aus fast 400 Jahren Heretsried erzählt. Motivation erhielt Bernhard vom damaligen Bürgermeister Helmut Schuster, von dem er eine sogenannte Beauftragung erhalten hatte, um in alle Matrikelbücher Einsicht zu nehmen, die im Diözesanarchiv zugänglich sind. Nicht immer sind die damaligen Ortspfarrer allerdings ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen, was die Lesbarkeit und Vollständigkeit betrifft. „So sind Lücken entstanden, die nachträglich nicht zu schließen sind“, erklärt Bernhard.

Seit 2008 verbrachte der Autor mit detektivischem Spürsinn Stunden um Stunden in Archiven. „Zuletzt kamen sechs Stunden am Tag zusammen“, erzählt er. Aufgeben kam für ihn nicht in Frage, auch wenn er manchmal an seine Grenzen stieß. In vielen Jahren zeitintensiver Arbeit ist ein Werk von 480 Seiten mit 400 Bildern entstanden. Die Aufzeichnungen beginnen um das Jahr 1636.

In seinem Buch beschäftigt sich der Autor mit solchen Fragen: Welche Familien haben auf welchem Hof gelebt? Wie haben sich Landwirtschaft und Handwerk entwickelt? Welche Bedeutung haben die Hausnamen? Noch heute verwenden Bewohner des Ortes Namen wie „Thomabauer“ oder „Zingaschuster“. Es ist ein Nachschlagewerk auch darüber, welche Gebäude es im Gemeindegebiet gab und gibt, wem sie gehörten und gehören, welche Hausnamen sie hatten. Der Leser soll Auskunft erhalten, an wen die Hofstelle vererbt oder verkauft wurde, erklärt Bernhard.

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Als der Heretsrieder Bär die Umgebung unsicher machte

Wenig oder gar nicht bekannte Details und Anekdoten sind in der Chronik enthalten, die dieses Buch umso lesenswerter machen. Schließlich kennt nicht jeder Bewohner die Historie seiner Gemeinde. Wem ist zum Beispiel bekannt, dass es 1784 das erste Findelkind gab? Dass der Pfarrer von 1856 bis 1869 zehn Haushälterinnen hatte? Und dass 1858 eine Frau nach Amerika ausgewandert ist, nachdem ihre beiden Kinder gestorben waren? Und wer weiß, dass es zwischen zwei Männern zu einer Schlägerei und Messerstecherei gekommen war, nur weil einer den anderen als „Schelm“ bezeichnet hatte? Auch Bemerkenswertes wie der „Heretsrieder Bär“, der 1929 die Umgebung unsicher machte, darf in der Chronik nicht fehlen.

Die ausführliche Häuserchronik beinhaltet neben der Geschichte Heretsrieds, Landkarten und Plänem, Besitzerlisten, Gutshofbeschreibungen und Herrschaftsvertretungen auch viele Informationen über Kirche, Vereine und das ortsansässige Handwerk.

Das Buch wird am 9. Mai präsentiert und verkauft

Große Hilfe hat Sebastian Bernhard in den vergangenen Jahren von Dorfbewohnern bekommen, die bereitwillig ihre alten Fotos zur Verfügung gestellt und mit persönlichen Darstellungen ergänzt haben. Einen großen Dank richtet er an seine Frau Marlies, die viel Zeit beim Korrekturlesen des Manuskripts verbracht hat.

Am Mittwoch, 9. Mai, um 19.30 Uhr wird die Häuserchronik im Sportheim Heretsried vorgestellt. Dort kann man das Buch auch für 35 Euro kaufen.

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