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Zusmarshausen

02.07.2019

Nach Zerkarien-Fund: Wie dreckig ist der Rothsee?

Im Zusmarshauser Rothsee befinden sich Zerkarien, durch die es zu juckenden Ausschlag kommen kann. 
Bild: Marcus Merk

Plus Mindestens neun Menschen bekamen Ausschlag. Doch das Image des Geländes leidet nicht nur unter den Parasiten.

Wer im Zusmarshauser Rothsee baden geht, riskiert einen juckenden Ausschlag. Mindestens neun Menschen sind bereits betroffen. Nachdem sie sich beschwerten, sah sich das Augsburger Gesundheitsamt den Rothsee genauer an. Seit Montag ist klar: Schon wieder finden sich Zerkarien, sogenannte „Entenflöhe“, im Wasser. Doch die Badegäste haben noch mehr Beschwerden, die nichts mit dem aktuellen Zerkarien-Fund zu tun haben.

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Seit Jahren klagen sie über das trübe und verschlammte Wasser im See. Auch Mücken seien ein Problem. Das Wasser sieht bräunlich aus, viele Algen schwimmen umher. Im Internet ist die Aufregung darüber groß. Zum Baden wollen viele im Rothsee nicht mehr gehen. Ein Problem, das in der Marktgemeinde bekannt ist. Doch in natürlichen Gewässern gebe es nun mal Algen, sagt Bürgermeister Bernhard Uhl. „Wer das nicht will, muss ins Freibad gehen.“ Der Zerkarien-Fund habe damit aber nichts zu tun. Es sei ärgerlich, dass die Parasiten nun schon zum zweiten Mal auftauchen. Gefährlich seien die lästigen „Entenflöhe“ aber nicht. Ein zusätzliches Problem sei das trübe Wasser im Rothsee. Der Grund: Mit jedem Starkregen wird Schlamm in den See gespült. In der Vergangenheit gab es immer wieder große Entschlammungsaktionen. Die Kosten gingen in die Millionen.

Schlamm-Umleitung für den Rothsee

Zuletzt gab es einen neuen Ansatz. Es wird über eine Schlamm-Umleitung diskutiert. Mit einem Gerinne, das auch von Fischen genutzt werden kann, solle der Schlamm in Zukunft um den See fließen. Gleichzeitig soll weiterhin sauberes Wasser bei schönem Wetter in den See kommen. Wie genau der Bypass funktioniert, wo er verläuft und was die Kosten sind, steht noch nicht fest.

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Auch die Initiative „Boden:ständig“ des Amts für Ländliche Entwicklung in Krumbach setzt sich für einen sauberen Rothsee ein. Ziel ist es, gemeinsam die Bodeneinträge aus den landwirtschaftlichen Flächen in die Gewässer zu minimieren. Anja Dördelmann, Kümmerin für die Roth bei „Boden:ständig“ ist überzeugt, dass kurzfristige Maßnahmen, wie das Abpumpen des Wassers nichts nutzen. Auch die Umleitung der Roth sieht sie kritisch. „Damit wird das Problem nur verlagert“. Um das Wasser dauerhaft sauber zu bekommen, müsse man einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Der schwarze Peter dürfe dabei nicht allein bei den Landwirten liegen. Schließlich hätten auch die Poltik und die Verbraucher dafür gesorgt, dass sich die Landwirtschaft verändert habe. Dördelmann selbst geht schon länger nicht mehr im Rothsee baden. „Meine Kinder haben in der Vergangenheit auch schon Ausschlag bekommen“, sagt sie. Kleine Badegäste sind besonders gefährdet, da sich die Zerkarien vor allem am Wasserrand aufhalten.

Zuletzt waren die Messwerte unauffällig

Das Auftreten der Parasiten lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Wasserqualität zu. Vor dem Zerkarien-Fund untersuchte das Gesundheitsamt den Rothsee zuletzt am 27. Juni. Sämtliche Messwerte waren unauffällig. Nur wenige Tage später sind die Parasiten aber aufgetaucht. Erklärung: „Das Auftreten von Zerkarien ist stark von der Umgebungs- und Wassertemperatur abhängig“, erklärt das Gesundheitsamt auf Nachfrage.

Grundsätzlich gebe es eine höhere Konzentration an flachen Ufergewässern – dort, wo vor allem Kinder unterwegs sind. Außerdem hänge die Zahl auch mit der Population von Wasservögeln zusammen. Denn die Eier der Parasiten werden gemeinsam mit dem Kot der Vögel ausgeschieden.

Weil bereits mehrere Menschen von einem juckenden Ausschlag betroffen waren, entschied sich die Behörde noch am Montag dazu, Warnschilder am Rothsee aufzustellen. Ein Badeverbot gibt es aber nicht.

Das sollten Badegäste jetzt beachten

  • Uferzonen Badegäste sollten flache und an Wasserpflanzen angrenzende Uferzonen meiden und sich dort nur kurz aufhalten.
  • Sonnencreme Vor dem Baden im Rothsee sollten sich Schwimmer mit wasserunlöslicher Creme, zum Beispiel Vaseline oder Sonnencreme, eingerieben werden.
  • Abtrocknen Nach dem Baden im Rothsee gilt: Sofort abtrocknen. Auch die Badesachen sollten gewechselt werden, um den Zerkarien keine Chance zum Eindringen in die Haut zu geben.
  • Kratzen Auch wenn es juckt: Nicht kratzen, um Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien zu vermeiden.
  • Behandlung In der Regel bedarf es keiner ärztlichen Behandlung. Nur bei Kindern und Menschen mit starker allergischer Reaktion kann ein Arztbesuch angebracht sein, um die Symptome durch Einnahme von Medikamenten (Antihistaminika) und durch Anwendung von kühlenden und antiseptisch wirkenden Gelen zu lindern.

Der Rothsee hat mehr Probleme als die aktuellen Parasiten, meint Philipp Kinne in seinem Kommentar.

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