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Konzert

10.02.2015

Perlen der Kammermusik, zart dargeboten

Im Porzellanzimmer des Aystetter Schlosses präsentierten Olivia Vermeulen, Sopran, und Wulfin Lieske, Gitarre, unter dem Motto „Komm, fein Liebchen, komm ans Fenster“, Lieder und Gitarrenmusik der europäischen Romantik.
Bild: Andreas Lode

Lieder für Gitarre und Gesang erklingen im Aystetter Porzellanzimmer

Selten kommt während eines Konzertes ein so vollkommenes Kammermusikgefühl auf wie beim jüngsten Musikabend auf Schloss Aystetten. Mit der Besetzung Gitarre und Gesang, mit dem Rokoko-Porzellanzimmer, der baulichen Umrahmung durch Haus und Anlage, der persönlichen Atmosphäre war es leicht, sich in die Zeit der großen Salons im 19. Jahrhundert und ihrer legendären Gäste aus allen Kunstsparten zu versetzen. Auch in Aystetten gab es Denkwürdiges zu hören, zumal das Programm hier als Generalprobe vor dem Kölner Konzert im März seine Premiere erlebte. Dabei kann auch Unvorhergesehenes passieren, und so nahm es das Publikum mit Humor, als Gitarrist Wulfin Lieske und Mezzosopranistin Olivia Vermeulen in spontanen Moderationen die Suche nach Noten überbrückten oder das nicht aktuelle Programmheft korrigierten.

Das Repertoire war traumhaft schön und fokussierte sich auf das ausgehende 18. und das beginnende 19. Jahrhundert – mit zwei Liedern des finnischen Komponisten Jean Sibelius als einzige Ausnahme: „Heißa, hopsa bei Regen und Wind“ entsprach musikalisch mit rustikaler Bordun-ähnlicher Begleitung dem Titel. „Komm herbei, Tod“ dagegen wirkte rezitativisch, ähnlich fragmentarisch wie Schumanns „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan“, expressiv und berührend gesungen von Olivia Vermeulen.

Die erfolgreiche junge Mezzosopranistin hat eine beeindruckend leichte, lyrisch gerundete Stimme, ein geschmackvoll zartes, vereinzelt vielleicht zu stereotypes Vibrato und betört mit stimmlicher, gesanglicher Schönheit, mit Klangfarben, Facetten und gestaltender Phrasierung wie in Giulianis kantablen, vorhersehbaren und dennoch wirkungsvollen „Sei Cavatine“, die Olivia Vermeulen vollendet sang.

Auch Wulfin Lieske begleitete mit sicherem Gefühl für die Feinheiten an seinem besonderen Instrument von Vicente Arias anno 1874, mit der typischen kammermusikalischen Intimität, frei von Konzertsaal-tauglichem Bombast. Oft war die Gitarrenvariante statt des Klaviers eine positive Überraschung. So etwa in Schuberts todessehnsüchtigem, in Stocken und Fluss zweigeteiltem „Nachtstück“, sehr stimmungsvoll und bewegend, das sich auch stilistisch an Sibelius’ Spätromantik anschloss. Aus dieser Seelentiefe, die nach der Pause bereits mit Brahms’ tragischem „Schwesterlein“ begann, führte Schuberts nur vordergründig heitere „Forelle“, aber vor allem Mozart. Das tragikomische „Veilchen“, die zarte „Abendempfindung“, vorgetragen in weiten lyrischen Bögen, besonders aber die beiden Zerlina-Arien aus „Don Giovanni“ – tröstend „Vedrai carino“ und kokett masochistisch „Batti, batti“, das an diesem Abend etwas distanziert-konzertant wirkte – führten zurück in die unterhaltsame Ästhetik. Bei beiden arrangierte Fernando Sor die Orchesterstimme geschickt für Gitarre. Er hatte bereits im ersten Teil entzückt: mit einer Auswahl an Seguidillas, kurzen, bezaubernd lebendigen Szenen ähnlich denen Murillos oder de Fallas „Siete canciones populares“, bezaubernd vorgetragen von den Künstlern.

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