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Wirtschaft

30.04.2016

Wie aus Flüchtlingen Facharbeiter werden

Erfolgreiche Arbeitsintegration: Die afrikanischen Flüchtlinge David Ismaila und Souleymane Bah sprechen über ihre Ausbildung bei der Holzer-Firmengruppe (in der Mitte: Firmenvertreter Hermann Holzer). Foto: Thomas Hack

Den Firmen im Landkreis brechen die Spezialisten weg. Doch erste Projekte zeigen, dass Asylbewerber die Lücken in der Belegschaft schließen können

Haben Flüchtlinge eine Chance auf dem hiesigen Arbeitsmarkt oder sind vielmehr die Zuwanderer eine Chance? Klar ist: Der Fachkräftemangel habe bereits einen ökonomischen Schaden von vielen Milliarden Euro verursacht, mahnt nun auch Landrat Martin Sailer.

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Aber wie kommt ein syrischer Programmierer mit einem schwäbischen IT-Unternehmen zusammen? Kann ein afghanischer Zahntechniker dasselbe leisten wie ein bayerischer Fachspezialist? Und wie können Ausbildungslücken nachhaltig aufgefüllt werden? Mit solchen Fragen zur zukunftsorientierten Arbeitsintegration beschäftigte sich nun der Unternehmerabend des Landkreises im Diedorfer Schmuttertal-Gymnasium.

Zwischen zahlreichen Firmenvertretern saßen auch David Ismaila und Souleymane Bah, zwei afrikanische Flüchtlinge, welche die Eingliederung ins regionale Wirtschaftsleben bereits geschafft haben. Fachkundige Hilfe erhielten sie dazu von der IHK Schwaben, die im Jahr 2014 das Projekt „Junge Flüchtlinge in Ausbildung“ ins Leben gerufen hatte. Ausbildungsberaterin Josefine Steiger weist allerdings daraufhin, dass sich dieses Unterstützungsprogramm ausschließlich an unbegleitete junge Flüchtlinge aus Krisengebieten richte.

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Dabei vermittelt die IHK zwischen den Bewerbern und geeigneten Arbeitsstellen. Anfangs mussten die Unternehmen noch mühselig akquiriert werden, wie Steiger erläutert, doch mittlerweile seien großartige Erfolge zu verzeichnen: „Wir haben bereits 60 Flüchtlinge vermittelt. Und alle haben die Probezeit bestanden“, so die IHK-Vertreterin. Bei der Holzer-Firmengruppe in Bobingen haben David Ismaila und Souleymane Bah einen Ausbildungsplatz gefunden. Sie qualifizieren sich dort als Zerspanungsmechaniker und fertigen Präzisionsbauteile an. Firmenvertreter Hermann Holzer zeigt sich höchst zufrieden mit seiner Entscheidung: „Bereits nach ein paar Monaten gehören die beiden schon fest zu unserem Team.“

In enger Verbindung steht die IHK auch mit den Integrationsprojekten der Organisation „Tür an Tür“, die sich mit der Anerkennung ausländischer Qualifikationen beschäftigt. Geschäftsführer Stephan Schiele macht deutlich: „Flüchtlinge verlassen nicht nur Wohnung und Heimat, sondern oft auch qualifizierte Arbeitsstellen.“ In einem sorgfältig durchgeführten Verfahren werde daher geprüft, inwieweit sich deutsche und ausländische Ausbildungen gleichen und welche Berufsbilder hierzulande fachliche Anerkennung finden. Selbst Schiele war von den ersten Ergebnissen der Studien überrascht: „30 bis 40 syrische Berufe weisen absolute Gleichwertigkeit mit deutschen Berufen auf.“ In den restlichen Fällen werde dann die Praxiserfahrung des Bewerbers analysiert.

Fällt das Verfahren dann noch negativ aus, greift der zuständige Weiterbildungsmarkt. Doch auch auf diesem gibt es Hilfe: Beate Muder von der Augsburger Arbeitsagentur weist auf die „Assistierte Ausbildung“ hin, die sich vorrangig an junge Menschen richtet, die sozial benachteiligt oder ohne Berufserfahrung sind.

Damit könne auch der heimische Nachwuchs an eine Ausbildung herangeführt werden, wie Marie-Laure Rabourdin vom Institut für Talententwicklung zeigt: Mit der Vocatium-Messe sei ein Instrument geschaffen worden, um Schüler bei der Berufswahl zu unterstützen. IHK-Vertreterin Josefine Steiger bringt es mit einfachen Worten auf den Punkt: „Die Herkunft darf nicht nur ein Schicksal, sondern kann auch eine echte Chance sein.“

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