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Sing dein Bestes

18.11.2019

In Stadtbergen dreht sich alles um den richtigen Ton

Beim Wertungssingen „Sing Dein Bestes“, organisiert vom Augsburger Sängerkreis, kommt es auch aufs „Warmmachen“ an: Hier ist der Zusmarshauser Chor „MixDur“ unter der Leitung von Johann Mayer (am Flügel) beim Einsingen.
Bild: Andreas Lode

Beim Wertungssingen des Augsburger Sängerkreises erfolgt die Bewertung mit wohlwollender Strenge. Denn Sinn und Zweck des Wettbewerbs ist ein anderer.

„Euer Einstiegston klingt noch nicht harmonisch. Können wir den wiederholen?“ Ohne Einsingen geht es nicht – auch nicht bei einem eingespielten Team. Schon beim Warm-up zeigt sich bei den Chormitgliedern eine gewisse Anspannung. Die vereinte die zahlreichen Ensembles, die sich in Stadtbergen am Wertungssingen des Augsburger Sängerkreises beteiligen.

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Die Nervosität steigt. Einige verspüren Lampenfieber und Herzklopfen. Aber da müssen sie jetzt durch. Obwohl die Lieder schon sehr oft gesungen wurden, der Chorleiter feilt noch immer ein wenig herum. Die Mühe hat sich gelohnt, denn schon nach einigen Wiederholungen klingen die Passagen ausgewogen und im Einklang. Ein Vorgeschmack dessen, was die Besucher gleich erwartet, vermittelt auch das Einsingen im Raum nebenan: Ein lang gezogenes „sssss“, gefolgt von kurzen Zischlauten „s“, „f“, „s“, „sch“, dann singen alle ein langes „uuuu“. Die Stimmen klettern höher, die Silben werden immer wieder wiederholt. „Wo ist das Lächeln?“ Anschließend gibt es sogar noch eine kleine Massage, ein leichtes Schulterklopfen.

Mit einem Gläschen Sekt eingestimmt

Im nächsten Raum stimmen sich die Chormitglieder mit einem Gläschen Sekt ein. Hier herrscht eine lockere Atmosphäre. Ja, so hat jeder seine Art, sich auf den großen Auftritt vorzubereiten. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind alle „ein bisserl angespannt“, wie eine Sängerin verrät. Stolz auf ihr Niveau können die Sängerinnen und Sänger der 16 Chöre aus Augsburg und dem Umland sein. Sie stellen sich beim 3. Wertungssingen „Sing Dein Bestes“ des Augsburger Sängerkreises im Bürgersaal Stadtbergen dem Urteil einer hochkarätigen Jury. Bewertet werden Intonation, Dynamik, Interpretation, Rhythmus, Timing, Groove und Bühnenpräsenz.

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Um es vorweg zu nehmen: Bei diesem Wertungssingen gibt es keine Verlierer, sondern nur Gewinner. Dass dies kein „Wettkampf“ ist, sondern ein Anlass, um sich nachhaltig in der Qualität zu steigern, die Chorliteratur kennenzulernen und den Teamgeist zu stärken, das betont Christian Toth, Präsident des Augsburger Sängerkreises. „Hier geht es nicht darum, einen 1. 2. oder 3. Platz zu erringen“, erklärt er. „Es ist eine gute Sache, an einer Herausforderung teilzunehmen. Das schweißt einen Chor zusammen.“

Die Chöre haben ihr Können unter Beweis gestellt

Genauso sehen es die Chorleiter: „Für uns ist es wichtig zu wissen, wie steht der Chor überhaupt da. Wir haben Freude am Singen und nehmen die Tipps, die uns die Jury gibt, sehr gerne mit.“ Schließlich gehe es beim Wertungssingen nicht darum, „wer am besten singt, sondern die Chöre haben ihr Können unter Beweis gestellt“, so die Jury-Mitglieder Vroni Bertsch (Gesangspädagogin), Agnes Schlaghaufer (Musikerin und Pädagogin) und Matthias Seitz (Chorleiter und Pädagoge). Ein strenges Urteil wird es demnach also nicht geben.

Geehrt wird in vier Kategorien: Gemischter Chor, Kinder- und Jugendchor, Männerchor und Frauenchor. Dass dieses Wertungssingen überhaupt ausgetragen werden kann, hat der Augsburger Sängerkreis der HypoVereinsbank, dem Hauptsponsor dieser Veranstaltung, zu verdanken, betont Toth.

Und trotzdem ist die Spannung und Konzentration der einzelnen Chöre zu spüren. Dann geht es auch schon Schlag auf Schlag. Auf der Bühne wird es turbulent. Mit je einem Pflichtstück und zwei bis drei weiteren Stücken müssen die Chöre es schaffen, die Gesangsexperten vom Können zu überzeugen. Dazu bleiben ihnen nur 15 Minuten Zeit. Das ist nicht viel. „Leider hat der Einsatz nicht so gut geklappt“, sagt eine Chorleiterin, „ansonsten war es schon recht gut.“

Auch beim nächsten Chor war die Freude nach dem Auftritt ein bisschen verhalten. „Wir sind nicht ganz zufrieden. Der Klang hat zwar gestimmt und die Freude am Singen war da. Mal sehen, wofür es reicht.“ Streng dürfen die Dirigenten mit ihren Sängern schon sein. „Es soll bei diesem Wertungssingen auch was dabei herauskommen. Die Interpreten erwarten Ehrlichkeit.“

Jeder wird genau unter die Lupe genommen

Auf die Siegerehrung müssen die Chormitglieder bis zum Abend warten. Bis dahin haben sie die Möglichkeit, sich mit anderen Chören zu messen. Jeder wird genau unter die Lupe genommen. Wie kommt der Chor an? Was macht er anders, ja vielleicht sogar ein bisschen besser? „Auch wenn wir alle dasselbe Lied singen, es wird immer anders klingen“, verraten sie. „Der eine trägt das Stück lebhafter vor, der andere ruhiger. Auch sind Tonlage und Ausstrahlung nicht immer gleich.“

Und so dürfen sie zusammen mit den vielen Besuchern einen unterhaltsamen Tag mit erfrischender Chormusik vom Feinsten erleben, loben, staunen und auch ein wenig kritisch sein. Und das ist auch Sinn und Zweck dieses Wettbewerbs.

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