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Fischach

19.09.2019

Fischach will Partnerschaft mit  Vimy neu beleben

Der Krieg mit der deutschen Besatzung und den schrecklichen Folgen daraus ist in Vimy immer noch ein Thema und allgegenwärtig.
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Der Krieg mit der deutschen Besatzung und den schrecklichen Folgen daraus ist in Vimy immer noch ein Thema und allgegenwärtig.
Bild: CRT Nord-Pas de Calais/Samuel Dhote 

Der Austausch zwischen Fischach und Vimy ist mittlerweile etwas ins Stocken geraten. Jetzt will das Organisationskomitee junge Leute neu begeistern.

Es sind oft Einzelpersonen, die etwas in Bewegung bringen. So wie Georg Schaffer, der während des Zweiten Weltkriegs in der Region um Arras gefangen war. Er wollte einen Anstoß geben, von dem er überzeugt war, dass es getan werden musste. Und so setzte er sich 1973 mit dem stellvertretenden Bürgermeister der nordfranzösischen Kleinstadt Vimy, René Deligne, über eine deutsch-französische Städtepartnerschaft zwischen dessen Kommune und der Marktgemeinde Fischach in Verbindung. Dabei entfachte er ein Feuer, das bis heute lodert, wenn auch zuletzt nur auf kleiner Flamme.

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Schaffers Anliegen fand ebenso bei Fischachs Bürgermeister Adolf Marz und dem Marktgemeinderat ein offenes Ohr. Bereits an Pfingsten 1974 kam eine 35-köpfige Delegation aus Vimy in Fischach an, unter ihnen ehemalige Kriegsteilnehmer. Die erste Begegnung sei ein großes Abenteuer gewesen, meinte später Fischachs Dritter Bürgermeister Hermann Schmid: „Beim Abschied waren wir traurig, zum anderen aber sicher, gute Freunde gewonnen zu haben.“

Der Anfang einer echten Freundschaft

Beim Gegenbesuch von 85 Fischachern wurde die Verbindung offiziell in trockene Tücher gepackt. Die Bürgermeister Fernand Tirtaine und Adolf Marz unterzeichneten am 18. Mai 1975 die Partnerschaftsurkunden. Tirtaine sagte damals: „Vimy, das bis heute von den schrecklichen Erinnerungen in den Jahren 1914 bis 1918 geprägt ist, nimmt trotz alledem die Hand an, die ihm West-Deutschland entgegenstreckt.“ Marz sprach vom „Anfang einer echten Freundschaft“.

Fischach will Partnerschaft mit  Vimy neu beleben

Anfang der 1990er-Jahre drohte die Partnerschaft jedoch einzuschlafen. Nur noch einige Familien kamen auf privater Basis zusammen. Marz’ Nachfolger Josef Fischer schlug deshalb vor, die Partnerschaft in die Händen eines Komitees zu legen. So wurde im März 1992 Helga Haug-Denk zur Vorsitzenden des neuen Freundeskreises Fischach-Vimy gewählt. Zusammen mit ihrer französischen Amtskollegin Astrid Brabant gelang mit viel Engagement und Herzblut ein Wiederaufleben der gegenseitigen Verbindung mit Veranstaltungen, Begegnungen und Treffen zwischen Fußballmannschaften und Musikvereinen. 1994 starteten auch der Schüleraustausch. Diese Begegnungen mussten allerdings fünf Jahre später wegen eines Vetos der französischen Schulbehörde eingestellt werden.

Unzählige Soldaten fanden den Tod

Der Krieg mit der deutschen Besatzung und den schrecklichen Folgen daraus ist in Vimy immer noch ein Thema und allgegenwärtig. „Während des Ersten Weltkriegs war der strategisch wichtige Höhenzug von Vimy die Frontlinie, die lange von deutschen Soldaten besetzt war“, erinnert die heutige Vorsitzende des Freundeskreises, Klara Rieger. Im April 1917 sei es den Franzosen mit Hilfe von Engländern und Kanadiern gelungen, die deutschen Truppen zu besiegen, ergänzt Gabriele Ziegler, die mit Klara Rieger sowie Johanna und Manfred Brill zum jetzigen Organisationskomitee gehört. „Bei den Kämpfen fanden auf beiden Seiten unzählige Soldaten den Tod.“ Davon zeugen die Soldatenfriedhöfe in der Umgebung und das Kanadische Denkmal. Zum Gedenken an die vielen Toten wurde 2015 der „Ring der Erinnerung“ errichtet. Hier sind in Stelen die Namen aller Gefallenen der Region eingraviert.

Heute ist die Partnerschaft wieder etwas ins Stocken geraten. Beim letzten Besuch in Vimy seien nur zwölf Personen dabei gewesen, so Rieger. Dabei sei diese Verbundenheit mit dem Blick über den eigenen Tellerrand unentbehrlich. Ziel sei, mehr junge Menschen für die Partnerschaft zu begeistern. „Damit sie nicht zum sinkendem Schiff wird.“ Auf der anderen Seite gebe es auch Menschen, wie die Familie Dossner und Sophie Greif, die seit Beginn der Partnerschaft dabei seien.

Was gibt es in der französischen Kleinstadt neben den Erinnerungen an den Krieg noch zu entdecken? „Vimy hat wenig historische Gebäude, da es im Ersten Weltkrieg total zerstört wurde“, so Klara Rieger. Schön sei das Rathaus und interessant die Kirche. Das sei eigentlich schon alles.

Mehr kulturelle Sehenswürdigkeiten weise das elf Kilometer entfernte Arras mit seinem Rathaus, den Glockenturm und den historischen unterirdischen Gängen auf, ergänzt Gabriele Ziegler. „Lens, neun Kilometer entfernt, punktet mit dem Louvre de Lens, einem Ableger des Pariser Louvre mit sehenswerten Kunstwerken von der Antike bis zur Neuzeit.“ Das Meer sei in rund eineinhalb Stunden und Paris mit dem TGV von Arras aus in einer Stunde zu erreichen.

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