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Gersthofen

23.11.2018

Gersthofer Loch: Bringt der Verkauf neue Impulse?

In den vergangenen zehn Jahren wurde für das mittlerweile als „Gersthofer Loch“ berüchtigte Grundstück im Zentrum der Stadt geplant, umgeplant, verworfen und gestritten.
Bild: Marcus Merk

Die Fraktionen im Gersthofer Stadtrat begrüßen den Verkauf des Areals an einen neuen Investor. Nun warten sie auf die Vorstellungen des neuen Eigentümers.

Das Gersthofer Loch hat eine neue Eigentümerin: Die Augsburger JVP Wohnbau GmbH. Wie berichtet, hat der bisherige Eigentümer, der Dasinger Investor Peter Pletschacher, das rund 7000 Quadratmeter große Areal im Herzen Gersthofens verkauft. Diese Nachricht stößt bei den Fraktionen im Stadtrat auf einhellige Zustimmung.

„Wir hatten schon seit einiger Zeit ein Auge auf dieses Grundstück geworfen“, sagte der JVP-Geschäftsführer Johann Pfoo gegenüber unserer Zeitung. Doch zunächst sei ja Pletschacher am Zug gewesen. „Dann ging es plötzlich fast auf einen Schlag.“ Nach kurzen Verhandlungen griff der neue Investor zu. Er will nun auf dem Areal zu 80 Prozent Geschoss-Wohnbau realisieren. Im Erdgeschoss sollen Gewerbeflächen entstehen. „Einzelhäuser kommen nicht infrage“, betont Pfoo. Genaueres soll dann in Gesprächen mit der Stadt Gersthofen ausgearbeitet werden.

Neue Bebauung soll zu 80 Prozent aus Wohnungen bestehen

Bürgermeister Michael Wörle setzt, nachdem zwischen der Stadt und Pletschacher in den vergangenen Monaten Funkstille herrschte, auf einen Neuanfang. Ob die Stadt von einem Vorkaufsrecht Gebrauch machen könnte und sollte, will er von Juristen prüfen lassen. „Aber der neue Investor wird wohl kaum gleich wieder an uns verkaufen“, vermutet Wörle.

Die Fraktionen im Stadtrat sehen die neue Entwicklung einhellig positiv: „Das ist in jeder Hinsicht eine gute Nachricht – eine Chance für einen Neuanfang“, sagt W.I.R.-Fraktionsvorsitzender Georg Brem. „Jetzt ist mehr Wohnbau möglich als mit Pletschacher.“ Dass die JVP Wohnungen im gehobenen Standard errichte, sei allerdings ein Wermutstropfen. „Auf das Vorkaufsrecht sollte die Stadt nicht mehr eingehen“, so Brem.

„Zunächst einmal sehr unaufgeregt, aber vorsichtig optimistisch“, beurteilt CSU-Fraktionschef Max Poppe den Verkauf. „Wir fallen dadurch nicht auf Null zurück, weil die Politik und die Stadtverwaltung inzwischen, weiß, was man haben will und was nicht.“Ein gemeindliches Vorkaufsrecht gebe es seiner Ansicht nach nur auf Teilflächen – zum Beispiel für Verkehrsinfrastruktur. „Auch in Zukunft wird ein Investor im Spiel sein.“ Dass die neue Bebauung laut Johann Pfoo zu 80 Prozent aus Wohnungen bestehen solle, „rennt bei uns offene Türen ein“, so Poppe. „An diesem markanten Ort der Stadt kann es aber kein reiner Wohnbau sein.“ Nun gelte es erst einmal zu erfahren, was sich der neue Investor vorstelle.

Soll die Stadt das Gersthofer Loch kaufen?

„Es freut uns, dass wieder Bewegung reinkommt“, betont Bernhard Happacher (FW). „Ich kenne Herrn Pfoo als sehr angenehmen Menschen.“ Nach dem was er bisher gebaut habe, sei er „mit Sicherheit ein sehr guter Partner für die Stadt“, so Happacher. Er sehe eine Win-Win-Situation. Die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum sei von Anfang an Ziel der Freien Wähler gewesen. Ob die Stadt das Vorkaufsrecht nützen soll, hängt für ihn vom Kaufpreis ab. „Hoffentlich endet nun der schlechte Stil des Investors bei der Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.“

„Ich habe das fast erwartet“, sagt Albert Kaps (Pro Gersthofen). „Vielleicht hat der von uns gemeinsam mit SPD/Grünen und Freien Wählern gestellte Antrag, die Stadt solle mit Peter Pletschacher über einen Kauf des Lochs verhandeln, den letzten Auslöser gegeben“, so Kaps. „Das monatelange Hinhalten hat ein Ende.“ Die Forderung, dass die Stadt ein Vorkaufsrecht wahrnehmen solle, „hat sich jetzt fast erübrigt“. Nun komme es auf Johann Pfoo an: „Wenn die Vorschläge vom alten Bebauungsplan für das Areal gedeckt wären, könnte der erste Spatenstich noch 2019 sein.“ Von SPD/Grünen war bis Redaktionsschluss niemand erreichbar.

Gersthofer Loch: Hoffnung, dass die Strasser-Villa stehenbleiben kann

Albert Kaps vor allem erhofft sich, dass mit dem neuen Investor die Strasser-Villa stehen bleiben kann. Wie berichtet, sahen die bisherigen Pläne deren Abriss zugunsten eines bis zu siebenstöckigen Turmgebäudes vor. Über einen Bürgerentscheid im Januar 2017 ergab sich nach jahrelangen Auseinandersetzungen eine knappe Mehrheit der Gersthofer, welche einen Abriss des 20er-Jahre-Gebäudes zuließ.

„Der Bürgerentscheid heißt aber nicht, dass die Villa abgerissen werden muss“, betont Max Poppe. „Wir sollten zunächst abwarten, was der neue Planer bei den Auftaktgesprächen vorschlägt.“ Dies meint auch Georg Brem. „Wir sollten eine künftige Bebauung nicht an dem Erhalt der Villa aufhängen.“

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