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Neusäß-Steppach

09.07.2010

WM als Anstoß für die Lösung sozialer Probleme

Sechs Monate im Jahr lebt Sybille Kenny mit Sohn Finnegan und ihrem deutschen Lebensgefährten (nicht im Bild) in Südafrika. Mit Afrikas Tierwelt kennt sich der Dreijährige bestens aus. Den Rest des Jahres wohnt die Familie in Steppach. Foto: privat
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Sechs Monate im Jahr lebt Sybille Kenny mit Sohn Finnegan und ihrem deutschen Lebensgefährten (nicht im Bild) in Südafrika. Mit Afrikas Tierwelt kennt sich der Dreijährige bestens aus. Den Rest des Jahres wohnt die Familie in Steppach. Foto: privat
Bild: privat

Selbst Franz Beckenbauer musste zurückrudern: Vor der WM hatte sich der "Kaiser" negativ geäußert, unter anderem über die Sicherheitslage. Viele Südafrikaner hat das geärgert, auch Sybille Kenny. "Aber dann hat er sich Südafrika angeschaut, und sprach positiver über das Land", sagt sie. Die Wahl-Steppacherin glaubt, dass das Fußballturnier den Fans aus aller Welt ein positives Bild ihres Heimatlandes gezeigt hat. Und dass ihre Landsleute lange davon profitieren werden. Von Adrian Bauer

Neusäß-Steppach Selbst Franz Beckenbauer musste zurückrudern: Vor der WM hatte sich der "Kaiser" negativ geäußert, unter anderem über die Sicherheitslage. Viele Südafrikaner hat das geärgert, auch Sybille Kenny. "Aber dann hat er sich Südafrika angeschaut, und sprach positiver über das Land", sagt sie. Die Wahl-Steppacherin glaubt, dass das Fußballturnier den Fans aus aller Welt ein positives Bild ihres Heimatlandes gezeigt hat. Und dass ihre Landsleute lange davon profitieren werden.

Vor dem Turnier hatten viele an den Ausrichtern gezweifelt: Termine einhalten sei keine Stärke der Afrikaner, hieß es. Die Besucher seien wegen der mangelhaften Sicherheitslage gefährdet. Doch man habe vieles widerlegt, erklärt die 38-Jährige: "Alle Stadien wurden rechtzeitig fertig, die Menschen haben ihre große Gastfreundlichkeit bewiesen." Aus diesem Erfolg würden viele Südafrikaner Selbstbewusstsein schöpfen, auch wenn es die Fußballer nicht ins Achtelfinale geschafft haben.

Menschen aus mehr als elf verschiedenen Kulturen leben in Südafrika. Durch das Turnier könnten die Gräben, die die jahrzehntelange Rassentrennung (Apartheid) hinterlassen hat, weiter geschlossen werden. "Es ist das erste Mal, dass Schwarze und Weiße zusammen Fußball schauen." Sonst interessierten sich die Weißen nur für Rugby und Cricket.

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Hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Bezahlung

Das Selbstbewusstsein und verstärkte Zusammengehörigkeitsgefühl soll sich möglichst bald auch in einem Aufschwung der Wirtschaft niederschlagen. Das sagen die Organisatoren der WM, und auch Sybille Kenny glaubt daran: "Das Turnier und das Weltwirtschaftsforum zu Afrika, das 2009 in Kapstadt stattfand, haben viel Vertrauen eingebracht. Daraus lassen sich neue Investitionen generieren."

Die werden dringend benötigt. Zwar sind einige frühere Slums, wie Soweto bei Johannesburg, renoviert und beherbergen sogar Villen. Doch viele Schwarze leben noch in sogenannten Townships in Hütten ohne Strom und fließendes Wasser. Fast ein Viertel der Südafrikaner ist arbeitslos. Die, die Arbeit haben, werden oft schlecht bezahlt. Bei der WM streikten Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen aus Protest gegen Dumping-Löhne.

Sybille Kenny glaubt, dass solche Streiks langfristig etwas bewirken können: "Die Mitarbeiter haben die öffentliche Aufmerksamkeit durch die WM genutzt, um ihre Probleme darzustellen, aber es gab keine größeren Unruhen" Insgesamt habe das Turnier viele soziale Projekte ins Land gebracht. Firmen, Sportler und Verbände engagieren sich in der Aufklärung über die weit verbreitete Krankheit Aids und zur Förderung der Kinder in den Townships. Sybille Kenny unterstützt das Kinderprojekt "Home of Hope".

Von den Deutschen erhofft sich die Steppacherin durch das Turnier mehr Verständnis für die südafrikanische Kultur. Bei ihrer Arbeit als Englischlehrerin und Seminarleiterin bei interkulturellen Trainings stellt sie häufig fest, dass Geschäftsreisende mit einer gewissen Überheblichkeit auf die Afrikaner herabblicken: "Viele gehen mit der Vorstellung heran: So wie wir etwas in Europa machen, so muss es auch in Afrika funktionieren."

Damit unterschätzt man jedoch die kulturellen Unterschiede. In Afrika habe Zeit beispielsweise einen anderen Stellenwert. "Zeit ist ein Statussymbol. Wer Macht hat, darf zu spät kommen und braucht lange, um Probleme zu lösen, weil es sich um etwas Bedeutsames handelt", erklärt sie.

Ideal wäre das Zusammenleben, wie es das Zulu-Wort "ubuntu" beschreibt, dass sie auch im Namen ihrer Firma führt: "Es bezeichnet die afrikanische Grundhaltung, die wechselseitigen Respekt und Anerkennung betont."

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