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23.06.2009

Todesschreie haben die Krähen vertrieben

Obermeitingen/Lagerlechfeld Obermeitingen sucht nach einer Lösung für das Krähen-Problem. Nur wenige Kilometer weiter, am Bundeswehr-Standort Lechfeld, scheint man der Plage jetzt Herr geworden zu sein - dank moderner Technik und viel Geduld. Mit den Todesschreien ihrer Artgenossen, die von einem Megafon simuliert wurden, hat man die Tiere vertrieben.

Krähen fühlen sich auf dem Lechfeld wohl. Bayerns größte Kolonie mit rund 1200 Tieren hat sich in Obermeitingen nur wenige Meter weiter eingenistet - zum Leidwesen der Anlieger. Für die Bundeswehr auf dem Lechfeld ist das Krähen-Problem nicht neu. Seit Jahren plagen sich auch die Standort-Verantwortlichen mit den Tieren herum. Doch nun scheinen sie eine Lösung gefunden zu haben.

Bis zu 150 Brutpaare hatten sich in den vergangenen Jahren in den Bäumen rund um den Flugplatz eingenistet, berichtet der Feldwebel für Standortangelegenheiten, Günther Reißner. Lärm und Dreck sind hier nicht das größte Problem. Viel schlimmer: Die Tiere gefährden die Sicherheit des Flugbetriebs.

Wie Reißner berichtet, fliegen gerade die Jungtiere hin und wieder quer über das Flugfeld. "Die sind sich der Gefahr einfach noch nicht bewusst", sagt der Hauptfeldwebel. Die Folgen können schwerwiegend sein: zum Beispiel, wenn eine dieser Jung-Krähen vom Triebwerk eines Tornados angesaugt wird. Oder wenn das Tier gegen die Scheibe des Flugzeugs knallt und der Pilot erschrickt. "Das kann gefährlich werden", sagt Reißner.

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In Absprache mit den Behörden haben sich die Standort-Verantwortlichen daher für eine Vergrämung entschieden. Ein modernes Gerät aus England hat ihnen dabei geholfen: "Scarecrow", zu Deutsch Vogelscheuche. Das ist ein Megafon, das verschiedene Angst- und Todesschreie der Krähen imitieren kann. In den vergangenen beiden Jahren sind Soldaten damit immer wieder über das Flugfeld gelaufen - zum Teil im Schichtbetrieb - und haben die Tiere aufgeschreckt. "Man lässt sie einfach nicht in Ruhe", sagt Reißner. Zusätzlich hat die Feuerwehr die Nester der Brut von den Bäumen gespritzt.

Am Bundeswehrstandort hat sich die Geduld ausgezahlt. "Irgendwann verlassen die Krähen den Flugplatz und suchen sich einen neuen Ort, weil sie so unter Brutzwang stehen", erklärt der Hauptfeldwebel.

Denn die Tiere wissen: Nur wenn sie rechtzeitig und in Ruhe brüten können, hat ihr Nachwuchs eine Chance. Dass die Bedingungen am Flugplatz wegen der modernen "Vogelscheuche" dafür nicht optimal sind, scheint sich unter den Krähen herumgesprochen zu haben. In diesem Jahr waren nur noch fünf Brutpaar gekommen, um ihre Nester zu bauen.

Trotz des Erfolgs: Hauptfeldwebel Reißner glaubt nicht, dass diese Vergrämungsmaßnahme eine Option für die Obermeitinger wäre. Bei 1200 Tieren wäre das angesichts des Aufwands ein "recht sportlicher Ansatz", sagt er. Er hält die geplante Umsiedlung der Tiere in ein anderes Waldstück für aussichtsreicher.

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