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Augsburg/Steppach

04.09.2015

Erinnerung an den Eisernen Kanzler

Bei der Einweihung der „Bismarck-Gedenksäule“ am 3. September 1905 war ein Fotograf mit seiner Plattenkamera im Einsatz.
Bild: Foto: Sammlung Häußler

Am 3. September 1905 wurde der Bismarckturm eingeweiht. Heute ist er ein beliebter Aussichtspunkt.

Der Bismarckturm ist ein gern besuchter Aussichtspunkt. Die Sicht reicht weit über die Wertach- und die Lechebene. Augsburgs Silhouette bildet den Horizont. Von dem hohen Standort aus sollte das Feuer weithin sichtbar sein, das aus der Flammenschale auf dem Turm in den nächtlichen Himmel loderte. Das war einer der Gründe, warum der 529 Meter über Normalnull aufragende Geländesporn über Steppach für eine „Bismarck-Gedenksäule“ ausgewählt wurde.

Am 20. März 1890 war Fürst Otto von Bismarck von Kaiser Wilhelm II. als Reichskanzler in den Ruhestand versetzt worden. Wenige Tage später trug die Stadt Augsburg dem Gründer des Deutschen Reiches die Ehrenbürgerwürde an. Bismarck nahm diese Ehre an. Als der „Eiserne Kanzler“ dann am 26. Juni 1892 Augsburg mit einem Kurzbesuch beehrte, schlugen ihm Wogen der Begeisterung entgegen. Die Verehrung steigerte sich nach seinem Tod 1898 noch. Im Deutschen Reich begann bald der Bau von „Bismarck-Gedenksäulen“. Diese Bauwelle schwappte vom Norden des Kaiserreichs nach Bayern über. Sogar am Starnberger See wurde ein Bismarckturm errichtet. Insgesamt wurden im Bereich der heutigen Bundesrepublik Deutschland 184 gebaut. Davon sind 146 erhalten. Auch in der Schwaben-Metropole bildete sich ein „Comité für die Errichtung der Bismarck-Säule bei Augsburg“. Dessen vordringlichste Aufgabe bestand im Spendensammeln. Zu diesem Zweck gab es Aufrufe, Veranstaltungen und eine Postkartenserie. Auf den gezeichneten Karten ist der Turm bereits 1901 etwa in der später ausgeführten Form abgebildet. Man hatte sich dabei am vielfach verwendeten Einheitsplan des Architekten Heinrich Wilhelm Kreis orientiert. Daran wird auf einer Inschriftplatte am Turm erinnert.

1901 war so viel Geld im Spendentopf, dass es zum Grunderwerb auf einer Anhöhe bei Steppach ausreichte. Am 4. August 1901 (auf der Tafel steht falsch 4. Juli) fand die feierliche Grundsteinlegung für Schwabens einzigen Bismarckturm statt. Drei Sonderzüge brachten die Augsburger bis Westheim.

Männerchöre und eine Militärkapelle waren dabei, Fahnen von Krieger-, Gesang- und Turnvereinen bildeten den bunten Rahmen, als Augsburgs Zweiter Bürgermeister Franz Gentner die Grundsteinlegung vornahm. Er versenkte einen Eichenzweig aus dem Sachsenwald in die Erde. Sein Wunsch, „diese Säule soll ein Gedenk- und Markstein an sein unvergängliches Wirken sein“, ist Gentner auf der Gedenktafel zitiert. Es dauerte vier Jahre, ehe der 20 Meter hohe Bau aus Uracher Tuffstein fertig war. Auf quadratischem Grundriss erheben sich über einem gequaderten Unterbau vier mächtige Halbsäulen. Auf diesen scheint der auskragende Oberbau mit gerundeten Ecken zu ruhen. Darauf sitzt der sich in Stufen verjüngende Aufbau. Aus einer Flammenschale loderte erstmals bei der Einweihung heute vor 110 Jahren, am 3. September 1905, ein gewaltiges Feuer.

Bereits 1905 hatte das „Turmbau-Comité“ das fertige Bauwerk der Stadt Augsburg übereignet. Es war damit die weitere Verantwortung für den Bau los. Die Bismarck-Verehrung verblasste zusehends, und die Kommune zeigte wenig Neigung, Geld für den Bauunterhalt auszugeben.

Während des Zweiten Weltkriegs diente der Bismarckturm als Luftraumbeobachtungs- und Flakturm. Nach 1945 kam ihm keine Beachtung mehr zu. Nicht mal die Denkmalschutzbehörde hielt den Bismarckturm für schützenswert. Lediglich als „Landmarke“ oder „gestaltete Anhöhe“ war er in Landkarten eingezeichnet. Seit 1979 kümmert sich der „Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete für die Region Augsburg (EVA)“ um den Turm über Steppach. Als Aussichtspunkt am Wander- und Radwegenetz ließ er ihn wieder besteigbar herrichten. Rund 280000 Mark steckte der EVA zwischen 1981 und 1983 in die Sanierung. 2003 wurden nochmals 60000 Euro aus Vereinsmitteln investiert. Der Aussichtsturm ist im Sommerhalbjahr von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

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