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Langweid

01.09.2014

Sie haben viel für andere übrig

Seit über 40 Jahren sind Christine und Heinz Koutecky ein Team, das Familie und Hilfe für andere unter einen Hut bringt.
Bild: Sonja Diller

Christine und Heinz Koutecky bewirken in Langweid Gutes. Ein Porträt.

Es kommt schon mal vor, dass ein Bischof aus Peru im Wohnzimmer von Christine und Heinz Koutecky sitzt. Oder dass Freunde von Freunden aus irgendeiner Ecke der Welt bei ihnen Station machen. Oder dass einer der afrikanischen Asylbewerber, denen Heinz Koutecky auf ihrem Weg durch den Behördendschungel zur Seite steht, plötzlich vor der Türe steht und Hilfe braucht. Alles kein Problem, sondern Freude und Herausforderung für das eingespielte Team, das in Langweid und der ganzen Region bekannt ist für seine zupackende Hilfe und sein Engagement für die Gemeinschaft. Über ihren Verein HilfeConKret sammeln und schicken sie mehrmals im Jahr Möbel, Kleidung und vieles andere in bedürftige Regionen Osteuropas, alle zwei Jahre organisieren und finanzieren sie den Besuch von Kindern und Jugendlichen aus den immer noch unter der Atomkatastrophe von Tschernobyl leidenden Regionen Weißrusslands. Tochter Judith, die im Elternhaus ihre Heilpraktikerpraxis führt, ist dabei eine wichtige Unterstützung vor Ort.

„Wir beeinflussen mit allem, was wir tun, die Menschen und damit die Welt um uns herum“, ist Christine Koutecky überzeugt. „Forderungsmentalität nervt“, sagt sie. „Wenn jeder nur die Hälfte von dem tun würde, was er von anderen fordert, würde sich vieles bewegen.“

Die jüngsten Transporte mit Hilfsgütern gingen in die vom Juni-Hochwasser besonders betroffenen Gebiete in Bosnien-Herzegowina. Dafür greift sie auch zum Telefon und bittet um Geldspenden für den Transport oder für direkte Hilfeleistungen für Menschen. Das „Betteln“, wie sie ihre Spendenaufrufe nennt, fällt ihr zwar schwer, aber das gehört eben auch dazu. „Wer nichts geben kann oder mag, dem bin ich aber nicht böse“, sagt sie.

Die quirlige Ideenlieferantin liebt die ruhige Art ihres Mannes

Als quirlige Ideenlieferantin treibt sie ihren Mann Heinz manchmal an den Rand der Verzweiflung, dabei schätzt sie seine ruhige Art, die Dinge in die richtigen Wege zu leiten. „Wir haben schon im Olympiajahr 1972 geheiratet, aber an den vielen schwierigen Disziplinen der Ehe-Olympiade arbeiten wir heute noch“, geben sie unumwunden zu. Die Familie stehe immer im Vordergrund, sind sie sich einig. Zwei Töchter, ein Sohn, deren Partner und fünf Enkelkinder sind es, und so füllt eine Feier im kleinen Familienkreis das Haus in der Lechwerksiedlung bis zum letzten Platz.

Als ehemalige Postbeamtin schied sie bei der Telekom-Privatisierung mit 55 Jahren aus dem Dienst aus, ihr Mann ging nach einer Altersteilzeitphase vor Kurzem mit 63 Jahren in den Ruhestand.

Als Vertriebskaufmann internationaler Unternehmen war er vor allem in Asien und Afrika zeitweise mehr zu Hause als in Langweid. Allein 50 Mal arbeitete er im französischsprachigen Algerien, was ihm bei seiner ehrenamtlichen Arbeit mit Asylbewerbern zugutekommt. Als Übersetzer und als Fürsprecher bei Behörden steht er den Menschen zur Seite.

Wer wie er viele Jahre lang Großprojekte mit Regierungen ausgehandelt hat, ist entspannt, wo andere in Hektik ausbrechen. Die Leitung des Sportvereins, mit rund 1100 Mitgliedern der größte Verein am Ort, macht ihm Spaß, wenn er auch seinen Abschied als Vorsitzender nach 30 Jahren langsam plant. Die Leitung der örtlichen Volkshochschule, die Aufgaben als zweiter Ortsvorsitzender der SPD und des Revisors bei der Arbeiterwohlfahrt sieht er eher als Hobby denn als Belastung. Jobpate für Mittelschüler ist er seit fünf Jahren. Und nach einer Pause sitzt er seit Mai wieder im Gemeinderat.

Wer nun glaubt, dass all diese Aufgaben Heinz Koutecky keine Freizeit mehr lassen, der irrt. Immerhin schon 100 Bücher hat er gelesen, seit er letztes Jahr einen elektronischen Reader zum Geburtstag bekommen hat.

Im kirchlichen Leben der Gemeinde hat Christine Koutecky eine wichtige Rolle übernommen. Als Vorsitzende des Pfarrgemeinderates möchte sie alle Altersgruppen einbinden, vor allem aber die Jugend motivieren. Man müsse die Jugendlichen und ihre Probleme ernst nehmen und sie dabei unterstützen, ihre Welt und ihr Leben nach ihren Wünschen aufzubauen. „Wir müssen etwas füreinander übrig haben“, sagt sie. Das reicht von der Zeit für ein intensives Gespräch bis zum Geldschein, der für den einen nicht viel bedeutet, für den anderen aber der Fahrschein zur Tafel ist, wo es günstige Lebensmittel für die Familie gibt.

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