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Kreis Augsburg

22.10.2016

Tuberkulose im Kindergarten: Politiker wirft Behörden Versagen vor

Der an Tuberkulose erkrankte Jugendliche, der im Aystetter Kindergarten arbeitete, beschäftigt jetzt auch die Politik.
Bild: Rainer Jensen, dpa (Symbolbild)

Der an Tuberkulose erkrankte Jugendliche, der im Aystetter Kindergarten arbeitete, beschäftigt nicht nur die betroffenen Eltern. Jetzt wird er auch ein Fall für die Politik.

Der Fall des an Tuberkulose erkrankten Jugendlichen, der wenige Zeit vor der Diagnose ein Praktikum im Aystetter Kindergarten machte, schlägt hohe Wellen. Nun soll sich auch die Staatsregierung dazu äußern. Der Stadtberger SPD-Landtagsabgeordnete Herbert Woerlein hat eine entsprechende Anfrage an die Staatsregierung gestellt, wie er gestern mitteilte. „Wir leben in einem Land mit unzähligen Vorschriften und Vorgaben bezüglich des Gesundheitswesens und dann versagen die staatlichen Stellen bei solch einem Vorfall in einer Einrichtung mit vielen kleinen Kindern“, fasst er seine Sicht des Vorfalls zusammen.

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Ob er schon während des Praktikums an Tuberkulose litt, ist nicht klar

Ob der 17-Jährige, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen ist und die Eichenwaldschule in Neusäß besucht, schon während seines Praktikums im April an der hochansteckenden Krankheit litt, ist nicht klar. Ärzte diagnostizierten die Tuberkulose im Juli. Bis das Gesundheitsamt den Kindergarten informierte, verstrichen zwei Monate. Das Gesundheitsamt will erst zu diesem Zeitpunkt vom vorangegangenen Praktikum erfahren haben, hieß es. Bis daraufhin die Eltern der betroffenen Kinder informiert wurden, zogen weitere sieben Tage ins Land.

Simone Grassler, Pressesprecherin beim Landratsamt, wo das Gesundheitsamt angesiedelt ist, erklärt: „Es ist eben ein enormer Aufwand, alle Leute zu kontaktieren, Listen zu erstellen und die Eltern einzuladen. Das dauert einfach ein bisschen.“

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Elternbeiratsvorsitzende: Ich hätte es früher wissen wollen

Waltraud Remmele, die Elternbeiratsvorsitzende des Aystetter Kindergartens, kann das nur bedingt nachvollziehen: „Laut Gesundheitsamt verläuft die Ansteckung mit Tuberkulose sehr langsam. Je später man den Test macht, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Erreger zu finden.“ Sie ergänzt aber: „Ich persönlich hätte es trotzdem lieber früher gewusst, auch auf die Gefahr hin, anschließend noch einen Test machen zu müssen.“

Anfangs sei die Aufregung unter den Eltern sehr hoch gewesen, sagt sie. „Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet.“ Das liege auch daran, dass inzwischen fast alle Kinder untersucht und bei keinem Anzeichen einer Ansteckung gefunden wurden. „Auch bei meiner Tochter ist der Test negativ ausgefallen“, sagt Remmele.

Der 17-jährige Asylbewerber hat sich wohl erst in Deutschland infiziert

Der junge Asylbewerber habe sich wahrscheinlich erst in Deutschland mit dem Krankheitserreger infiziert, berichtet Remmele: „Der junge Mann ist bei seiner Einreise getestet worden, hat uns eine Ärztin des Gesundheitsamts bei der Info-Veranstaltung für die betroffenen Eltern erklärt.“ Zum Zeitpunkt des Praktikums sei der Jugendliche bereits seit acht Monaten im Land gewesen. Bis es zum Ausbruch der Krankheit kommt, können laut Weltgesundheitsorganisation jedoch Monate vergehen. Eine Ansteckung ist da bereits möglich.

Remmele fordert zukünftig strengere Vorschriften für Praktikanten: „Ich kann nicht verstehen, dass eine Betreuungseinrichtung mit kleinen Kindern nicht härtere Regeln hat.“ Das Argument, Untersuchungen von Praktikanten seien zu teuer, zählt für sie nicht: „Die Untersuchungen, die unsere Kinder jetzt über sich ergehen lassen musste, kosten doch auch viel Geld. Für denselben Betrag hätte man viele Gesundheitszeugnisse ausstellen können.“

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