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Mundartserie

15.07.2013

Warum im Bergsteiger ein Krattler steckt

So manche Wörter offenbaren überraschende Verwandtschaften

Landkreis Augsburg Was hat Bergsteigen mit Handarbeit zu tun? Eigentlich nichts, mundartlich gesehen dann doch. Ein altes Dialekt-Wort im Schwäbischen wie im Bairischen schafft die überraschende Verbindung. Es ist der Begriff für Körbchen, der in unseren Mundarten „Krättlein“, „Krättn“ und auch „Krätzlein“ heißt, wenn darin die Nähsachen aufbewahrt werden.

Wahrscheinlich haben auch diese Wörter lateinische Wurzeln. Jedenfalls mutmaßen das die Sprachforscher König und Renn. Und auch bei Härdl (Lateinische Überreste im bayrischen Dialekt) findet sich der Bezug zu dem lateinischen Wort „crates“ für Flechtwerk. Im Althochdeutschen jedenfalls findet sich der Begriff „chrezzo“, der sich weiterentwickelt zu „Krätzn“ und „Kraxe(n)“, jenem Korb, den man auf dem Rücken getragen hat.

Und schon nähern wir uns sprachlich den Bergen. Denn es spricht einiges dafür, dass unser „kraxeln“ mit den Korbbegriffen der Mundart verwandt ist. Denn es dürfte wohl eigentlich das Bergsteigen mit einer Last im Rückenkorb beschreiben.

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Dafür spricht auch ein weiteres mit Korb verwandtes Dialekt-Wort: Krattler oder Grattler heißen heute noch Taugenichtse. Ursprünglich nannte man nördlich der Alpen jene Fieranten aus (Süd-)Tirol so, weil sie ihre Waren in Körben über die Alpen brachten und unseren Vorfahren zum Verkauf anboten.

Offensichtlich waren unter den Händlern auch schräge Gesellen, sodass es im Laufe der Zeit zu der abwertenden Bedeutung kam. Allerdings hat das sogenannte fahrende Volk bei der sesshaften und bodenständigen Bevölkerung seit jeher einen schlechten Ruf. Und wenn die Händler dann noch aus dem Süden kommen, ist Misstrauen Tradition. Man denke nur an das bairische Schimpfwort für Italiener: „Katzelmacher“ war eigentlich kein Schimpfwort, sondern die Bezeichnung für die Kesselflicker sowie Sieb- und Löffelmacher aus Norditalien. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch das Wort Korb lateinischen Ursprungs ist (corbis). Und im Allgäu heißt der Nähkorb auch „Zeine“, ein Wort, das wohl mit Zaun zusammenhängt; wobei Zaun eigentlich etwas „Geflochtenes“ bedeutet.

Fortsetzung Am Montag in einer Woche beschäftigen wir uns mit dem Inhalt des Nähkörbchens.

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