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Ustersbach

28.02.2018

Wenn eine Stadttussi ein Landei trifft...

Die Kernölamazonen - Gudrun Nikodem-Eichenhardt (links) und Caroline Athanasiadis - vereinten Witz, Humor, Tanz und Gesang zu einer bunten Musikrevue.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Kernölamazonen aus Österreich begeistern im Forum Ustersbach. Glamour, Slapstick und schonungslose Realität.

Musicalkarriere träumende schrille Stadttussi trifft auf robustes Landei. Dieses Gegensatzpaar mit allen seinen Skurrilitäten und Unterschiedlichkeiten rockte das Forum. Die Kernölamazonen - derzeit erfolgreichstes österreichische Frauenkabarett-Duo, präsentierten dort mit erstaunlichem stimmlichen und körperlichen Einsatz, Schmäh und sprühenden Pointen eine bunte Mischung aus Revue, Musik und Tanz.

Das aktuelle Programm von Caroline Athanasiadis und Gudrun Nikodem-Eichenhardt, von der Harmoniemusik Maingründel nach Ustersbach gebracht, griff die Gegensätze von Heimat auf. Hier Caros Stadt, dort Gudruns Land. Die eine nach der Bühnenkarriere erfolglos auf Jobsuche , die andere eine steirische Bio-Bäuerin und Mutter von vier Kindern. Bei einem zufälligen Treffen prallen nicht nur zwei Welten und Wertsysteme aufeinander, sondern auch die schonungslose Wirklichkeit. Das alles verbindet das Duo mit kernigem Charme, bodenständigem Humor und zuweilen großartigem Unsinn. Wunderbar nehmen die Komödiantinnen das Publikum mit in den Großstadt-Dschungel, besingen mit tollen Stimmen, herrlichen Witzen und genialer Mimik und Gestik Typen, denen sie in U-Bahn, bei einer Fiakerfahrt und in der Geisterbahn im Prater begegneten. Pfiffig immer wieder die Dialoge. „Ich gebe keine einzige Sünde her“, meint Gudrun beim Besuch im Stephansdom. „Schließlich habe ich dafür hart gearbeitet.“ Caro vergleicht Speed-Dating mit einem verbalen Swingertreff und frotzelt: „Alkohol ist keine Lösung, Milch aber auch nicht.“

Beim Ausflug aufs Land, in Gudruns Heimat, stülpen Feuerwehrfest, Fensterln, zu viel Schnaps und eine Scheunennacht Caros Vorstellungen vom braven und eintönigen Landleben rasch um. Das Klischee, dass es dort keine Sünde gibt, wird umgehend relativiert. Müßig festzustellen, dass Gudrun dennoch fürs Land plädierte: „Da weiß man wenigstens noch, dass die Kuh nicht lila ist.“ So ganz nebenbei erfährt Caro noch, dass Dialekt sprechen längst nicht heißt, ihn auch zu verstehen. Doch dank einer Übersetzungs-App verstehen auch die Zuschauer, dass mit den steirischen Begriffen Foutzhoubl eine Mundharmonika und mit Hutschn eine Schaukel gemeint ist.

Die Stimmungskanonen - ergänzt von Matthias Ellinger an den Tasten - reihten so Gag an Gag und vereinten ihre Musik zu einer charmanten Mixtur aus Liebesschnulzen, Heiratslieder, Partykrachern und Fetenhits. Dabei zogen sie das Publikum humorvoll mit in ihre Show ein. Mit ihrer gesanglichen und choreografischen Präsenz punkteten die Kernölamazonen bei den Besuchern. Fazit des Publikums? „Mir fehlte bei den Texten etwas der Tiefgang“, resümierte beispielsweise Daniela Wirth. Silvia Kugelmann wertete positiver: „Das Leben ist voll von Nörgelei und Pessimismus.“ Da sei es schön, einen unbeschwerten Abend zu genießen. Dennoch: Die Besucher waren begeistert. Bei der Zugabe wartete das Duo augenzwinkernd mit Unterschieden zwischen Deutschland und Österreich auf. Beim Befruchtungsjodler wies es auf das statistische Sexualleben der beiden Länder hin. „Da müsst ihr noch aufholen“, riefen die Kernölamazonen mit ironischen Blicken in den Saal.

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