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04.06.2019

Genossinnen haben Mitleid mit ihrer ehemaligen Chefin

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Simone Strohmayr

Hatte es Andrea Nahles als Frau im Parteivorsitz besonders schwer? Da gibt es verschiedene Meinungen

Der Adelsrieder Bürgermeisterin Erna Stegherr-Haußmann tut ihre Parteikollegin Andrea Nahles „wahnsinnig leid“. Die SPD-Kreisrätin spricht von einer Demontage, die einem Mann so nicht widerfahren wäre. Es gibt aber auch Genossinnen im Landkreis, die sagen, das Geschlecht habe beim Sturz der SPD-Chefin keine Rolle gespielt. Sie stören sich vor allem am öffentlichen Auftreten von Nahles.

Erna Stegherr-Haußmann ist überzeugt, dass Frauen anders Politik machen als Männer. Sie würden mehr kommunizieren und andere Meinungen zulassen, weniger „durchregieren“. Männer seien zudem eher in der Lage, Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. Abgesehen davon sei Andrea Nahles ein Opfer der „andauernden Minus-Erfolge bei Wahlen“ geworden. „Die Zeichen der Zeit waren gegen sie.“ In der Politik sei es dann wie im Fußball, vergleicht Erna Stegherr-Haußmann: „Man schreit nach einem neuen Trainer, das ist das Einfachste.“ Die Bürgermeisterin gibt zu, dass sie anfangs für die Große Koalition gewesen sei. Doch die nächsten zwei Jahre würde dieses Bündnis nicht überleben. Sowohl SPD als auch CDU stünden auf zu wackeligen Beinen. Erna Stegherr-Haußmann sagt, ihre Partei brauche eine „Erholungsphase“. Dabei solle sie sich auf ihr Kernthema Arbeitsplätze konzentrieren.

Auf einen Neuanfang in der Opposition hofft auch die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr. Sie verfolgt die Turbulenzen gerade auf einer Dienstreise in Mexiko, wo ein BMW-Werk eingeweiht wird. Der Rücktritt von Nahles war ihrer Meinung nach überfällig. „Egal ob als Mann oder Frau, man muss seinen Job gut machen.“ Strohmayr wirft Nahles Fehler in der Kommunikation nach außen und mangelndes Gespür vor. Es sei jetzt Zeit, die GroKo zu beenden. „Die Mehrheit der Menschen will das nicht, also lassen wir das.“ Die SPD müsse ihr Profil wieder schärfen, und dies sei nicht nur die Aufgabe einer Person.

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„Unglückliche Auftritte“ kritisiert die SPD-Vorsitzende aus Gersthofen, Janine Hendriks, an der Arbeit der ehemaligen Parteivorsitzenden. Hendriks war dennoch überrascht, dass die Chefin von sich aus das Handtuch geworfen hat. Die Gersthoferin ist überzeugt, dass die Große Koalition die SPD viele Stimmen kostet und Hauptgrund für die schwierige Situation der Partei ist. „Wir haben gute Konzepte, aber diese werden durch Kompromisse kleingemacht.“ Die Große Koalition müsse auf jeden Fall infrage gestellt werden, so Hendriks.

Die Königsbrunner Ortsvorsitzende Andrea Collisi sagt, die Nachricht vom Rücktritt habe sie getroffen, auch wenn sie nicht total überraschend kam. Einerseits finde sie Nahles’ Schritt angesichts des fehlenden Rückhalts richtig, „aber es ist auch tragisch zu sehen, da ich in ihr durchaus die Kämpferin für Soziales sah und sehe“.

Collisi selbst hätte, wie bereits vor sechs Jahren, den Gang in die Opposition bevorzugt. Seit der Agenda 2010 habe man ein Glaubwürdigkeitsproblem: „Dass wiederum gerade die Sozialdemokraten in der Regierungsverantwortung viel für die Gesellschaft tun und taten, auch den Koalitionsvertrag prägten, gehört zur Wahrheit, reicht aber eben nicht aus.“ Leistungen wie der Mindestlohn, das Elterngeld oder Verbesserungen im Pflegebereich seien scheinbar für den Bürger nicht erkennbar. Sie hofft, dass Nahles’ Appell zum Zusammenhalt in der Partei nicht ungehört verpufft. "Kommentar

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