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05.09.2014

Giftiger Eichenprozessionsspinner breitet sich aus - und nicht nur der

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Wochenlang war der Parkplatz bei Wörleschwang komplett gesperrt, weil die Bäume von Eichenprozessionsspinnern befallen waren. Gestern beseitigte die Firma Mayer die Tiere.
Bild: Marcus Merk

Während Spezialisten gegen den giftigen Eichenprozessionsspinner vorgehen, meldet der Landschaftspflegeverband den nächsten tierischen Einwanderer aus Europas Süden.

Werner Mayer ist Landschaftsgärtner und sieht zum Fürchten aus. Über dem Gesicht trägt er eine Schutzmaske, den ganzen Körper hüllt ein Schutzanzug ein, seine Hände halten in Schutzhandschuhen einen großen Saugrüssel. Das Foto von Mayer, das gestern bei Wörleschwang entstand, erinnert ein wenig an Bilder aus afrikanischen Seuchengebieten. Doch Mayer kämpft nicht gegen Ebola. Sein Gegner ist der Eichenprozessionsspinner.

Gefahr für Bäume und Menschen

Die Raupen leben in großen, sackartigen Gespinsten und fressen die Blätter der Bäume. Die Tiere besetzten überwiegend Eichen. Wenn ein Baum über mehrere Jahre hinweg kahl gefressen wird, stirbt er.

Die Tiere stellen laut Landratsamt Augsburg aber nicht nur für die Bäume eine Gefahr dar, sondern auch für den Menschen. Da die Nesselhaare des Eichenprozessionsspinners abbrechen können, bleiben sie oft in verlassenen Nestern zurück. Beim Kontakt mit menschlicher Haut kann es zu starkem Juckreiz und Hautveränderungen kommen. Im Auge lösen die Brennhaare ein Fremdkörpergefühl, starken Tränenfluss und einen Juckreiz aus. Dieser Juckreiz kann dazu führen, dass die Brennhaare in die Hornhaut des Auges eingerieben werden. Eingeatmete Brennhärchen können die Atemwege reizen. Dies ist vor allem für Asthmatiker gefährlich und deshalb trug Mayer gestern einen Schutzanzug, als er auf einem für die Öffentlichkeit gesperrten Parkplatz antrat, um die Raupen abzusaugen und zu beseitigen.

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Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners

Früher gab es den Eichenprozessionsspinner nur in Südeuropa. Durch die Klimaerwärmung breitet er sich aber zunehmend auch in Mitteleuropa aus. Die Bäume an dem Parkplatz zwischen Wörleschwang und Wollbach waren die ersten im Landkreis Augsburg, an denen ein Befall mit der gefährlichen Raupe festgestellt wurde.

Harmloser Einwanderer: Die Gemeine Sichelschrecke

Sie ist nicht der einzige tierische Einwanderer aus südlichen Breiten. Und das hat sie mit einem ganz und gar harmlosen Tierchen gemeinsam, dessen Existenz ebenfalls erstmals im Augsburger Land registriert wurde. Wie der Landschaftspflegeverband Landkreis Augsburg jetzt mitteilt, breitet sich seit einigen Jahren die Gemeine Sichelschrecke zunehmend auch in der Augsburger Region aus. Phaneroptera falcata, wie die Art zoologisch korrekt heiß, sieht auf den ersten Blick aus wie eine Miniaturausgabe des allgegenwärtigen Grünen Heupferdes. Mit allerdings nur etwa 2 Zentimetern Körperlänge bleibt die Sichelschrecke aber deutlich kleiner.

Die sehr wärmeliebende Art findet infolge des Klimawandels jetzt auch im Augsburger Land geeignete Lebensbedingungen. In Schwaben dringt sie aktuell von der Schwäbisch-Fränkischen Alb und über das Donautal kommend ins Lechtal nach Süden vor. Entgegen kommen der flugfreudigen Laubheuschrecke trockenwarme Magerrasen, sonnige Dämme und Auwaldränder oder gebüschreiche Abbaugruben. Eine Begegnung mit ihr wird auch in naturnahen Gärten immer wahrscheinlicher. Das sich überwiegend vegetarisch ernährende, hübsche Tier ist völlig harmlos. Es steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Tiere Bayerns.

Die Gemeine Sichelschrecke als Bioindikator

Nach Angaben von Werner Burkhart, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, zeigt es als sogenannter Bioindikator sehr schön die schleichend ablaufenden Veränderungen in unserer Umwelt. Denn nur dort, wo es ausreichend warm ist, können sich die Eier des Insekts entwickeln. Burkhart fand die Spezies bereits südlich von Augsburg in den Lechauen bei Oberottmarshausen. Bereits vor einigen Jahren beobachtete er die ersten Sichelschrecken in den Magerrasenbiotopen zwischen Thierhaupten und Langweid. Die Ausbreitung des Tieres demonstriere auch sehr eindrücklich die herausragende Funktion der Lechachse als gigantische Biotopbrücke und Wanderachse für Tiere und Pflanzen.

Eichenprozessionsspinner weniger beliebt

Im Gegensatz zur Gemeinen Sichelschrecke stößt der Eichenprozessionsspinner auf wenig Gegenliebe. An Geh- und Radwegen sowie in der Nähe eines Kindergartens oder einer Schule werden die Raupen rigoros entfernt. Experten rechnen damit, dass sie künftig häufiger im Landkreis auftauchen werden. Werner Mayer könnte also schon bald wieder in seinen Schutzanzug schlüpfen müssen.

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