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Stadtbergen

29.05.2019

Exerzitienhaus in Leitershofen: Die letzte Schwester verabschiedet sich

Schwester Regina (vierte von links) lebte und wirkte 47 Jahre im Exerzitienhaus in Leitershofen. Mit ihrem Abschied geht nach 55 Jahren die Ära der Ordensfrauen im Besinnungshaus zu Ende. Auch Schwester Jana (zweite von links) und Schwester Katarina (zweite von rechts) prägten das Leben dort mit.
Bild: Ingrid Strohmayr

55 Jahre lang haben Ordensfrauen das Leben im Exerzitienhaus in Leitershofen geprägt. Mit Schwester Regina verlässt die letzte Glaubensschwester das Haus.

Auf der Telefonliste für Notfälle steht immer noch die Nummer der Schwesternwohnung. Doch diese steht jetzt leer. Mit dem Abschied von Schwester Regina ging die 55-jährige Ära der Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Leitershofen zu Ende.

Seit 1964 wirkte die Gemeinschaft der Schwestern im Exerzitienhaus, das in den Jahren 1961 bis 1963 vom Augsburger Architekten Thomas Wechs erbaut und um die Jahrtausendwende erweitert und 2015 generalsaniert wurde. „Wir blicken mit Dankbarkeit auf das Leben und Wirken der Schwestern zurück“, sagten Norbert Streit und Thomas Schuster vom Exerzitienhaus bei der Verabschiedung.

Menschen finden neue Kraft und Stille

In Leitershofen schufen die Ordensschwestern die Voraussetzungen für die geistig-religiöse Besinnung. Mit ihrer Hilfe fanden Menschen Stille und neue Kraft. Denn die Schwestern waren an verschiedensten Stellen im Exerzitienhaus im Einsatz. Sie übernahmen Aufgaben in der Küche, im Haus und in der hauseigenen Wäscherei. Sie pflegten den Garten und kümmerten sich um die Sakristei.

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Über fünf Jahrzehnte prägten die Ordensfrauen mit ihrer Anwesenheit den Geist des Hauses und gaben ihm ein freundliches Gesicht. Sie waren Teil des Exerzitienhauses – immer da, erreichbar und einsatzbereit. Doch ihre Wurzeln lagen weit entfernt von Leitershofen.

Denn die Kongregation der Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis Mariens entstand auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei. Sie entwickelte sich aus dem dritten Orden des heiligen Franziskus, der von den Franziskanerinnen in Mähr betreut wurde. Ursprünglich widmeten die Schwestern ihre Arbeit der Erziehung und dem Unterricht von Kindern.

1958, als die Kongregation ihr 100-jähriges Jubiläum der Bestätigung durch Rom feierte, begannen erste Überlegungen, ob nicht deutsche Ordensschwestern von der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland übersiedeln sollten. Die Entscheidung fiel, zwölf Schwestern verließen ihre Heimat und fanden eine erste Unterkunft im Mutterhaus der Sternfrauen in Augsburg. Kurz darauf wies der damalige Bischof Josef Stimpfle den Schwestern ihr eigenes Betätigungsfeld zu: 1964 nahmen sie im neu erbauten Exerzitienhaus in Leitershofen ihre Arbeit auf – und prägten es bis heute.

55 Jahre lang im Besinnungshaus

Nach 55 Jahren gemeinsamen Schaffens verließ nun Schwester Regina als letzte Ordensfrau der Kongregation das Besinnungshaus. Sie selbst lebte und wirkte hier 47 Jahre. „Ich war die einzig verbliebene Schwester im Exerzitienhaus, der Abschied fällt mir nach so langer Zeit schon schwer“, sagte sie bei ihrer Verabschiedung.

20 Ordensfrauen des einstigen Konvents waren bereits verstorben oder in ihre tschechische Heimat zurückgekehrt. Schwester Regina, Schwester Bernadette und Schwester Jana verblieben im Exerzitienhaus. Letztere ist für ihre aufwendig gestalteten und kunstvoll verzierten Votivkerzen bekannt. Diese dürften bei zahlreichen Gläubigen, die in Leitershofen ihre Exerzitien verbrachten, zu Hause leuchten.

Im Frühjahr 2018 lebten im Exerzitienhaus dann noch die drei Schwestern Bernadette, Regina und Ingrid. Sie legten dort als einzige deutsche Schwestern ihre Profess ab. „Alle drei haben ihr ganzes Ordensleben im Exerzitienhaus verbracht und waren auch als Rentnerinnen noch im Einsatz“, sagte Pater Tobias Merkt, Schwesternseelsorger von der Erzabtei Sankt Ottilien.

Im vergangenen Sommer erlitt Schwester Bernadette einen schweren Schlaganfall und wurde von den Barmherzigen Schwestern im Mutterhaus Augsburg in ihrer Pflegeeinrichtung aufgenommen. Damit die Schwestern zusammen bleiben konnten, zog Schwester Regina in den Wohnbereich.

Nun wurde sie offiziell als letzte Schwester im Exerzitienhaus Leitershofen verabschiedet. „Ich bin im Ruhestand, wollte aber mein Ordensleben unbedingt weiter führen“, sagte sie zur Verabschiedung. Sie sei glücklich, im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern ihren Lebensabend verbringen zu können. Auch dort übernehme sie kleine Aufgaben. Denn Schwester Regina weiß: „Nichtstun ist nichts für mich.“

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