Newsticker
Notfallzulassung für Impfstoff von Johnson & Johnson in den USA
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Eine zweite Natur, die beängstigt

Ausstellung

30.01.2019

Eine zweite Natur, die beängstigt

Bei längerer Betrachtung öffnen die Objekte buchstäblich ihr Innenleben.
3 Bilder
Bei längerer Betrachtung öffnen die Objekte buchstäblich ihr Innenleben.

Landkreis Augsburg würdigt die Kunstpreisträgerin 2018, Keiyona C. Stumpf, mit einer vielschichtigen Schau in Oberschönenfeld

Altbekannte Kunst- und Naturformen sind in den Arbeiten von Keiyona C. Stumpf präsent. Für ihre Keramiken und Raumobjekte erhielt die junge Künstlerin im Jahr 2018 den Kunstpreis des Landkreises Augsburg in der Kategorie „Bildende Künste dreidimensional“. In der Schwäbischen Galerie Oberschönenfeld sind nun anlässlich der Auszeichnung Arbeiten in der Ausstellung „Second nature“ zu sehen.

Keiyona C. Stumpfs Rauminstallationen aus Plastikfolien und Papier erinnern mit ihrem zerknitterten Faltenwurf, mit ihren Formen an Werke spätgotischer Meister. Wie vor allem die der Ausstellung den Namen gebende Installation „second nature“ im Erdgeschoss der schwäbischen Galerie zeigt, haben die Arbeiten der Kunstpreisträgerin auch immer ein zweites Leben (second nature), das oftmals auch etwas Bedrohliches, Beängstigendes haben kann. Das große Gebilde aus Kunststofffolie und Papier wuchert buchstäblich über den Boden des Ausstellungsraums, als ob es die Betrachter ebenfalls überwölben und schlucken möchte.

Diese „Wucherungen“ in sehr üppiger Formensprache, die an Stuck- oder Porzellangestaltungen aus der Barockzeit erinnern, überträgt Keiyona C. Stumpf auch auf ihre Keramiken. Immer wieder finden sich in der Ausstellung in Oberschönenfeld Oberkörper-Torsi, die allerdings zunächst an Panzer prachtvoller Uniformen erinnern. Erst bei längerer Betrachtung öffnen die Objekte buchstäblich ihr Innenleben – Rippenstrukturen wie bei einem Brustkorb werden sichtbar, ein gewisses Gruseln stellt sich ein – es schlummert mehr als die dekorative Oberfläche in den Arbeiten. So hat beispielsweise „bosom buddy I“ die Anmutung eines Gerippes. Kunst geht hier, in mehrfachem Sinne, „unter die Haut“.

Die Wirkung dieser vorwiegend in symmetrischen Strukturen angelegten Keramiken ist um so beeindruckender, als die Künstlerin auch die Farbgebung des klassischen Barockporzellans mit zarten Rot- und Blautönen verwendet, wie sie auch aus den Manufakturen in Meißen oder Nymphenburg bekannt sind. Und die scheinbare Symmetrie löst sich bei naher Betrachtung wieder auf, da die Details der Objekte bewusst gearbeitet sind, aber keinesfalls spiegelverkehrt deckungsgleich. Wie Farbe, die sich durch die Drehung einer Zentrifuge über ein Blatt Papier verteilt, dehnen sich in der Serie „sphere“ die Muster auf quadratischen, matten Glasflächen aus.

Dazwischen findet sich eine hohe Krone aus Kunststoff, die ebenfalls üppige Formen bildet. Auch sie ergreift den Raum wie eine Seemeduse oder Qualle mit einer gefährlich verführerischen Schönheit.

Den „Übergang“ von der Realität zum Kunstwerk und zum Porzellan hält das gleichnamige, großformatige Foto fest, auf dem sich die Künstlerin selbst bei der Arbeit festgehalten hat.

Auch wenn Keiyona C. Stumpf mit der Keramik ein eigentlich festes, statisches Medium gestaltet, scheinen ihre Arbeiten von einer inneren Dynamik getrieben.

„Second nature“, Schwäbische Galerie Oberschönenfeld, bis zum Sonntag, 10. März, jeweils Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Am Sonntag, 10. März, ab 15 Uhr erläutert Landkreis-Kunstpreisträgerin Keiyona C. Stumpf im Künstlergespräch mit Liv Reinacher ihre Arbeiten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren