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Biberbach

07.08.2019

Zwei Schwestern als berufliches Duo in  einer Praxis

Margit Sinninger-Gerstmayr (links) und ihre Schwester Rita Freundlinger (rechts) betreiben seit dem Jahr 1992 die heilpädagogische Praxis in Biberbach.
Bild: Steffi Brand

Margit Sinninger-Gerstmayr und Rita Freundlinger arbeiten in Biberbach als Heilpädagogen. Was aus der Not heraus gegründet wurde, ist heute berufliches Glück.

Margit Sinninger-Gerstmayr (60) und ihre Schwester Rita Freundlinger (54) haben vieles gemeinsam und machen vieles gemeinsam. In wenigen Tagen starten sie sportlich durch. Sie haben sich vorgenommen, die letzten sieben Etappen des Jakobswegs gemeinsam zu beschreiten. „Pilgerurlaub“ nennen die Geschwister aus Biberbach ihren Plan. Doch nicht nur privat gehen sie Seite an Seite. Auch beruflich treten sie als Duo auf – in der heilpädagogischen Praxis von Margit Sinninger-Gerstmayr.

Ihr Anfang als Unternehmerin war ganz und gar nicht einfach. Als gelernte Erzieherin und mit einem abgeschlossenen Heilpädagogik-Studium in der Tasche arbeitete Margit Sinninger-Gerstmayr im Augsburger Josefinum im Bereich der pädagogischen Frühförderung. Als ihre Tochter, die im Jahr 1985 auf die Welt kam, eingeschult werden sollte, stand sie vor einem Problem: Sie bekam keinen Teilzeit-Vertrag. „Aus der Not heraus“ machte sie selbstständig, wie sie heute berichtet.

Freie Zeiteinteilung ist ein großer Luxus

Rückblickend begreift sie die freie Zeiteinteilung als großen Luxus, der es ihr und ihrer Schwester ermöglicht, die Berufstätigkeit sowie freie Zeit mit Kindern, Enkeln, Freunden, Familie, Sport und Musik unter einen Hut zu bringen. Nur die wenigsten wussten zu Beginn ihrer Selbstständigkeit, im Jahr 1992, was in einer heilpädagogischen Praxis passiert. „Einige riefen an und wollten Termine zur Massage oder zur Krankengymnastik vereinbaren“, erinnert sich die Heilpädagogin. Das war mitunter auch ein Grund dafür, warum Margit Sinninger-Gerstmayr ein Stück weit „Pionierarbeit“ leisten musste.

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Nach einigen Verhandlungsrunden konnte sie Verträge mit dem Landratsamt und dem Bezirk Schwaben schließen. Nur so war es möglich, dass ihre Leistungen ebenfalls von diesen Trägern finanziert werden wie es bereits bei anderen, großen Einrichtungen der Fall war.

Zahlreiche Weiterbildungen ergänzen das Handwerkszeug

Mit der Geburt ihres ersten der insgesamt drei Kinder stieg Rita Freundlinger in die heilpädagogische Praxis ihrer Schwester ein. Die Grundausstattung in Form einer Erzieher-Ausbildung und einem Studium zur Heilpädagogin brachte auch sie mit. Zahlreiche Weiterbildungen ergänzen das Handwerkszeug, auf das das Geschwister-Duo heute zurückgreifen kann. Beide haben eine Ausbildung in systemischer Familientherapie. Margit Sinninger-Gerstmayr ist NLP-Trainerin, Rita Freundlinger hat eine Ausbildung, die es ihr ermöglicht, Autogenes Training für Kinder und Erwachsene anzubieten und hat spezielle Weiterbildungsmaßnahmen besucht, um mit Kindern mit Autismus arbeiten zu können.

Seit 12 Jahren ist die heilpädagogische Praxis Kooperationspartner der interdisziplinären Frühförderstelle im Josefinum. Nicht zuletzt deswegen verbringen die Schwestern zwei Drittel ihrer Arbeitszeit in Kindertagesstätten. Dort unterstützen sie Kinder mit einem speziellen Förderbedarf ebenso wie deren Eltern und Erzieher. Da die Anzahl der Plätze für Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf in Kindertagesstätten häufig nicht ausreicht, bieten sie ihre heilpädagogische Förderung auch in ihrer eigenen Praxis an, die ihren Sitz am Marktplatz und in der Heilig-Kreuz-Straße in Biberbach hat. Auch Vorträge und Schulungen für Eltern und pädagogisches Fachpersonal fallen in ihren Aufgabenbereich.

Sie haben das ganze System im Blick

Was sich genau hinter ihrer Arbeit verbirgt, ist weit weniger griffig als die Arbeit ihrer Kollegen im Bereich der Frühförderung, erklären die Schwestern. Während der Fokus von Logopäden auf der Sprache liegt und sich Ergotherapeuten um die Motorik kümmern, blicken Margit Sinninger-Gerstmayr und ihre Schwester Rita Freundlinger als Heilpädagoginnen auf das ganze System, in dem Kinder heute leben und aufwachsen.

Ihre ganzheitliche Ausbildung ermöglicht es ihnen, zu ergründen, warum sich Kinder so verhalten, wie sie es tun, um anschließend gezielt an deren Verhalten ansetzen zu können. So erarbeiten sie mithilfe verschiedener Therapieansätze Übungen, die Konzentration und Ausdauer fördern können, ebenso wie Ansätze, die dabei helfen, Depressionen und Ängste zu überwinden. Eine enge Zusammenarbeit mit den Pädagogen in der Kindertagesstätte ist ihnen dabei ebenso wichtig wie den Eltern praktische Beispiele an die Hand zu geben, wie sie ihre Kinder selbst fördern können.

Das was mit einer Unternehmensgründung „aus der Not heraus“ begonnen hat, ist für die Schwestern heute ihr berufliches Glück, das sie mit Leidenschaft, Engagement und Motivation gleichermaßen betreiben.

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