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Komödie

16.10.2019

Wenn die „Mutter“ ein Mann ist

Gregor Eckert (links) als Georges und Lilo Wanders als Albin/Zaza trugen die Aufführung der Komödie „Ein Käfig voller Narren“.
Bild: Jutta Kaiser-Wiatrek

Lilo Wanders glänzte in Gersthofen in „Ein Käfig voller Narren“. Doch das Stück hat in Zeiten der Ehe für alle an Brisanz verloren

Ein schwules Paar muss sich verstellen, um die Hochzeit des Sohnes nicht zu gefährden. Denn dessen Schwiegereltern sind sehr konservativ: Aus dieser Situation gewinnt die Komödie „Ein Käfig voller Narren“ ihre witzigen Situationen, hat aber auch ein ernstes Anliegen. Nun war das Stück in der Stadthalle Gersthofen zu sehen.

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Der Sohn verkündet seine baldige Heirat mit Muriel. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre nicht sein Vater Georges ein Homosexueller, der seit über 20 Jahren eine Liebesbeziehung mit Albin, der in seinem glamourösen Nachtklub „La Cage aux Folles“ in der Rolle der Diseuse „Zaza“ auf der Bühne steht, führt.

Beide haben den aus einer „verirrten“ Liebesbeziehung stammenden Laurent zu einem wohlgeratenen jungen Mann großgezogen, wobei Albin „Mutterstelle“ an ihm vertrat. Jetzt hat er sich in ein bezauberndes Mädchen aus gutem, aber erzkonservativem Haus, verliebt. Ihr Vater ist ein Politiker, der gegen jeglichen Liberalismus kämpft. Homosexuelle und Männer in Frauenkleidern sind ihm zuwider. Jetzt sollen sich die Familien bei der Verlobung kennenlernen.

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Wie soll Laurents liebevolle Mutter, die aber ein Mann ist, erklärt werden? Laurent will den zukünftigen Schwiegereltern eine traditionelle Familie vorspielen und „Ziehmutter“ Albin für die Zeit des Besuchs verbannen. Die Wohnung wird umgestaltet. Laurent, der tolerant aufwuchs, verfällt in älteste Tabus. „Verstellen wir alles, die Türen und uns selbst“, so Albin, der sich seine Verbannung nicht gefallen lässt und schließlich höchst überzeugend in der Rolle von Laurents Mutter erscheint. Damit beginnt eine turbulente Zeit mit vielerlei Katastrophen, Missverständnissen und Verwirrungen. Letztlich fliegt der Schwindel auf und auch die Familie der Braut hat keine reine Weste. Liebe und Familie siegen schließlich über alle Vorbehalte. Das Bühnenbild zeigte die Wohnung eines durchaus klischeebehafteten homosexuellen Paares, in der vor allem Butler Jacob das Klischee des Homosexuellen voll und ganz bediente. Hüftschwingend und sich in jeglicher Art übertrieben benehmend, sorgte er für komödiantische Elemente im Stück, die vom Publikum gerne angenommen wurden.

Insgesamt aber blieben er und die weiteren Nebenfiguren blass. Dies war wohl vor allem auf die beiden Hauptcharaktere, verkörpert von Gregor Eckert und der Kult-Diva Lilo Wanders, zurückzuführen, mit denen das Stück stand und fiel. Sie boten mit dem Stück „Ein Käfig voller Narren“ mit dem gebotenen Respekt und Toleranz eine bunte Komödie mit liebenswerten Charakteren aus der Welt der Travestie.

Das Theaterstück „Ein Käfig voller Narren“ war 1973 von Jean Poiret geschrieben worden. Damals war es ein enormes Risiko zwei schwule Männer als Hauptakteure einzusetzen. In einer Zeit von „Ehe für alle“ hat die Geschichte aber an Brisanz verloren. Jeder Mensch sollte so akzeptiert werden, wie er ist und leben können, wie er möchte.

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